23. Februar 2019

News

Anton Lorenz.
Von der Avantgarde zur Industrie

Text: Jörg Stürzebecher

Vitra Schaudepot, Weil am Rhein

– 19. Mai 2019

design-museum.de

 

Man kann fragen, warum das Vitra Design Museum bislang so zurückhaltend war mit dem Nachlass des Unternehmers und, deutlich davon abzusetzen, Entwerfers Anton Lorenz, der sich doch schon seit der Gründungsphase des wohl bekanntesten deutschen Designmuseums dort befindet. Man kann sich aber auch darüber freuen, dass nun – das Bauhaus-Jubiläum wirkt auch hier – im Weiler Schaudepot doch Einblicke gestattet werden in das Werk des Mannes, aus dem Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann immerhin einen Entwurf produkt- und propagandagerecht inszenierte.



 

Denn der Parteiführer, Diktator und Massenmörder schätzte die Entspannung auf Lorenz’ Entwürfen, denn so blut-, boden-, heimat- und rassenverbunden, wie propagandistisch gerne betont, war die nationalsozialistische Terrorherrschaft nun nicht, auch wenn das die Vertreter simpler Gegenüberstellungen der Moderne zum Traditionalismus glauben machen wollen. Festgestellt hat dies schon 1935 kein Geringerer als der neben den Eames’ wohl wichtigste Hausheilige von Vitra, der Designer George Nelson, als er in der stilistisch ambivalenten amerikanischen Architekturzeitschrift Pencil Points über Stahlrohrmöbel schrieb: „Es hat allerdings eine eher amüsante Ausnahme gegeben; Stahlrohrmöbel […] waren auf der Liste der verbotenen Artikel, die die neuen Machthaber zusammengestellt hatten. Im ersten philanthropischen Rausch der Rettung der deutschen Rasse vor der niederen Versuchung durch fremde Teufel wurden viele solcher Artikel verboten […]. Sie waren undeutsch“, um dann den Einfluss deutscher Stahlrohrindustrieller auf politische Entscheidungen herauszustellen. Denn plötzlich waren „Stahlrohrmöbel […] so deutsch wie die Nürnberger Eiserne Jungfrau, so arisch wie Frankfurter mit Sauerkraut. Lasst alle guten Teutonen in Scharen zusammenkommen und jede Menge Stahlrohrmöbel kaufen“.



 

Lorenz, der Entwerfer, wird nun also vorgestellt, und das Bild des bislang vor allem durch seine Urheberrechtsansprüche und -prozesse bekannten Unternehmers damit entscheidend korrigiert. Wobei Lorenz’ Marktverständnis von erheblichem Einfluss auf die Designentwicklung war. Denn schon bald nach den radikalen Anfängen bei Gegenständen und Grafik, die im Loseblattkatalog „Breuer Metallmöbel“ dokumentiert sind, orientierte Lorenz die Stahlrohrmöbel hin zu weniger spartanischen Konstruktionen, hatte also erheblichen Anteil an der Verbürgerlichung der zunächst revolutionären Möbel. Dieses Anpassungsdesign setzte er mit verstellbaren Sesseln in den USA fort, die den Entspannungs-Fernsehsessel, wie er gegenwärtig im amerikanischen Alltag allgegenwärtig ist, vorbereiteten. Das nun zu sehen, kann zur Korrektur mancher Illusionen über die Moderne beitragen.

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