Christian Schlager, Sebastian Rumpl: Austrian Cultural Poster Generator

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Universität für angewandte Kunst Wien, 2013

open-output.org/christianschlager


Der „Austrian Cultural Poster Generator“ erlaubt dem Benutzer über eine dreistufige Navigation auf einer webähnlichen Plattform Plakate mit österreichischem Bezug zu gestalten. Dabei werden Bilder, Texte und Gestaltungsformen aus den Bereichen Kunst, Design, Literatur, Wissenschaft, Sport, Politik, Unterhaltung und Schlagzeilen zu Plakaten kombiniert, die Diskussionen anstoßen und Fragen aufwerfen sollen, um das Bewusstsein zu schärfen.




„Zuerst dachte ich, es handele sich um eine Reihe formelhafter europäischer Kulturposter, manche ganz schön und andere nicht so gelungen. Dann aber wurde mir klar, dass sie automatisch erzeugt wurden, mittels eines Online-Tools, das es jedem Benutzer erlaubt, über eine interaktive Navigation individuelle Poster zu gestalten. Obwohl ich das Tool nicht selbst ausprobieren konnte, mag ich daran, dass es sowohl interessante Ergebnisse liefern als auch den Designer durch eine Maschine ersetzen könnte. Sehr clever!“ John Bielenberg

 

1. Wie kann man den Titel „Austria needs a new Visual Identity. Nämlich usw.“ verstehen? Ist ein ironischer Unterton beabsichtigt?

 

Oft und gerne wird zitiert, dass Österreich – speziell Wien – die größte Plakatdichte der Welt aufweist. Doch die gestalterische Mittelmäßigkeit, die zur Schau gestellt wird, kultiviert und fördert besonders eine sehr österreichische Eigenschaft: das Wegschauen.

Gerade in Österreich, wo die Vergangenheit auf eigenartige Weise immer Gegenwart ist, leidet das gestalterische Selbstbewusstsein für ein in die Vergangenheit schauendes Ideal, das von Sissi und Punschkrapferl geprägt wird. Die herrschende Angst, die „eigene“, wohlgemerkt eigentlich „vergangene“ Kultur könne untergehen, darf nicht mit provinziellen Lösungen bekräftigt werden, sondern muss mit Mut und Willen – zwecks Horizonterweiterung etc. – abgebaut werden. Österreichs Sinn für Theatralik und Ironie muss im Kampf um neue visuelle Ideen, Aussagen und Codes eingesetzt werden, um eine zeitgemäße visuelle Identität für Österreich zu schaffen.

„Austria needs a new Visual Identity“ beschreibt die Quintessenz meines Manifests zu diesem Thema. Und nachdem in dieser Angelegenheit nie alles gesagt sein kann (durchaus mit einem Augenzwinkern – frei nach Mayröcker frei nach Hölderlin): „Nämlich usw.“

 

2. Bekommt man durch die zur Auswahl stehenden Motive und Texte eine tatsächliche Vorstellung von Österreich oder bedienen sie eher Klischees?

 

Um den gewünschten Erkenntnisgewinn zu erzielen, wurden Bilder und Zitate ausgewählt, welche den österreichischen Geist einfangen und abhängig von der jeweiligen Kategorie die Errungenschaften des Landes aufzeigen. Zusätzlich weisen sie in ihrer Kombinationsmöglichkeit mit anderen Zitaten oder Bildern ausreichend Potential auf, um Beliebigkeit auszuschließen und ein durchaus ironisches Kommentar zum entsprechenden Themenbereich abliefern zu können.

Natürlich wurde auch Klischees ausreichend Platz eingeräumt: Im Segment „Icons“ findet sich neben Arnold Schwarzenegger, jodelnden Männern in Alpenidylle, tanzenden Frauen in Dirndl á la Sound of Music auch ein Wiener Schnitzel.

 

3. Für wen ist das Projekt gedacht? Wer könnte davon profitieren?

 

Das Ziel der Arbeit ist es, in Österreich „wieder“ die Augen auf das Medium Plakat zu richten. Wobei es nicht die Absicht des Austrian Cultural Poster Generator ist, zu zeigen was ein gutes Plakat ausmacht, vielmehr geht es darum, Bewusstsein und Aufmerksamkeit dafür zu schaffen.

Traditionell sind Plakate ein starkes Ausdrucksmittel, um bestimmte Meinungen oder Werte zu transportieren. Allerdings sind sie in Österreich in ihrer Funktion beschränkt und dienen größtenteils dazu, Produkte oder Veranstaltungen zu bewerben und Verkaufsförderung zu erzielen. Folglich finden wir gegenwärtig kaum gesellschaftskritische Plakate ohne kommerziellen Hintergrund. Als Gegenreaktion ist es das Ziel des Austrian Cultural Poster Generator auch an das soziale Aussagepotenzial dieses Mediums zu erinnern bzw. sieht er sich als eine Grundlage zur kritischen Auseinandersetzung mit der österreichischen Plakatlandschaft.



















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