Nº 264

Generative Mode

Mode kann ein Statement sein, eine Ausdrucksform der eigenen Identität und Lebenseinstellung. Doch schöpft man dabei üblicherweise aus dem Angebot, das Designer und Modemacher ersonnen haben. Generative Mode bietet die Möglichkeit, Kleidung über verschiedene Verfahren zu individualisieren – sei es durch gezielte Anpassungen oder die gestalterische Übersetzung von Daten mithilfe moderner Technik. So sind maßgeschneiderte Lösungen, die den ästhetischen oder physischen Anforderungen des späteren Trägers optimal entsprechen, heute oft nur wenige Mausklicks entfernt.




ShareSchal

woollaa.com

 

Das geklonte Schaf Dolly war Mitte der 1990er-Jahre sowohl eine wissenschaftliche Sensation als auch Auslöser ethischer Diskussionen. Sein genetischer Code ist heute online für jeden einsehbar und hat nun auch Eingang in die Modewelt gefunden. Dafür wurde die Abfolge der Aminosäuren mithilfe einer Software in Farben übersetzt, die sich als abstraktes Muster über einen gut 4,2 Kilometer langen, zunächst virtuellen Schal erstrecken. Je nach Auswahl des Nutzers aus 16 verschiedenen Farben springt der Online-Generator automatisch zum passenden der 1.820 Einzelschals, in welche die Gesamtlänge unterteilt ist. Erst nach der Bestellung werden die entsprechenden Daten von einer Strickmaschine zu einem physischen Schal verarbeitet. Der Shareschal ist das erste Projekt von Woollaa. Die zugrundeliegende Idee dieses Unternehmens ist es, „die Produktionskette von Mode auf den Kopf zu stellen“, indem durch kurze Wege, eine emotionale Bindung zu den Kleidungsstücken und die Herstellung on demand der Fast Fashion- Bewegung entgegengewirkt wird.



Woollaa – Strictly Personal from Stini Röhrs on Vimeo.


 

Unmade

preview.unmade.com

 

Die Plattform Unmade bildet eine Schnittstelle zwischen Kreativszene und Industrie: Kollaborationen mit internationalen Gestaltern und Studios füttern ein Portfolio von Designs, für deren Umsetzung neueste Technik in Form von Maschinen und Software bereitgestellt wird. Entgegen dem üblichen Vertriebsweg, bei dem ein Großteil der bereits produzierten Kleidungsstücke nicht verkauft und schlussendlich entsorgt wird, erfolgt die Herstellung bei Unmade nur nach Bestellung. Der Kunde kann online aus den Designs der verschiedenen Gestalter auswählen und sie nach seinen Vorstellungen anpassen. Je nach Modell sind Parameter wie Größe, Farbe, Position oder Verteilung der Muster und Motive beeinflussbar. Die Schals und Pullover werden im Anschluss binnen 48 Stunden aus Merinowolle oder Kaschmir gestrickt und ausgeliefert. Die drei Gründer, die sich aus ihrer Studienzeit am Royal College of Art in London kennen, streben mit Unmade eine Verlangsamung der Modeindustrie an, bei der sowohl Technik, Design und Handwerkskunst als auch der spätere Träger selbst in die Prozesse integriert sind.



 

Dot One

dotone.io

 

Gerade einmal 0,1 Prozent unserer DNA macht uns einzigartig; die restlichen 99,9 Prozent sind mit der jedes anderen Menschen auf der Welt identisch. Die Designerin Iona Inglesby griff sich genau diesen winzigen Anteil heraus, um basierend darauf Muster zu generieren. Mithilfe eines Wangenabstrichs wird dazu in einem Labor die DNA der betreffenden Person ausgewertet und die individuellen 0,1 Prozent werden daraufhin mit einem Algorithmus grafisch übersetzt. So kann die eigene biologische Identität als Farbcode auf handgewebten Textilien einen Ehrenplatz finden. Inglesby möchte mit diesem Projekt zum einen Technologie und Handwerkskunst zusammenbringen, zum anderen über das wissenschaftliche Gebiet der Genforschung aufklären und ihrem negativ besetzten Ruf entgegenwirken.





Dot One from Dotone on Vimeo.


 

PixelWeaver

sosolimited.com

paom.com

 

Anhand des Online-Suchverhaltens lässt sich ein erschreckend genaues Bild des jeweiligen Nutzers zeichnen. Das am MIT Media Lab gegründete Studio Sosolimited nutzt ein beliebtes Tool aus diesem Kontext zur Generierung individueller Muster: die Google-Bildersuche. Die am höchsten gelisteten Ergebnisse, die zu einem selbst gewählten Suchbegriff erscheinen, werden vom Pixel Weaver-Algorithmus in ihre Einzelteile zerlegt und dann blockweise neu zusammengesetzt. Neben der durch die Suche definierten Farbwelt, kann die Richtung und Dicke der einzelnen Elemente des Musters beeinflusst werden, das dann auf T-Shirts, Schals, Jacken, Leggins oder Stoffbeutel gedruckt wird. Die Kleidungsstücke können auf der Onlineplattform Print All Over Me gestaltet und bestellt werden. Ein Teil des Erlöses kommt der Processing Foundation zugute, deren Ziel die Förderung von Wissen im Bereich Technik und Visual Arts ist und die die Programmierung hinter dem Pixel Weaver verantwortet.





PixelWeaver from Sosolimited on Vimeo.


 

New Balance

n-e-r-v-o-u-s.com

newbalance.com

 

Sportler können sich im Jahr 2016 auf neue Möglichkeiten der Maßanfertigung von Laufschuhen freuen. Der US-amerikanische Hersteller New Balance plant im April ein Modell auf den Markt zu bringen, das an die individuellen Bedürfnisse des Trägers angepasst ist. Dazu wird das persönliche Laufverhalten digital erfasst und ein Schema der Druckverteilung des Fußes erstellt. Anhand dieser Daten kann mittels 3D-Druck eine Zwischensohle gefertigt werden, deren Struktur durch höhere oder geringere Verdichtung eine optimal zugeschnittene Federung aufweist. Das Verfahren wurde zusammen mit Nervous System entwickelt, einem auf generatives Design spezialisierten Studio, das schon in mehreren Projekten Mode und Technologie kombiniert hat. Einen ganz ähnlichen Weg wie New Balance verfolgt Adidas mit seiner Designinitiative Futurecraft, in deren Rahmen ebenfalls an individualisierten und 3D-gedruckten Sohlen geforscht wird.





Generating a New Balance 3D-printed midsole from pressure data from Nervous System on Vimeo.


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