Drei Fragen an:
Axel Brechensbauer

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Axel Brechensbauer ist der Schöpfer der Peace Drone, die wir in form 255 vorgestellt haben. In der Theorie soll sie gegnerisches Territorium überfliegen und den Feind mit einem breiten Grinsen, Clown-Musik und versprühtem Oxycotin friedlich und glücklich stimmen. Die sonstigen Arbeiten des Künstlers sprechen eine ganz andere Formsprache und setzen sich auch inhaltlich nicht mit dem Thema Krieg auseinander. Vielmehr erforscht er mit seinen Skulpturen und Objekten das Verhältnis von Mensch und Natur. Besonders der Trieb des Menschen, allem eine Struktur und Systematik zu verpassen und so die Welt um sich herum zu ordnen, ist ein zentrales Thema.




1. Was denkst du, wieso strebt der Mensch nach Ordnung, obwohl er Teil der wild wuchernden Natur ist? Und wie findet sich dieser Prozess in deinen Arbeiten wieder?

 

Es ist erstaunlich, mit wie viel Mühe wir versuchen, Dinge gerade und unnatürlich zu gestalten. Wir machen Bäume zu Brettern und Lehm zu viereckigen Ziegelsteinen. Makellose, organische Formen werden rechteckig. Vielleicht wollen wir die Dinge damit vereinfachen und  unserem Gehirn Gebäudepläne verständlicher machen. Straßen werden gerade gehalten, wenn Kurven nicht zwingend nötig sind.

 

Wenn wir modernistische Ästhetik aus einfachen geometrischen Formen und glatten, weißen Oberflächen betrachten, ist offensichtlich, dass etwas pures, minimalistisches auf einem weißen Blatt Papier den maximalen Kontrast zu einem Wald darstellt. Ein rohes Betongebäude mit identischen Fenstern wird nicht als ehrlich und echt wahrgenommen, sondern als unmenschlich und langweilig. Was die Modernisten nicht begriffen, war, dass wir Menschen dazu neigen, in alles eine Bedeutung hineinzuinterpretieren. Auch in eine weiße Oberfläche.

 

Ich glaube, die meisten Menschen finden die Natur hässlich. Darum erschaffen wir symmetrische Gärten und keine chaotischen Wälder. Wir wollen etwas verbessern, indem wir bestehende Objekte neu arrangieren, anstatt die Natur zu kritisieren. Und dann vergleichen wir unseren Garten mit dem unseres Nachbarn und versuchen herauszufinden, in wem weniger Affe steckt, um uns als der Natur überlegen darzustellen. Der Mensch liebt das Gefühl der Kontrolle. Ich selbst dagegen glaube, wir sollten die Natur herausfordern. Vielleicht sollten wir das Ganze einen Schritt weiterbringen.

 

Meine Arbeit verkörpert den Traum von der ultimativen Form oder sogar dem ultimativen Objekt. Es war der Anfang einer Suche nach einem Objekt, dem die Menschen gehorchen, ohne überhaupt zu wissen warum. Das mag ein unerreichbares Ziel sein, aber ich denke, dieses Objekt befindet sich weit weg von der Natur.




2. Die Peace Drone sticht aus deinem übrigen Werk ganz klar heraus. Was hat dich zu diesem formellen und inhaltlichen Exkurs bewegt?

 

Ich finde es interessant, wie wir Formen im Militär und der Politik einsetzen. Mich interessiert auch, wie Designer von Tötungsmaschinen argumentieren. Witze und fröhliche Gesichter sind nicht willkommen in dieser Welt und kämen einer Beleidigung gleich. Für mich betrügen wir uns damit selbst, genauso, wie mit der modernistischen Ästhetik.

 

3. An der Peace Drone möchtest du gerne weiterarbeiten, eventuell sogar einen funktionsfähigen Prototyp entwickeln. Wird das Thema Krieg und Frieden einen dauerhaften Platz in deiner Arbeit erhalten?

 

Ja, ich plane einen Prototyp in Originalgröße zu bauen, der schwere Lautsprecher tragen kann. Krieg und Frieden ist ein tolles Thema, weil es so bizarr ist. Es beweist, dass wir der Natur nicht überlegen sind. Alle meine kommenden Arbeiten basieren auf menschlichem Verhalten... oder sagen wir, der menschlichen Natur.
















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Dossier
Krieg
Jahr
2014
Disziplin
Produktdesign, Kunst
Ausgabe
form 255
Links
mynameisaxel.com

Mehr zum Schwerpunktthema Krieg finden Sie in form 255Die Ausgabe kann online über unseren Shop bestellt werden.

Text: Susanne Heinlein