70 Prozent für den Fisch
30 Prozent für den Angler

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Die Jagd auf Fische und deren Verzehr betreibt der Mensch seit Jahrtausenden. Bis heute hat sich das Angeln zu einer stark ausdifferenzierten Disziplin entwickelt. Neben Rute, Rolle und Schnur entscheidet die Wahl des Köders und das Geschick des Anglers ihn zu führen über Erfolg und Misserfolg. Um Raubfische wie Barsch, Hecht und Zander zum Beißen zu verleiten, gibt es Kunstköder in verschiedenen Formen, Materialien und Farben. Durch ihr Design lässt sich sowohl der Käufer im Laden als auch der Fisch im Wasser angeln.




Künstliche Angelköder sind definitiv ein Nischenprodukt: jedem unbekannt, der keine Raubfische angelt. Wer sich mit Designprozessen auskennt wird allerdings feststellen, dass dieser bei Angelködern prinzipiell kein anderer ist als bei Stühlen. Nur gibt es sicherlich mehr Stuhl-Designer als Angelköder-Designer.

Hiroshi Takahashi und Hironori Kitade gestalten Köder für mehrere internationale Marken. Wie kam es dazu? Takahashi war selbst begeisterter Angler, als er anfing japanische Köder auf dem europäischen Markt zu lancieren. Sein Engagement führte zu einer Anstellung beim japanischen Hersteller Lucky Craft. Nachdem er Erfahrungen im Vertrieb gesammelt hatte, ging er mehr und mehr zur Produktentwicklung über. Hironori Kitade gründete 1998 seine eigene Fabrik und produzierte Köder für Jackall. Seiji Kato, der Vorstandschef von Jackall, brachte ihm bei, wie man Köder professionell gestaltet. Seit 2004 produziert er für seine eigene Marke Northcraft. Auch er ist erfahrener Angler.

Beide sind der Meinung, dass es nicht ausreicht als Köder-Designer 3D-Programme zu beherrschen, sondern das Wissen um die Methoden beim Angeln unerlässlich ist, um gute Köder zu gestalten. Der Designprozess verläuft wie folgt: Auf die Markt-Recherche folgen die ersten Entwürfe und Mock-Ups. Dabei fließen sowohl Anfragen von Kunden als auch neue Konzepte für Angelmethoden ein. Die Mock-Ups werden auf ihr Bewegungsverhalten getestet und von Produktdesign-Ingenieuren solange verfeinert, bis das Bewegungsverhalten des Köders stimmt. Daraufhin wird die Gussform hergestellt und final überprüft bevor die Köderform in die Massenproduktion geht. Zuletzt wird über die farbliche Ausgestaltung des Köders entschieden. In dem Prozess sind sowohl Designer als auch Ingenieure gleichermaßen involviert. Auf die Frage warum Köder am Ende so aussehen, wie sie aussehen, antwortet Kitade: „Fische können den Köder nicht kaufen und der Angler beißt nicht nach ihm. Ich denke, dass die Gestalt und Farbe des Köders sowohl dem Angler gefallen, als auch seine Funktion erfüllen müssen.“

 

 

 




Auch wenn Köder-Design eine sehr spezialisierte Disziplin ist, gibt es Designer, die nicht ausschließlich Köder gestalten. Das Portfolio des finnischen Büros Pentagon Design füllen Produkte aus den Bereichen Küche, Wohnen und Büro. Die Leidenschaft eines einzelnen Designers hat dazu geführt, dass auch ein Angelköder darunter ist. Wir haben Sauli Suomela, dem Design Director von Pentagon Design, drei Fragen gestellt.

 

 

1. Wie kam es dazu, dass ihr einen Angelköder gestaltet habt? Angelt ihr selbst?

 

Der Designer Tani Muhonen, der 2002 für uns arbeitete, ist ein leidenschaftlicher Angler und hatte die Idee einen neuartigen Angelköder zu gestalten, der nur aus einem Stück besteht ohne die angesetzte Tauchschaufel. Uns hat seine Idee gefallen. Deswegen haben wir uns entschieden zusammen ein Konzept zu entwickeln und das fertige Produkt an einen Hersteller zu verkaufen.

 

2. Welches Wissen und welche Technologie habt ihr für die Entwicklung des Köders gebraucht und genutzt? Welche Entscheidungen habt ihr bezüglich Material, Form und Farbe getroffen?

 

Neben dem Verständnis der Angeltätigkeit im Allgemeinen und der Angelgeräte im Speziellen haben wir uns Gedanken über die möglichen Herstellungsverfahren gemacht. Normalerweise werden Angelköder in mehreren Bearbeitungsstufen aus Balsaholz hergestellt. Viele werden dabei auch von Hand bearbeitet. Wir wollten unseren Köder aus Kunststoff im Spritzgussverfahren herstellen, was viele Vorteile für unseren Gestaltungsansatz bot. Der Köder besteht letztlich aus zwei gespiegelten Hälften mit Verbindungsstücken. Die Befestigungen für die Haken und das Auswuchtgewicht befinden sich im Inneren. Nachdem beide Hälften miteinander verschmolzen sind, durchläuft der Köder noch mehrere Bearbeitungsstufen wie Beschichtung und Lackierung. Die glänzende Oberfläche und die farbliche Ausgestaltung verleihen dem neuen Design seinen letzten Schliff.

 

3. Warum hat der Köder ein Loch?

 

Wir wollten die angesetzte Tauchschaufel am Kopf des Köders vermeiden, die für das Tauch- und Schwimmverhalten verantwortlich ist. Bis wir eine funktionierende hydrodynamische Form gefunden hatten, mussten wir viele Modelle von Hand bauen und in einem kleinen Becken testen. Das Big Mouth-Loch im Körper des Köders hat die gleiche Funktion wie die Tauchschaufel. Nur geht das Wasser durch das Loch und bewirkt so die unverkennbare Bewegung des Big Mouth.

 

 

 

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Dossier
Angelköder
Jahr
2014
Disziplin
Produktdesign, Industriedesign
Ausgabe
form 255
Links
luckycraft.co.jp
jackall-lures.com
seijilures.com
northcraft.jp
pentagondesign.fi
nilsmaster.fi

 

Weiteres zu Angelködern stellen wir hier und in form 255 vor. Die Ausgabe kann online über unseren Shop bestellt werden.

Text: Franziska Porsch