Bread and Butter Berlin 2015

zurück zur Übersicht

Flughafen Berlin-Tempelhof

7. – 9. Juli 2015

breadandbutter.com


Die Bread and Butter Berlin (BBB) ist seit ihrer Gründung 2001 zu einer der international wichtigsten Modemessen im Segment Urban Streetwear avanciert. Nach Köln, Berlin-Spandau und Barcelona fand die Messe seit 2009 zweimal jährlich auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof statt – bis die Veranstaltung im Januar 2015 wegen Insolvenz abgesagt werden musste. Als neu gegründetes Unternehmen mit deutlich kleinerem Team, dafür ausgestattet mit ausreichend finanziellen Mitteln und etwas abgeändertem Konzept, startet die BBB im Juli 2015 ihren Neuanfang.




Neu an der BBB ist überdies ihr Kreativ-Direktor: Haman Alimardani, auch unter seinem Modelabel Hamansutra bekannt (↗ form 254, S. 44), war für zwei Monate Teil des Teams und hat das visuelle Erscheinungsbild der BBB komplett überarbeitet. Wir haben ihn zur Messe, seinen Aufgaben und dem Konzept befragt.

 

 

Welche Aufgaben hattest du als Kreativ-Direktor der BBB?

 

Erstmal ging es um eine neue Kampagne und das Marketing, damit das Unternehmen wieder mit neuem Rückgrat und starkem Selbstbewusstsein auftritt. Gerade weil die BBB im letzten Jahr Rückschläge hinnehmen musste, ist es sehr hilfreich, mit einem neuen Team zu arbeiten, weil alle motivierter sind. Frühere Skeptiker und Zögerer haben da nichts mehr zu suchen. Als Kreativ-Direktor hat man nach dem Inhaber die größte Verantwortung und kann auch bei vielen anderen Dingen mitwirken. Das Wichtigste ist, dass man Vertrauen entgegen gebracht bekommt und einen machen lässt.

 

 

Warst du selbst schon als Aussteller auf der BBB?

 

Für Januar 2015 hatte ich eine zuversichtliche Zusage für meinen ersten Hamansutra-Stand, dann ist die BBB aber insolvent gegangen. Viele andere und ich hatten einiges an Kraft und Geld reingesteckt, aber wenn man an zeitlosen Produkten arbeitet, war die Absage vorerst nicht schlimm. Vom 7. bis zum 9. Juni 2015 findet nun die neue BBB als Start-up statt und da plane ich auf jeden Fall mit einem Stand dabei zu sein. Obwohl man von den großen Messen als emotionaler Designer und Künstler oftmals erschlagen wird – sei es positiv oder negativ –, ist es wichtig anwesend zu sein, denn wenn man nicht auf der Messe ist, entweder als Gast oder Brand, existiert man nicht.




Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

 

Nachdem die BBB dem vorherigen Kreativ-Direktor gekündigt hatte, rief mich ein guter alter Freund namens Alexander Kernlinger an, der seit über 10 Jahren im Modevertrieb und für die BBB arbeitet. Sein Anruf klang so, wie wenn ein Krimineller in ein Haus eingebrochen ist und man sofort die Polizei verständigt: „Kannst du mal schnell nach Berlin kommen und eine Kampagne gestalten? Sie sollte abgefahren und futuristisch sein!“ Ich hätte beinahe aufgelegt, trotzdem wollte ich sofort mehr wissen und über mein Honorar sprechen.

 

 

Was ist anders im Vergleich zu den vorherigen Messen?

 

Die kommende BBB wird sicher persönlicher sein als die vorherigen Messen und keine der Brands kann sich aussuchen, neben wem sie ihren Stand baut. Es wird ein Spielplatz, auf dem neue und alte Generationen aufeinandertreffen und sich anders kennenlernen. Es gibt viele talentierte Designer, dennoch gehen viele unter, weil die Modeindustrie sehr hart ist. Das muss geändert werden. Die Fleißigen haben es auch verdient, einen Stand zu bekommen. Man darf nicht vergessen, dass die neue BBB noch wie ein lebender Organismus wächst und nur funktioniert, wenn alle Brands mithelfen und Stände kaufen. Diesmal ist der Eintritt frei, damals hat es sagenhafte 500 Euro gekostet und schon war die erste Million drin. Die Quadratmeterpreise sind im Juli 2015 auch viel günstiger.

 

 

Welches Konzept verfolgst du?

 

Simpel, in diesem Fall gibt es keins – außer einer ausgeprägten Corporate Identity, die andere inspirieren soll. Noch dazu bestehe ich auf meine künstlerische Freiheit. Mein persönliches Ziel ist es immer Toleranz, peinliche Ordnung und ernsthafte Realisierung zu kombinieren. Nur so kommen neue Arbeiten zustande. Das, was die Brands gerne als Konzept für die Messe hätten, sollen sie selbst erfinden. Im April gab es im Berliner Tempelhof einen Workshop mit allen zukünftigen und treuen Kunden. Da haben die Brands gemerkt, dass ihr Hirn gerade sehr beansprucht wird. Betriebsblinde Menschen kommen mit Freiheiten nicht klar, etwa, dass es kein Konzept für die Messe gibt. Alle wollen wissen, wohin und wie der erste Hund gekackt hat, dann kommen die anderen. Köstlich.




Was soll die neue Identität der BBB kommunizieren?

 

Bread and Butter Berlin is back! Bevor die neue Identität fertig war, habe ich den „klassischen Putzfrauentest“ gemacht. Ich habe die Skizze der Kampagne neben viele andere Kampagnen auf der Straße geklebt und festgestellt, dass beim Vorbeilaufen nur das dicke „B“ im Gedächtnis bleibt – ein dickes „B“, das alle Wörter mit dem Anfangsbuchstaben „B“ schlagen würde. Es gab ungemein viele wehleidige Stories, die das Unternehmen durch die Insolvenz mitgemacht und zerfleischt hat. Ich habe alle emotionalen Stories rationalisiert und das Ergebnis ist das Plakat, aufwendige A0-Siebdrucke – made with love in Berlin.

 

 

Du kommst aus beiden Welten, dem Grafik- und Modedesign. Welchen Einfluss hat das auf deine Arbeit?

 

Ich habe immer schon vielseitig gearbeitet und mir als Autodidakt vieles selbst angeeignet. Dieser Einfluss war bei diesem Job perfekt: Graphic for fashion design. Ich habe ein frisches Erscheinungsbild geschaffen für eine Messe, auf der sich die renommiertesten Fashion-Brands präsentieren, vor allem aus dem Bereich Denim. Weil die grafische Umsetzung so ungemein wichtig für Produkte ist, konnte ich mich umso besser einbringen. Leicht übertrieben gesprochen: Das Produkt macht 10 Prozent aus und das Marketing 90 Prozent. Bei meinem eigenen Hamansutra-Label ist das nicht anders.













Shop

Nº 271
Gefahr/Danger

form Design Magazine


Jetzt bestellen

Shop

LOGO.
Die Kunst mit dem Zeichen

Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt


Jetzt bestellen

Shop

form Edition #1

Risoprints by Sigrid Calon

Jetzt bestellen

Dossier
Fairs
Jahr
2015
Disziplin
Modedesign
Ausgabe
form 260
Links
breadandbutter.com

Mehr über die Bread and Butter Berlin 2015 erfahren Sie in form 260. Die Ausgabe kann online über unseren Shop bestellt werden.

Text: Franziska Porsch