Nº 264

Designszene Litauen

16 Personalities

Mit dreieinhalb Millionen Einwohnern ist Litauen das bevölkerungsreichste Land der drei baltischen Staaten, die alle im Zuge von Glasnost und Perestroika 1990 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärten. Seitdem hat sich Litauen zu einem modernen, europäischen Staat entwickelt, der Anfang Oktober 2015 bekannt gegeben hat, dass Design als wichtiger Innovationstreiber in die Strategie der nationalen Kulturpolitik aufgenommen wird. Mit unserem diesjährigen Länderschwerpunkt gehen wir nicht nur der bewegten Geschichte Litauens nach, sondern werfen auch einen Blick auf die aktuelle Designszene vor Ort und ihre Gestalter. Hier stellen wir aus den Bereichen Grafik-, Produkt-, Mode- und Industriedesign jeweils ein Studio vor; diese und weitere zwölf finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe.

 

 

 

Naked Bruce

nakedbruce.com

 

Disziplin: Modedesign

Gründungsjahr: 2013

Gründer: Monika Vaitkienė

Alter: 28

Ausbildung: Internationale Beziehungen, Politikwissenschaften

Arbeitsbereiche: Grafikdesign, Fotografie, Modedesign

Clients: House of Naive, 5 Summer Stories, Monique Boutique (US), The Contempo (UK)

Partners: Tomas Markevicius, House of Naive

Inspiration: die Straße, das Meer, der Flughafen




Was ist Deiner Meinung nach das Besondere am Design in Litauen?

 

Litauisches Design findet immer mehr Beachtung – nicht nur in Litauen selbst, sondern auch in Europa und auf der ganzen Welt. Zuvor wenig bekannte Mode-, Accessoire-, Schmuck- und Modedesigner erreichen heute ein internationales Publikum, auch außerhalb des Baltikums. Ich glaube, es ist die Kombination aus hohen Qualitätsstandards, lokalen Stoffen und Materialien und dem Handwerk, die kaum zu schlagen ist.

 

 

Was zeichnet Deinen Stil aus?

 

Mein Stil ist eine Mischung aus jungenhafter Sinnlichkeit und femininer Eleganz. Jede Saison, jedes neue Teil ist ein Kampf ohne Regeln. So wird jede Methode immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Dennoch sind die grafische Symmetrie und das modernistische Gefühl Aspekte, die sich durch jede Kollektion von Naked Bruce ziehen.

 

 

Was sind Deine Ansprüche?

 

Naked Bruce entwickelt sich langsam, aber sicher hin zum nachhaltigen Design. Die höchste Priorität ist es, sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards gerecht zu werden. Bis zu 80 Prozent der Stoffe und Färbemittel sind zertifiziert. Und alles, vom Label bis zum fertigen Produkt, wird in Litauen hergestellt.




 

 

etc.etc

etcetc-studio.com

 

Disziplin: Produktdesign

Gründungsjahr: 2012

Gründer: Inesa Malafej, Arūnas Sukarevičius

Durchschnittsalter: 28

Ausbildung: Vilnius Academy of Arts, Royal Danish Academy of Fine Arts

Arbeitsbereiche: Produktdesign, Möbeldesign

Kunden: Emko, Ergolain, Rosenthal, Ro




Was zeichnet Eurer Meinung nach das Design in Litauen aus?

 

In der 25-jährigen Geschichte unseres jungen Landes seit der Unabhängigkeit waren die ersten zehn bis fünfzehn Jahre schlichtweg verrückt, als sich ein Wandel in dem sowjetisch geprägten Denken vollziehen musste. Mittlerweile spüren wir eine Menge Interesse und Unterstützung, von Seiten der ansässigen Industrie, wie auch der Kreativszene – Litauen ist ein Ort, der vor Ambitionen für neue Dinge sprüht.

 

 

Welche Einflüsse prägen Euren Arbeitsprozess und Stil?

 

Unsere Studien und Praktika führten dazu, dass wir zwischen Litauen, Finnland, Dänemark und Deutschland unterwegs waren, ich schätze wir repräsentieren Nordeuropa. Wir haben unseren Abschluss vor genau einem Jahr an der Royal Danish Academy of Fine Arts gemacht, hier stießen wir auf eine traditionsorientierte Atmosphäre und haben gelernt, wie Dinge auf skandinavische Weise gestaltet werden. Andererseits kamen wir von einem Ort, wo man immer mit einem weißen Blatt Papier beginnt. Diese beiden Seiten haben möglicherweise zu einer Haltung

geführt, in der wir uns mit der nordischen Designtradition verbunden fühlen, uns jedoch davon lösen, wenn wir darauf keine Lust haben.

 

 

Welches Eurer eigenen Produkte ist bisher Euer Favorit?

 

Wie so oft, ist das immer das Projekt, an dem wir aktuell arbeiten. Das Besondere ist aber bisher wahrscheinlich My Writing Desk, das war der erste Entwurf, der wirklich wahrgenommen wurde und auch der erste kommerzielle Erfolg für uns.




 

 

Jonė Miškinytė

miskinyte.com

 

Disziplin: Kommunikationsdesign

Arbeit: selbstständig

Alter: 23

Ausbildung: Grafikdesign, Vilnius Academy of Arts

Arbeitsbereiche: fachübergreifendes Grafikdesign, Illustration

Kunden: Musik, Kino, Modeindustrie

Inspiration: Menschen und ihre Arbeiten




Was ist Deiner Meinung nach das Besondere an Litauens Designszene?

 

Ich glaube das Besondere ist, dass die Szene noch immer wächst und die Definition des litauischen Designs nur vage existiert. Ich lebe in einer Zeit, die mir die Möglichkeit gibt, Teil dieses Prozesses zu sein und mit meiner Arbeit Einfluss zu nehmen. Obwohl wir ein junges Land sind, haben wir eine sehr alte Sprache und Kultur. Ich gehe davon aus, dass vor allem die Geschichte und die Kultur unserer Vorfahren eine große Inspirationsquelle für die Formulierung des litauischen Designs sein kann.

 

 

Wie hat sich Deine visuelle Sprache entwickelt?

 

Ich hatte schon in der Schule eine Vorliebe für Illustrationen. Als ich mein Grafikdesignstudium an der Vilnius Academy of Arts begann, änderte sich alles. Uns wurde beigebracht weniger illustrativ und stattdessen konzeptioneller zu arbeiten. Als nächstes studierte ich ein halbes Jahr in Finnland. Diese Zeit hatte großen Einfluss auf mein kreatives Denken und meinen Stil. Dort gibt es so viele gute Illustratoren, von denen ich viel lernen konnte. Danach wollte ich Illustration in meine Designarbeiten integrieren und so kehrte ich zu meinen Wurzeln zurück. Heute sehe ich mich sowohl als Grafikdesignerin als auch als Illustratorin.

 

 

Was sind Deine Pläne und Ziele für die Zukunft?

 

Mehr skizzieren. Meine Illustrationsfähigkeiten verbessern. Neue Techniken ausprobieren. Neue Softwaretools erlernen. Mehr Bücher lesen. Das Internet weniger nutzen. Meinen Wohnort wechseln.




 

Denis Orlenok

behance.net/orlenok

 

Disziplin: Industriedesign

Arbeit: selbstständig seit 2012, Dozent an der Vilnius Academy of Arts

Ausbildung: Industriedesign, Vilnius Academy of Arts; Designmanagement, Vilnius Academy of Arts

Arbeitsbereiche: Industriedesign, Produktdesign

Kunden: Aedilis, Elseta, Ligowave, Tenesys, Wilibox, Alovita, Blueflight, Racetech

Partner: Neringa Orlenok, Deividas Juozulynas

Inspiration: Contemporary Art Centre (LT), National Gallery of Art (LT), Centre Pompidou (FR), Copernicus Science Centre (PL)




Was beeinflusst Deine Arbeit?

 

Obwohl Design heutzutage ein globales Phänomen ist, lasse ich mich zum Erstaunen Vieler bei meiner Arbeit nicht von äußeren Einflüssen lenken. In meinen Augen sollten wir alle mit der gleichen Absicht arbeiten –, um Verschmutzung und Müll zu reduzieren, die globale Erwärmung zu stoppen und gefährdete Tierarten zu retten. Das sollte das weltweite Hauptziel sein, egal, wo man lebt, was man macht, woran man glaubt und woher man kommt. 

 

 

Du wurdest an der Vilnius Academy of Arts ausgebildet und unterrichtest selbst dort. Was zeichnet die Designausbildung in Litauen aus?

 

Wir sagen unseren Studenten immer, dass sie im „besten Büro der Stadt“ arbeiten. Die Vilnius Academy of Arts liegt mitten in der Altstadt nahe dem Domplatz und ist von Parks, schmalen historischen Gassen, kleinen Läden, Bars und Restaurants umgeben. Die Atmosphäre selbst ist sehr inspirierend und die Infrastruktur perfekt. Was die Ausbildung an der Akademie auszeichnet, ist die Tatsache, dass hier traditionelle Künste und modernes Handwerk „unter einem Dach“ vereint sind.

 

 

Was zeichnet Deiner Meinung nach litauisches Design aus?

 

Aus meiner Sicht beschreiben klare Umrisse und Formen, Rationalität und Nachhaltigkeit litauisches Design. Ich denke, wir mögen keine komplizierten Dinge und drückende Farben, weil sie uns an die standardisierten, sowjetischen Möbel erinnern, die fast jeder einmal besaß.




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