Alles nach Plan?

Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Museum in der Kulturbrauerei, Berlin
– 19. März 2017
hdg.de


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mit der Gründung der DDR in Ostdeutschland Sozialismus und Planwirtschaft eingeführt. Das ging während der 41 Jahre, die dieser Staat bestand, auch an der Gestaltung der produzierten Konsumgüter nicht spurlos vorüber. Vielmehr spiegeln sich in ihnen die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zeigt bis 19. März 2017 in der Ausstellung „Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR“, unter welchen Einflüssen die Gestaltung in der DDR stand.




Obwohl funktionale Gebrauchsgegenstände mit einer schlichten Formsprache vielen Gestaltern in der DDR als mit den Werten des Systems vereinbar erschienen, lehnte das SED-Regime diese Ästhetik in den 1950er-Jahren mit der Begründung ab, sie orientiere sich zu sehr am Westen. Allerdings wurde, um im internationalen Vergleich bestehen zu können, 1972 nach diversen Vorläufern, das Amt für industrielle Formgebung (AiF) gegründet, das ab da alle Fragen der Gestaltung zwischen Staat und Betrieben steuern und kontrollieren sollte. Die Arbeit der Gestalter in der DDR bewegte sich dementsprechend zwischen eigenen Ansprüchen, innerbetrieblichen Komplikationen und politischem Druck. In der Ausstellung bieten Zeitzeugeninterviews Einblicke in deren gestalterischen Alltag. Das AiF baute außerdem eine Mustersammlung auf, zu der sowohl gute als auch schlechte Beispiele für Formgestaltung gehören, ebenso wie wegen ihrer weiten Verbreitung als in der DDR typisch geltende. Die Sammlung ging 2005 an die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland über und umfasst 160.000 Gegenstände, Fotografien, Dokumente und Bücher, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind.

 

Zum Rahmenprogramm der Ausstellung gehören Rundgänge mit den Ausstellungsmachern am 18. August 2016 und 13. Oktober 2016, jeweils um 18 Uhr, sowie ein Gespräch mit der Industriedesignerin Marlies Ameling, die hauptsächlich Glaswaren wie die Serie Misha gestaltet hat, am 8. September 2016.

 


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