Nº 270
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Verflochten

Text: Anja Neidhardt

Beim Weben, bei dem es sich um eines der ältesten Handwerke der Menschheit handelt, werden mindestens zwei Fadensysteme im rechten Winkel zueinander überkreuzt, um textile Gebilde herzustellen. Beim Stricken dagegen wird textiles Maschenwerk aus Garnen durch Fadenumschlingung gefertigt, wobei die Maschen nacheinander und in Reihen gebildet werden. Die ältesten erhaltenen Gestricke stammen aus frühmittelalterlicher Zeit. 

Sowohl das Weben als auch das Stricken werden bis heute durch den Einsatz innovativer Materialien und das Experimentieren mit ungewohnten Herstellungsverfahren weiterentwickelt. Wir stellen die Projekte dreier Absolventen vor, die auf ganz unterschiedliche Weise untersuchen, wie sich gerade gewebte und gestrickte Textilien besonders gut an Körperformen und -bewegungen anpassen können.

 

Strap

loesvanels.nl

 

Loes van Els hat im Rahmen ihres Bachelor-Abschlussprojekts an der Design Academy Eindhoven Modeaccessoires aus elastischen Kabeln gewoben, die über der Kleidung getragen werden, wobei die verwendeten Kabel ein mit Polyester ummantelter Verbund aus Gummibändern und Garnen sind. Van Els hat nicht nur die Kabel mit unterschiedlichen Kombinationen im Kern hergestellt, sondern sie auch in mehreren Größen und unter Anwendung drei traditioneller Techniken miteinander verwoben. Doppelte Bienenwabenstrukturen beispielsweise sorgen für Stabilität. Sowohl die in diesem Fall verwendete Menge an Material als auch die doppelseitige Bindung machen aus den Geweben eine Art sportliche „Rüstung“. Van Els möchte bei der Weiterentwicklung von Strap in verschiedene Richtungen denken, sagt aber, dass das Projekt „definitiv auch eine Inspiration für das Gesundheitswesen und für physisch anspruchsvolle Berufe“ sein kann. „Solche optimierenden Kleidungsstücke sollten etwas Schönes sein, auf die man stolz sein kann.“

 

On the Hinges of the Body

artsthread.com/portfolios/onthehingesofthebody

 

Mathilde Vandenbussche konzentrierte sich in ihrem Abschlussprojekt an der School of Arts of University College Ghent auf die Technik des Strickens und experimentierte sowohl mit manuellen als auch mit industriellen Verfahren. Für ihr Projekt konnte sie beispielsweise die Maschinen der belgischen Firma Bekaert Deslee nutzen, die sich auf gestrickte Matratzentextilien spezialisiert hat. Auf visueller Ebene stellte Vandenbussche eine Verbindung zwischen elastischen Textilstrukturen und den Muskeln des Körpers her: beides sind Muster aus Linien, die sich dehnen und zusammenziehen können und dabei ihr Aussehen verändern. Elastizität und Spannung sowie das Ziehen, Verzerren und Erweitern von Stoffen sind Schlüsselelemente ihrer Kollektion, deren Textilien aus Wolle und elastischen Garnen bestehen.

 

Merging Cultures

teresamendler.com

 

Teresa Mendler kombinierte in ihrer Bachelor-Abschlussarbeit an der Design Academy Eindhoven flexible Silikonstränge mit Textilstreifen zu handgewebten Strukturen. Während die Silikonstränge im Gussverfahren hergestellt sind, werden für die Textilstreifen große, mit Mustern bedruckte Stoffe mit einer Laserschneidemaschine auseinandergeschnitten. Die Muster basieren ursprünglich auf von der Gestalterin gesammelten Prints, die Kulturen, aber auch individuelle Ausdrucksweisen repräsentieren. Mendler zog Parallelen zwischen ihren Materialkombinationen und dem Mix der Kulturen in aktuellen urbanen Kontexten und gab ihrem Projekt deshalb den Namen „Merging Cultures“. Die von ihr entwickelten Gewebe wiederum sieht sie als Systeme, in denen sie alle Parameter einzeln verändern kann. „Ich stelle es mir spannend vor, diese Vielfalt an Möglichkeiten in ein Produkt zu transferieren“, sagt sie und kann sich vorstellen, mit ihrer Technik zukünftig auch Sportschuhe zu entwickeln.

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Nº 270. South Korea
März/Apr 2017

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