Nº 282
Editorial:

Simulation

Text: Stephan Ott

Design

Kritik darf, auch wenn das manchem Betroffenen nicht gefallen mag, scharf sein, solange sie profund ist. Das gilt auch für Designkritik. Was jedoch der kürzlich wiederbelebte Digitalsender ZDFkultur derzeit unter dem Titel „Design und Strafe“ anbietet, ist erstaunlich schlicht. Moderiert werden die drei- bis vierminütigen Beiträge vom Philosophen und Designtheoretiker Florian Arnold, wobei der Designbegriff – bereits die Überschrift „Ist das Kunst oder kann das weg?“ zeigt es – von vornherein vage bleibt. Nicht nur, dass Arnold selber nicht so recht weiß, was ein Flamingo-Zimmerbrunnen mit Design zu tun haben soll, beim von Luigi Colani entworfenen PC (1993) war die Requisite offenbar nicht in der Lage, passende Tastatur und Maus oder wenigstens das damals von Vobis angebotene Ensemble mit Bildschirm zu besorgen; und bei der nun wahrlich von der Kritik ausgiebig gescholtenen Zitronenpresse Juicy Salif (Philippe Starck, 1990) ist es trotz allem erlaubt, ein Glas unterzustellen. „Philosophisch, witzig, bösartig und vernichtend – der beste Design-Diss, den das Netz gesehen hat“, schreibt Arnold in einer selbst verfassten Ankündigung. Eventuell hätte – um der sinnlosen Vernichtung von Rundfunkbeiträgen vorzubeugen – ein Blick in die eigene Design-Diss geholfen. Die nämlich trägt den Titel „Logik des Entwerfens“ und ist auf jeden Fall auch auf Bewegtbild-Formate anzuwenden.

 

Kontext

Die alleinige Betrachtung des Objekts genügt im Designprozess (und auch bei dessen Kritik) längst nicht mehr. Womit wir bereits beim Thema Simulation wären, unserem Schwerpunkt in dieser Ausgabe. Holger van den Boom bemerkte anlässlich des IDZ-Kongresses „Simulation und Wirklichkeit“ (1987), dass Simulation „im Unterschied zum Modell nicht objektorientiert, sondern benutzerorientiert“ sei. Was damals die Mehrheit der Designer überrascht haben mag, ist heute gängige Praxis, ob in der User Experience, der Generierung virtueller Welten, der Verkehrsplanung oder der Stadtentwicklung.

 

 

Situation

Mit der Orientierung auf den Nutzer geht unausweichlich die Infragestellung von Stereotypen und systemischen Standards einher, was sich – wenn wir schon dabei sind – gut an einem weiteren Diss-Opfer Florian Arnolds veranschaulichen lässt. Dem Fiat Multipla der ersten Generation, der in „Design und Strafe“ allein ob seines Aussehens gesteinigt wird, war 1999 unter anderem im Londoner Design Museum die Ausstellung „The Appeal of Reason“ gewidmet, gerade weil sich seine Entwerfer von der standardisierten One-Box-Konstruktion lösten und sich somit den Nutzern des Minivans technische und ergonomische Neuerungen boten. Oftmals hilft der zweite Blick, den Thomas Edelmann damals in seinem Beitrag zum Multipla im Design Report empfahl.

Auch in dieser Ausgabe heißt es Abschied nehmen: Carolin Blöink, Jessica Krejci und Franziska Porsch haben die form in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt. Dafür danken wir und wünschen alles Gute. Gleichzeitig heißen wir in der Redaktion Nina Sieverding und Anton Rahlwes sehr herzlich willkommen.

 

Stephan Ott, Chefredakteur

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Region of Design – Germany’s East

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