Bureau A

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Das Schweizer Studio Bureau A integriert Architektur in seine Projekte als eine veränderliche, flüchtige Erscheinung. Ihr konzeptioneller, künstlerischer Designansatz kombiniert die Werte konventioneller Architektur mit dem Wissen ihrer Historie und innovativen Elementen aus den Bereichen bildender Kunst, Performance, Theater, Produktdesign und Kritik an gesellschaftlichen und politischen Zuständen. 

 




Das Studio Bureau A wurde 2012 von den beiden Architekten Leopold Banchini und Daniel Zamarbide in Genf gegründet. Während Zamarbide sein Architekturstudium an der Geneva University of Art and Design (HEAD) absolvierte und sich dabei auch intensiv mit der bildenden Kunst auseinandersetze, studierte Banchini an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne. Die beiden ergänzen sich in ihrer kreativen Arbeit wunderbar und teilen eine große Leidenschaft für Architekturgeschichte und Kunst und interessieren sich zudem für das Medium der Installation und zeitgenössische Architektur. „Das gemeinsame Studio entstand als eine Art Weiterentwicklung von vorherigen Projekten. Ich war Partner in einem der größeren Architekturstudios und Leopold hatte sein eigenes Studio, das sich mit Installationen und zeitgenössischen Projekten beschäftigte. Wir brauchten beide eine Veränderung“, beschreibt Zamarbide die Entstehungsgeschichte von Bureau A. Ihre Arbeit entwickelte sich vor allem in eine durch Banchini initiierte Richtung. Sie fokussierten sich nicht auf eine traditionelle Form der Architektur als ein unveränderliches, definitives Medium, sondern versuchten ein neues Verständnis von Architektur und ihrer Anwendung als performative und artistische Form zu etablieren. Das mag auch mit dem nomadischen Lebens- und Arbeitsstil der beiden zusammenhängen. „Wir haben immer versucht mindestens zwei Monate im Jahr aus Genf herauszukommen. So haben wir einige Zeit in Vietnam oder in einer Residenz in den Schweizer Alpen verbracht“, sagt Zamarbide, der gemeinsam mit seinem Partner das Studio letztendlich in Lissabon verortet hat. „Lissabon schien uns wie die perfekte Gelegenheit. Im Moment arbeiten fünf Leute für uns hier und einer in Genf. Es ist deutlich günstiger hier. Wir haben ein wunderschönes Studio, das wir uns in der Schweiz niemals leisten könnten. Der Zugang zu Handwerkern ist fundamental für unsere Arbeit. In Genf war es uns häufig jedoch nicht möglich etwas herstellen zu lassen,“ fügt Zamarbide hinzu. Er und Leopold Banchini integrieren das Motiv der Unbeständigkeit nicht nur in ihre Arbeit, sondern in ihr gesamtes Leben. 

 




Verschiedene Formate

 

„Das menschliche Element ist sehr wichtig für unsere Arbeit“, sagt Zamarbide über die kreativen Prinzipien des Bureau A. „Wir mögen Projekte, die etwas bewegen und auf der Interaktion zwischen Menschen beruhen. Architektur ermöglicht uns auf Ereignisse um uns herum einzugehen. Temporäre Projekte erlauben zudem ein freieres Arbeiten und ein subtiles Überlisten der Endgültigkeit von Architektur.“ In ihren Arbeiten demonstrieren sie, dass Architektur weitentfernt ist von der Begrenzung auf das Entwerfen von Gebäuden. „Wir mögen es Architektur in den unterschiedlichsten Situationen und Kontexten anzuwenden. In diesem Zusammenhang sprechen wir eher von Formaten“, beschreibt Zamarbide die Überschneidung von Medien und die Verwendung von sich ergänzenden Formaten. In ihren Installationen, Bühnenbildern, Interieurs und kleinen Gebäuden beschäftigt sich das Bureau A primär mit inhaltlichen Aspekten, die oftmals einen direkten Bezug zur Architekturgeschichte, Kunst oder Philosophie aufweisen. „Wir machen uns außerdem gerne Gedanken über das Thema der Zusammenarbeit. Die Arbeit an temporären Projekten für Ausstellungen, Institutionen, Theater oder Festivals ermöglicht uns eine neue Art der Zusammenarbeit zu etablieren – im Gegensatz zu konventionellen Beziehungen zwischen Architekten und privaten Kunden, bei denen es lediglich darum geht als Architekt einen Auftrag auszuführen. Kurz gesagt, neue Architekturformate ermöglichen es uns auch neue Formate der Zusammenarbeit zu entwickeln,“ so Zamarbide.

 

 

Von der Architekturgeschichte zu Performance und sozialen Kommentaren

 

Gezielte Verweise auf die Kunst- und Architekturgeschichte spielen eine wichtige Rolle in der Arbeit des Bureau A. „Wir arbeiten sehr intuitiv. Einzelne Projekte bieten die Möglichkeit zu Diskussionen und einem bestimmten Dialog zwischen der Geschichte und unseren Interessen.“ Während der Eingangsbereich zu ihrem Studio in Genf durch die Arbeit und die Theorien des britischen Verfechters von Kunst und Handwerk William Morris entstanden ist, so ist die kürzlich entworfene Installation in der L’Asticot Kinderboutique in Genf inspiriert vom sowjetischen Brutalismus. Ein Tisch mit massivem Unterbau fungiert gleichzeitig als Kleiderbügel, Klettergerüst und Podest für eine Miniaturpappstadt des Brutalismus. Die einzelnen Gebäude sind maßstabsgetreue Modelle von Beispielen sowjetischer Architektur aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Winzige Figuren in verschiedenen und sonderbaren Situationen und Gegenüberstellungen zeigen eine fantastische Geschichte, in der die Zeit still zu stehen scheint – ähnlich den Gemälden des italienischen Malers Giorgio de Chirico. Die Installation ist ein wunderbares Beispiel für die Strategie des Bureau A, ernsthafte Theorie mit Hinweisen zu weniger bekannten Kapiteln der Architektur zu versehen, die zudem in einen unterhaltsamen Spielplatz für Kinder übersetzt wurden.

Das Studio Bureau A wurde 2012 von den beiden Architekten Leopold Banchini und Daniel Zamarbide in Genf gegründet. Während Zamarbide sein Architekturstudium an der Geneva University of Art and Design (HEAD) absolvierte und sich dabei auch intensiv mit der bildenden Kunst auseinandersetze, studierte Banchini an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne. Die beiden ergänzen sich in ihrer kreativen Arbeit wunderbar und teilen eine große Leidenschaft für Architekturgeschichte und Kunst und interessieren sich zudem für das Medium der Installation und zeitgenössische Architektur. „Das gemeinsame Studio entstand als eine Art Weiterentwicklung von vorherigen Projekten. Ich war Partner in einem der größeren Architekturstudios und Leopold hatte sein eigenes Studio, das sich mit Installationen und zeitgenössischen Projekten beschäftigte. Wir brauchten beide eine Veränderung“, beschreibt Zamarbide die Entstehungsgeschichte von Bureau A. Ihre Arbeit entwickelte sich vor allem in eine durch Banchini initiierte Richtung. Sie fokussierten sich nicht auf eine traditionelle Form der Architektur als ein unveränderliches, definitives Medium, sondern versuchten ein neues Verständnis von Architektur und ihrer Anwendung als performative und artistische Form zu etablieren. Das mag auch mit dem nomadischen Lebens- und Arbeitsstil der beiden zusammenhängen. „Wir haben immer versucht mindestens zwei Monate im Jahr aus Genf herauszukommen. So haben wir einige Zeit in Vietnam oder in einer Residenz in den Schweizer Alpen verbracht“, sagt Zamarbide, der gemeinsam mit seinem Partner das Studio letztendlich in Lissabon verortet hat. „Lissabon schien uns wie die perfekte Gelegenheit. Im Moment arbeiten fünf Leute für uns hier und einer in Genf. Es ist deutlich günstiger hier. Wir haben ein wunderschönes Studio, das wir uns in der Schweiz niemals leisten könnten. Der Zugang zu Handwerkern ist fundamental für unsere Arbeit. In Genf war es uns häufig jedoch nicht möglich etwas herstellen zu lassen,“ fügt Zamarbide hinzu. Er und Leopold Banchini integrieren das Motiv der Unbeständigkeit nicht nur in ihre Arbeit, sondern in ihr gesamtes Leben. 

 

 

 




Die Prinzipien der Szenografie und die Konstruktion einer ganzen künstlichen Welt sind eine weitere Strategie des Studios. Während ihrer vorher erwähnten Zeit in den Schweizer Alpen konnten die Architekten ihre Leidenschaft für Kunst mit einem konkreten Zweck kombinieren und eine eher unkonventionelle Bergunterkunft in Form eines riesigen künstlichen Felsbrockens entwerfen, der als Kunst in die Landschaft integriert ist. Inspiriert wurden sie dazu durch den Charakter Antoine im Roman „Deborence“ des Schweizer Autors Charles-Ferdinand Ramuz, der selbst sieben Tage lang in einer Felswand gefangen war. Sie entwarfen eine Bergzuflucht, die sich wunderbar in die sie umgebende Landschaft fügt. Die beiden Architekten haben hierfür eine einfache hölzerne Konstruktion, die im Inneren mit flexiblen Möbeln, Einbauten und einem Ofen ausgestattet ist, mit einer organischen, aufgespritzten Schicht Beton versehen. Dieses Objekt einer fantastischen Welt, einer offenen Schatzhöhle, ist ein konzeptionelles und geistreiches Spiel und seine Umsetzung basiert zudem auf der skulpturalen Architektur Jacques Gillets, Pascal Häusermanns und Daniel Grataloups – alle Architekten, die in den 1970er-Jahren unter anderem in der Gegend um Genf tätig waren.

 

Bewegung und Interaktion mit menschlicher Aktivität lassen sich auch mit Theater und Szenografie in Verbindung bringen. In einer Anzahl von Projekten hat das Bureau A sich mit den Elementen Performance und kontinuierlicher Bewegung beschäftigt. Während ihrer Zeit in Vietnam haben die Architekten eine spezielle mobile Installation mit dem Titel „Ta đi Ôtô” entwickelt, die aus Dreirädern besteht, die eine mehrstöckige Stahlkonstruktion tragen, und sowohl als Küche fungieren, aber auch als Ort für Theatervorstellungen und Ausstellungen dienen kann. Es ist den Autoren gelungen einen intuitiven und improvisierten Raum für soziale und künstlerische Interaktion zu erschaffen, einzig aus den vor Ort verfügbaren Materialien und technischen Fähigkeiten, die sie auf den Straßen von Hanoi finden konnten. Improvisation war auch Basis für den Gartenpavillon „La Fabrique“, den die Architekten zusammen mit einigen Freunden innerhalb weniger Tage aus alten Fenstern gebaut haben. Ein anderes Beispiel ist ein Projekt, das von Buster Keatons Kurzfilm „One Week“ inspiriert wurde. Der Film handelt von einem Paar, das ein Do-it-yourself-Haus baut; das Projekt selbst ist ein weiteres Beispiel für die Umsetzung eines ernsthaften Kontexts mittels einer spielerischen Form. Der geistreiche Umgang mit Fenstern ganz im Sinne des Readymades kommentiert den Verlust der Fähigkeit von Bürgern der Ersten Welt selbst etwas zu bauen und die Spontanität von architektonischen Prozessen, die unter anderem durch die Bürokratie immer komplizierter werden.

 

Eines der aktuellsten Projekte des Studios demonstriert eine bestimmte Kritik an der Gesellschaft und bezieht sich auf die dringenden Probleme der Menschheit: „Fountain 2017“ ist eine Installation des Bureau A im Rahmen der Common Ground-Initiative auf einem Züricher Parkplatz. Ein Urinal aus pinkem Lissaboner Marmor ist in Bezug auf die Handhabung von öffentlichem Raum, der immer mehr von multinationalen Unternehmen eingenommen wird und so seine Bedeutung für die Allgemeinheit verliert, ein provokatives Statement. „Es ist ein Geschenk von armen Lissabonnern an das reiche Zürich als Symbol für die Problematik der Überlegenheit von reichen Ländern gegenüber armen und die Manipulation ihres Schicksals,“ fassen die Architekten abschließend ihren kritischen Blick zusammen, der zu Zeiten der Krise der Europäischen Union und dem Strom von Flüchtlingen mehr als relevant erscheint.













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Dossier
Szenografie
Jahr
2015
Disziplin
Architektur, Innenarchitektur
Ausgabe
form 262
Links
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Text: Adam Stêch