Nº 284
Editorial:

Region of Design
Germany’s East

Text: Stephan Ott

Design

Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg sah sich massiver Kritik ausgesetzt, weil infolge ihres Törns in die USA offenbar für die Rückholung des Hochgeschwindigkeitsseglers Flüge der Crew notwendig waren. Ein abwegiger, entweder arglistiger oder aber naiver Vorwurf, denn seitdem der Mensch in die Ökostruktur eingreift, ist das Reisen nicht mehr klimaneutral. Das war, nur ein Beispiel, bereits beim Bau der Kolumbus-Flotte im 15. Jahrhundert der Fall. Wir können spätestens von diesem Zeitpunkt an seriös nur noch über Verhältnismäßigkeiten sprechen: Sind eine Reise oder der Entwurf und der Kauf eines Produkts tatsächlich notwendig, steht deren Nutzen in sinnvollem Verhältnis zum jeweiligen Ressourcenverbrauch? Fragen, die jeder Einzelne nur für sich beantworten kann und auch muss. Ansonsten sind wir – ob uns das behagt oder nicht –, darauf angewiesen, dass Designer und andere (Not-)Lösungen für die Folgen unseres Eingreifens entwerfen. Das können der Natur nachempfundene beziehungsweise gerecht werdende Produkte, ein avancierter Umgang mit Ressourcen oder der erklärende Verzicht auf bestimmte Materialien sein.

 

Kontext

2019 jährt sich die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze zum 30. Mal. In unserem Schwerpunkt beschäftigen wir uns mit dem aktuellen Design in Deutschlands Osten, stellen Ihnen junge Designprotagonisten der Region vor, werfen einen Blick auf die dortige Hochschullandschaft und lenken Ihre Aufmerksamkeit auf weniger bekannte, deshalb aber nicht weniger relevante Projekte und Institutionen. Auch wenn wir keine Rückschau auf die DDR geben, so kommen das 40-jährige Verhältnis und Nicht-Verhältnis der beiden deutschen Staaten, deren Folgen uns bis heute beschäftigen, immer wieder zur Sprache. Zu oft ist immer noch von „wir“ und „die“ die Rede, obwohl „[n]atürlich […] im Osten Leute über Fragen des variablen Wohnens zur selben Zeit nachgedacht [haben] wie das Leute im Westen oder in Japan getan haben“, so, unter anderem, die Fotografin Wiebke Loeper im Interview. Das ist auch unter dem Aspekt neuer nationaler Abgrenzungstendenzen weltweit eine bedeutende Aussage.

 

Situation

Überhaupt scheint die Infragestellung unserer Weltsicht, etwa durch Karten, oder das Aufbrechen philosophischer und anderer Diskurse bisweilen vonnöten. Dabei könnten uns sowohl interaktive Erzählkonzepte oder neue Präsentationsformate und ebenso ein Überdenken vermeintlich gesicherter historischer Erkenntnisse, auch solche über Avantgarden, weiterhelfen. Nicht zuletzt deshalb soll – last, but not least – Folgendes nicht unerwähnt bleiben: In unserer Archivausgabe kritisierten wir an dieser Stelle die vorübergehende Schließung der Bibliothek des Rat für Formgebung. Wir freuen uns umso mehr, dass diese an neuem Ort auf dem Frankfurter Messegelände wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Auf die Wichtigkeit solcher Geschichtsräume ist nicht oft genug hinzuweisen: Wo anders sollten wir umfassend recherchieren und wie sonst valide Schlüsse ziehen können?

 

Stephan Ott, Chefredakteur

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Region of Design – Germany’s East

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