3 Fragen an:
Dirk Czerwinski, Doppelmayr

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Dort, wo das Gelände unwegsam ist, große Höhenunterschiede überwunden werden müssen oder nicht ausreichend ebenerdiger Raum zur Verfügung steht, sind Seilbahnen häufig die sinnvollste oder sogar einzige Transportlösung. Hinzu kommen weitere Vorteile, wie geringer Personalaufwand, ein niedriger CO2-Ausstoß pro Fahrgast und die Unabhängigkeit von anderen Verkehrsmitteln. Nicht nur im Skibetrieb, sondern vermehrt auch im urbanen Raum werden sowohl technisch als auch gestalterisch anspruchsvolle Projekte realisiert. Wir haben mit Dirk Czerwinski von Doppelmayr über die neue D-Linie gesprochen, die seit Kurzem im österreichischen Hochgurl eingesetzt wird.




1. Welche Rolle spielt die Arbeit des Designers bei der Entwicklung von Seilbahnsystemen und -kabinen?

 

Seilbahnen sind Systeme, die hohe Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Komfort haben. Diese Anforderungen müssen in unterschiedlichsten Fahrt- und Wetterzuständen und bei der Beförderung verschiedener Fahrgäste erfüllt werden. Aufgrund dieser Randbedingungen sind die Ansprüche an die Designer sehr hoch – denn bei der Entwicklung jedes Bauteils müssen alle Anforderungen berücksichtigt werden. Daher erscheint der Spielraum für den Designer zunächst gering, da wir bei der Entwicklung keine Kompromisse hinsichtlich Qualität, Entwicklungsreife und Funktionalität eingehen. Die Integration eines durchgängigen, hochwertigen Designs ist daher nur durch eine sehr enge Zusammenarbeit des Designteams mit dem Entwicklungsteam von Doppelmayr möglich. Ein profundes technisches Verständnis der Designer bezüglich Konstruktion und Fertigungsmethoden ist unabdingbar, um mit den Entwicklungsteams von Doppelmayr die Bauteile gemeinsam diskutieren und vorantreiben zu können. Während der Designentwicklung entstand so bei den Designern ein großes Wissen bezüglich der Seilbahntechnik, das Grundlage für die Abstimmungsgespräche war. Nur so ist es möglich, unter Einhaltung des engen Korsetts der Randbedingungen trotzdem ein klares, überzeugendes und durchgängiges Design zu erreichen. Das Büro Werner Sobek Design hat mit dem interdisziplinären Team um Albert Schuster die Fähigkeit gezeigt, die technischen Möglichkeiten mit unseren Ingenieuren bis ins letzte Detail abzustimmen und zu optimieren. Hierdurch konnten wir uns gemeinsam mit den Designern neue Gestaltungsmöglichkeiten erarbeiten, um auch die Designziele zu erreichen.

 

 

2. Die D-Linie wurde Anfang Dezember 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt. Welche Innovationen und Vorteile bietet sie gegenüber anderen Systemen?

 

Doppelmayr setzt neue Maßstäbe mit der D-Linie. Bisher unerreichter Komfort für den Fahrgast in Form von breiteren Sitzen, bestem Schutz vor Wind und Regen, minimalen Vibrationen und leisen Stationen sind die Alleinstellungsmerkmale.

Mit der D-Linie können Projekte realisiert werden, die bisher in derartiger Ausführung nicht möglich waren. Fahrgeschwindigkeiten von bis zu sieben Metern pro Sekunde und ein Seildurchmesser von 64 Millimetern bedeuten neue Dimensionen im Bereich der Förderleistung, der realisierbaren Höhendifferenz und der Fahrzeit. Last but not least waren uns die einfachen und raschen Wartungsmöglichkeiten für den Betreiber der Anlage ein großes Anliegen.

 

 

3. Welche Ideen und Prinzipien liegen der Gestaltung der D-Linie-Kabinen zugrunde?

 

Die D-Linie-Kabine verfolgt die gleichen Designprinzipien wie alle anderen Bauteile, die wir im Zuge der Entwicklung der D-Linie überarbeitet oder neu entwickelt haben. Die Bauteile sollten eine übergeordnete Designlinie erhalten. Dabei war es uns wichtig, die Bauteile weiter zu reduzieren und zu minimieren. So konnten zum Beispiel beim Gehänge der Kabine viele Anbauteile während der Entwicklung entweder eliminiert oder so weit minimiert werden, dass das Gehänge eine viel ruhigere Form erreicht und damit eine klare Linienführung erkennbar wird. Generell war unser Ziel, die technische Präzision der Firma Doppelmayr über klare Linien zu kommunizieren, die Formen zu reduzieren und zu beruhigen. Aufgrund der langen Lebensdauer einer Seilbahn haben wir uns entschieden, ein zeitloses und langlebiges Design zu entwickeln. Nicht zuletzt war auch das Thema Sport ein Designaspekt: Seilbahnen werden heute immer häufiger im urbanen Bereich als öffentliches Verkehrsmittel eingesetzt, das Haupteinsatzgebiet liegt aber heute noch klar in den Skigebieten. Daher haben wir uns entschieden, die technisch-präzisen und klaren Formen mit sportlichen Akzenten zu unterstreichen, um ein auf den Markt abgestimmtes Design zu erreichen.



















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Dossier
Schnee, Seilbahnen
Jahr
2016
Disziplin
Industriedesign, Produktdesign
Ausgabe
form 263
Links
doppelmayr.com

In form 263 stellen wir Ihnen weitere Seilbahnen vor. Die Ausgabe können Sie online über unseren Shop bestellen. 

Text: Susanne Heinlein