Nº 267

Analoges Projection Mapping

Seit nunmehr fast 50 Jahren wird der Terminus „Projection Mapping“ benutzt und verdankt seinen ersten Einsatz den Illusionstechnikern des Themenparks Disneyland im Jahr 1969. Durch vereinfachende, technische Weiterentwicklungen loten seit den 2000er-Jahren zunehmend Künstler die Einsatzgrenzen der vergänglichen Projektionen für ihr Arbeitsfeld aus. Dabei spielen Transparenz, Wahrnehmungsverzerrungen, geometrische Formelemente und Grenzüberschreitungen im Raum eine erhebliche Rolle. Die folgenden Projekte zeigen die wechselseitigen Tendenzen auf, die die Projektionsmapping-Ästhetik in einen gestalterischen Stil zurückführt. Dabei wird durch physische Strukturen, Muster und minimalistische Formen die Grenze vom Zwei- ins Dreidimensionale überschritten.



Prelude

gunee-homme.com

 

Der Designer und Fotograf Eugen Laitenberger gründete 2014 das Modelabel Gunee Homme. Seine Affinität zu Illustration und Grafikdesign schlägt sich vor allem in den handgezeichneten Mustern seiner Modeentwürfe nieder. Die Kollektion Prelude beinhaltet bunt gemusterte Hemden und Fliegen. Der Stil spielt mit geometrischen Formen, Symmetrien und dem Wechsel von der Zwei- zur Dreidimensionalität. Die Hemden sind körperbetont, der Illustrationsstil und die Linien auf dem Körper wirken projiziert. Auch in der Präsentationsform der Kollektion sind Parallelen zum Projektionsmapping erkennbar. Die Hemden hängen teilweise gefaltet teils aufgehängt im Raum, eingerahmt von farblich auf die Stücke angepassten grafischen Elementen, wie Linien und Rechtecken, die sich von Podesten oder Vitrinen in den Raum hineinziehen. Laitenberger arbeitet mit Bruchstücken von Glas, um die Illusion von Dimensionen und räumlichen Grenzen zu überschreiten.




Spacestream

danielwidrig.com

 

Der Stuhl Spacestream verbindet das Phänomen der aus dem Futurismus bekannten, fixierten Bewegung mit den Mapping- Elementen der Transparenz und der verzerrten Wahrnehmung. Der Designer Daniel Widrig lebt und arbeitet in London und hat bereits in zahlreichen Projekten experimentelle Materialien und 3D-Druck als Basis verwendet. Spacestream entstand 2015 in Zusammenarbeit mit Stefan Bassing, Someen Hahm, Wenjian Yang, Shaoru Wang, Shan Zhen und Mengying Li im Rahmen eines Forschungsprojekts. Der Stuhl ist aus Stahl gefertigt und ermöglicht damit eine hohe Stabilität, unter Beibehaltung von fragil anmutenden, geometrischen Formen.




Quartz

joanielemercier.com

 

Der Künstler Joanie Lemercier arbeitet seit 2006 mit Mapping-Projektionen. Zeigte er seine Lichtinstallationen zunächst ausschließlich im Kontext von Kunstfestivals, arbeitet er derzeit unter anderem an Projekten für die Geschäfte des Modelabels Rocawear von Rapper Jay Z. Die Arbeit „Quartz“ wurde im renommierten New Yorker Kaufhaus Barneys gezeigt und stellt den zweiten Teil seines „Lichtfragment“-Triptychons dar. Das Werk basiert auf parametrischen Kristallformen, die in Zusammenarbeit mit dem Medienkünstler Kyle McDonald entstanden sind. Der Schaumkern wurde mit Fragmenten von Spiegelfolie bestückt, sodass ein dreidimensional anmutendes Objekt entstand. Das Anordnungsprinzip basiert auf den Strukturen eines Kristalls, wodurch im Zusammenspiel mit der Lichtquelle, den Höhenunterschieden und den Transparenzen der Eindruck einer zweidimensionalen Aufnahme von einer kosmischen Explosion entsteht. Die optische Täuschung wird durch sphärisches Audiomaterial des Sound Designers Thomas Vaquié unterstützt.



QUARTZ from Joanie Lemercier on Vimeo.


Atoms from Joanie Lemercier on Vimeo.


The making of "ATOMS" from Joanie Lemercier on Vimeo.


Grid Body

tokujin.com

 

Der japanische Designer und Künstler Tokujin Yoshioka legt sich in seinen Arbeiten nicht auf ein Arbeitsfeld fest. Seine Projekte decken Produkt- und Ausstellungsdesign sowie Architektur ab. Grid Body ist im Auftrag seines früheren Arbeitgebers Issey Miyake entstanden. Yoshioka gestaltete die transparenten Körper als Träger für Issey Miyakes Modeentwürfe, die in der Ausstellung „The Work of Miyake Issey“ (↗ form 265, S. 29) dieses Jahr im National Art Center in Tokio gezeigt wurden. Dabei bezog sich Yoshioka auf den technischen Entwicklungsstand der jeweiligen Schaffensphase des Modedesigners. Für die Modestücke aus den 1970er-Jahren fertigte er seine Körper aus Karton, deren Einzelteile mit Laser ausgeschnitten wurden. Für die futuristischen Entwürfe aus den 1980ern setzte er als Grundmaterial transparentes Acrylharz ein. Seine Träger haben, durch ihre Rasterung und das Ineinanderstecken einzelner Formen zu einem stabilen, menschlichen Körper, sowohl einen geometrischen als auch transparenten Effekt. Diese zwei Elemente nimmt Yoshioka auch im Prozess des Projektionsmappings auf einen Körper auf.



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