23. Januar 2016

News
Ahti X1 von Mats Lönngren.
Gold Award, Professionals and Enthusiasts

 

Nach Zwischenstationen an der École nationale supérieure de création industrielle in Paris und an der Köln International School of Design, schloss Mats Lönngren 2010 seinen Master in Design und Architektur an der Aalto University School of Art in Helsinki ab. Seitdem hat er ein Praktikum im Nokia Research Center in Lausanne absolviert, für fünf Jahre als Industrie- und Konzeptdesigner bei Pentagon Design Oy in Helsinki gearbeitet und ist seit 2015 in der gleichen Position bei Aivan Oy angestellt.

 

Zu seinem Projekt Ahti X1, das in der Kategorie Professionals and Enthusiasts mit dem Gold Award ausgezeichnet wurde, haben wir ihm drei Fragen gestellt.



 

1. Für welches Problem bietet Dein Projekt eine Lösung und wie funktioniert sie?

 

In meinem Projekt Ahti X1, die vernetzte Rettungsweste, geht es vornehmlich um Sicherheit und Mann-über-Bord-Situationen. Ahti X1 ist ein neuartiges Rettungswesten-Konzept, das über die Rettungsweste die Ortung eines Menschen erlaubt, der ins Wasser gestürzt ist. Das Konzept konzentriert sich auf drei Hauptprobleme bei Mann-über-Bord-Situationen: Erstens die Verhinderung von Unfällen; zweitens die Lokalisierung des Opfers und drittens die Rettung des Opfers aus dem Wasser. Das Ziel ist es, die allgemeine Sicherheit sowohl einzelner Menschen als auch Gruppen zu verbessern, indem bei der Ereigniskette von Mann-über-Bord-Situationen angesetzt wird.

Ahti X1 basiert auf zwei Komponenten: der Rettungsweste und der dazugehörigen mobilen Applikation. Die Rettungsweste bedient sich bereits bestehender, automatisch aufblasbarer Technik und die zusätzlichen sicherheitsverstärkenden Funktionen kommen hinzu. Die eingebaute Möglichkeit, die Rettungsweste zu orten, ist die eigentliche Neuheit, die das Sicherheitsniveau auf See erhöht. Wenn die Rettungsweste einmal aufgeblasen ist, gibt sie Schlaufen frei, an denen das Opfer aus dem Wasser gezogen werden kann. Die einfache und nahtlose Gestaltung von Ahti X1 animiert dazu, sie die ganze Zeit an Bord zu tragen, was außerdem von ihrem leichten Gewicht und Komfort gefördert wird.

Die essentielle Eigenschaft der mobilen Applikation ist die Möglichkeit, das Opfer in Relation zum Schiff anzuzeigen und die Position über eine gewisse Zeit zu verfolgen. Sobald die Rettungsweste aufgeblasen ist, verzeichnet sie automatisch die Zeit und sendet ihre Position innerhalb eines bestimmten Radius zu anderen Nutzern der App und zu mit AIS ausgestatteten Kartenschreibern. Während der Verfolgung des Opfers, werden relevante Informationen, wie die Zeit im Wasser und die Distanz zum Opfer, die Schiffsgeschwindigkeit und -richtung, Winddaten und die Wassertemperatur angezeigt. Außerdem stellt die App eine Übersicht über andere miteinander verbundene Rettungswesten bereit, sodass die Nutzer über Fehlfunktionen, niedrigen Batteriestand oder die Erneuerung von einzelnen Komponenten informiert werden. Lernmaterial und der Trainingsmodus fordern dazu auf, Sicherheitsabläufe zu üben und helfen dabei, Mann-über-Bord-Situationen zu vermeiden.

 

 

2. Wie ging der Designprozess vonstatten, welche Schritte mussten gegangen werden, was waren die Herausforderungen?

 

Das Konzept gab es nicht vor dem Braun Prize. Letztlich hat der Wettbewerb erst den Anstoß gegeben, die vernetzte Rettungsweste Ahti X1 zu entwickeln. Der Designprozess begann also damit, potentielle Ideen zu entdecken, die sich für den Braun Prize eigneten.

Die Verbindung aus Physischem und Digitalem interessiert mich generell, also habe ich mich relativ schnell dafür entschieden, ein Konzept zu entwickeln, das die User Experience auf ganzheitliche Weise betrachtet. Das bedeutete, eine physische Lösung mit einem digitalen Interface zu gestalten, das in ein besseres, effizienteres und vereinfachtes Produktkonzept mündet.

Das Thema Sicherheit auf See wurde zum Ausgangspunkt für die Ideengenerierung und führte bald zu der grundsätzlichen Idee. Während des Designprozesses erwiesen sich verschiedene Aspekte als sehr fruchtbar für die Entwicklung, wie die Grundfunktionen und Form der Rettungsweste, die Materialwahl und Herstellungsweise, die Eigenschaften der mobilen Applikation als erste Interaktionsfläche, um Benachrichtigungen über Fehlfunktionen zu erhalten, um Rettungswesten zu verfolgen oder mehr über den Rettungsprozess zu lernen.

Das Konzept ist komplex und multidimensional, was erforderte, sich sehr genau zu überlegen, wo man die Grenzen des Projektes zieht, damit eine fokussierte und relevante Lösung entstehen kann. Dafür mussten Recherche, Konzeptentwicklung und Gestaltungsarbeit so behandelt werden, dass am Ende alle drei Bereiche gleich weit ausgearbeitet sind. Den richtigen Grad an Verfeinerung zu treffen und die Idee auf das Wichtigste zu reduzieren, waren die größten Herausforderungen während des Designprozesses.

 

 

Ahti X1 - The connected lifejacket from Mats Lönngren on Vimeo.

 

 

3. Was sind Deine Kriterien für “gutes” Design und welche Rolle wird Design in Deinen Augen in Zukunft spielen?

 

Gutes Design definiert sich über Lösungen, die einfach, funktional, relevant, beständig und angenehm sind. Das Thema „The Extra in the Ordinary“ des Braun Prize 2015 ist gut gewählt, weil gutes Design sowohl eine radikal neue Lösung bedeuten kann als auch das erfinderische Redesign eines existierenden Produkts. Im besten Fall ist gutes Design außergewöhnlich.

Merkmale, die geläufig und vertraut sind, machen Lösungen leicht verständlich und sofort nutzbar. Gutes Design ist demnach ebenfalls ruhig, offensichtlich, unaufdringlich und sogar unsichtbar. Ahti X1 ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür: ein Produkt, das jeder kennt, weiterzuentwickeln und dabei einige Funktionen neu zu erfinden.

Wenn es um Marken geht, ist die größte Herausforderung ein kohärentes Erlebnis zu gestalten, das sich von physischen Produkten und Dienstleistungen über Interfaces bis hin zu Räumen durchzieht. In diesem Fall machen Kohärenz, Kontinuität und Vertrautheit gutes Design aus. Es kommt darauf an, erfinderisch zu sein und innerhalb dieses Rahmens immer wieder neue Lösungen zu finden.

Die Rolle des Designs wird immer essentieller. Viele Aspekte des täglichen Lebens werden von Designern beeinflusst, ob es physische oder digitale Lösungen sind, die Menschen benutzen. Außerdem ist Design ein immer wichtigerer, wettbewerbsentscheidender Aspekt für jede Marke und Organisation und dieser Trend wird sich zukünftig fortsetzen. Design als Profession hat sich in verschiedene Richtungen entwickelt und Designer werden höchstwahrscheinlich eine Reihe von Fähigkeiten erlernen, die ihnen erlauben, in vielen Bereichen zu arbeiten.

Umso komplexer die Welt wird, desto größer wird der Bedarf an einfachen und bedeutungsvollen Lösungen sein. Gutes Design wird zukünftig durch die vorher beschriebenen Aspekte bestimmt sein, aber darüber hinaus wird der Schwerpunkt auf ganzheitlichem Denken liegen und eine Konsistenz über alle Lösungen hinweg für Mehrwert sorgen. Gutes Design findet nicht nur bei einem einzelnen Produkt Anwendung, sondern steht für die Entwicklung einer Produktstrategie und eines ganzheitlichen Angebots. Im Idealfall ist es integraler Bestandteil der Firmenkultur und Schlüsselinstrument im Wettbewerb. Diese Mentalität kann bei einer Vielzahl von Aufgaben helfen, sodass Design hoffentlich in weiteren neuen Kontexten Anklang finden und zu innovativen und wünschenswerten Lösungen beitragen wird, die den Nutzer im Sinn haben.

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