Nº 281
Editorial:

Archive

Text: Stephan Ott

Design

Bei der kürzlich zu Ende gegangenen Veranstaltungsreihe It Takes Two to Boogie, deren Initiatoren es darum ging, den Dialog zwischen Design und Geisteswissenschaften anzustoßen, wurde wieder einmal offenbar, wie schwer es auch Designexperten fällt, eine valide Designdefinition zu artikulieren. Da ist von Styling, Design Thinking und Marketinglogik die Rede. Das mag alles tangieren, trifft aber den Kern der Sache nicht. Dabei ist mit dem auch hier schon einmal zitierten Satz von Herbert Malecki aus dem Jahr 1966 Essenzielles gesagt: „Design formt primär nicht Dinge, sondern Beziehungen: Beziehungen, die brauchbar sein müssen.“ Ergänzt um den Fakt, dass Design eng mit der Serienfertigung verbunden ist, ist eine bis heute gültige Basis formuliert. Auch zeitgenössische Probleme werden nicht allein dadurch gelöst, dass das Design nun primär neben Dingen auch noch virtuelle oder augmentierte Realitäten formt. Es geht nach wie vor um die Brauchbarkeit von Beziehungen und was ein Serienerzeugnis dazu beitragen kann. Ziel bleibt das Wohl von Menschen und allen anderen Lebewesen. Die Brauchbarkeit ist dabei (selbst-)kritisch zu hinterfragen, unter den Gesichtspunkten Nachhaltigkeit, Fairness, Engagement und anderen.

 

Kontext

Das Thema „Archive“ ist – wie wir dieses Mal mit kurzen Texten und anhand vieler aktueller Beispiele zeigen – keineswegs verstaubt und bedarf gerade in Zeiten, in denen Design gerne durch Marketingaktivitäten ersetzt wird, unseres Interesses. Deshalb gebührt auch der kürzlich „aus betrieblich-organisatorischen Gründen“ erfolgten Schließung der in Deutschland einmaligen Designbibliothek des Rats für Formgebung unsere Aufmerksamkeit. Der Rat ist seit seiner Gründung 1953 eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts; und da sich Demokratisierung nach Jacques Derrida unter anderem „an der Partizipation am und dem Zugang zum Archiv“ bemisst, sollten wir darauf achten, dass dieser nach eigener Aussage beispiellose Bestand „mit über 18.000 Buchbänden, Videos, DVDs und CD-Roms sowie ca. 100 internationalen aktuellen Zeitschriften“ zum angekündigten Termin im Frühsommer 2019 wieder zugänglich ist.

 

 

Situation

Archive, Bibliotheken oder Sammlungen sind nämlich auch oder gerade im Zeitalter digitaler Suchmaschinen als Orte des Nachweises und der kulturellen Identität unersetzlich. Wollten Sie etwa zu Victor Papanek, zum Mid-century Modern, zu Hans-Rudolf Lutz oder zur HfG Ulm weitere Quellen studieren – in der Rat-Bibliothek würden Sie in jedem Fall zu allen Themen umfänglich fündig werden.

Zum Schluss gilt es noch ein paar personelle Veränderungen in unserer Redaktion zu vermelden. Eva Artinger zieht es in ihre bayerische Heimat zurück, und Susanne Heinlein bricht nach vier sehr bereichernden form-Jahren zu neuen beruflichen Ufern auf. Gleichzeitig begrüßen wir mit Charlotte Könenkamp, Jonas Rehm und Katharina Zemljanskij drei neue Kollegen und freuen uns sehr auf neue Impulse und eine gedeihliche Zusammenarbeit.

 

Stephan Ott, Chefredakteur

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Design and Archives

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