Nº 278
Editorial:

Wetter

Text: Stephan Ott

Design

Vom Designerduo Doshi Levien war kürzlich Erstaunliches zu lesen. In einem Interview mit dem Onlinemagazin DEAR sagte Nipa Doshi unter anderem: „[…] Ich mag die Idee nicht, dass Design Probleme lösen muss. Meiner Meinung nach sind Ärzte, Anwälte oder Berater dafür zuständig. […] Ob nun Designer oder Architekten, ich denke, alle gestalten etwas, um etwas Schönes zu gestalten.“ Und, um Missdeutungen vollends auszuschließen, ergänzte Jonathan Levien: „Als Architekt löst man ja auch keine Probleme, man definiert Räume. […] Natürlich kann man damit Dinge verbessern und gute Funktionen schaffen, aber zunächst geht es doch um einen kreativen Prozess, um gute Gestaltung – das ist der Antrieb.“ Nun darf sich jeder antreiben lassen, wie es ihm beliebt. Da aber Doshi Levien keine Unbekannten sind, deren Aussagen nicht ins Gewicht fielen, sei, allein um einer Schieflage vorzubeugen, an dieser Stelle vehement widersprochen: Design muss Probleme lösen. Zwar sind auch wir in der form-Redaktion nicht einhelliger Meinung darüber, wie das Lösen jeweils vonstattenzugehen habe, über die Tatsache an sich jedoch herrscht Einigkeit. Dabei mag das Problem dann Herausforderung, Misere, Konflikt oder wie auch immer heißen, und selbstverständlich darf es beim Gestalten immer auch um Schönheit gehen (wie unterschiedlich wir die dann jeweils auch definieren mögen).

 

Kontext

Unser Schwerpunktthema „Wetter“ scheint zunächst abseits aller Probleme des Design(er)-Alltags zu liegen. Aber es ist unsere erklärte Absicht, uns genau mit dieser Betrachtungsweise dem Wesen der Gestaltung im 21. Jahrhundert zu nähern. Das bedeutet nicht, dass alles Design und jeder ein Designer ist, aber – und das ist der entscheidende Unterschied –, dass Designer mindestens ebenso wie Ärzte, Anwälte oder Berater in der Lage sind, einer mangelnden (sozialen) Praxis in allen Bereichen entgegenzuwirken. Und so sind auch bei der Beobachtung und Vorhersage des Wetters, bei der Gestaltung von Atmosphären oder beim Entwurf wettergerechter Kleidung Designer als Experten gefragt, und beim sogenannten Climate Engineering ist erst recht die kritische Stimme des Designs vonnöten.

 

 

Situation

Vielleicht gehört Umstrittenheit ja auch zum Kern des Designs, jedenfalls aber regt es den Diskurs an. In diesem Sinne hätte dann obiges Statement von Doshi Levien letztlich auch sein Gutes. Ein Designer, der bis heute umstritten ist, ist zweifellos Luigi Colani. Im August wird er seinen 90. Geburtstag feiern, aber ans Aufhören denkt er noch lange nicht, wie er uns im Interview versichert. Beim Bangert Verlag bedanken wir uns in diesem Zusammenhang sehr herzlich für die freundliche Zurverfügungstellung von historischem Bildmaterial und dessen Abdruckgenehmigung.

Zu guter Letzt: Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich Editorial Designerin Sarah Schmitt in den Mutterschutz. Wir wünschen ihr alles Gute für die Gestaltung des neuen Lebensabschnitts und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

 

Stephan Ott, Chefredakteur

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