Drei Fragen an:
Eisuke Tachikawa, Nosigner

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Japanisches Verpackungsdesign besteht, so wie Japans gesamte Kultur, für westliche Betrachter oftmals aus Gegensätzen: Abhängig vom Kontext können Verpackungen reduziert und naturbelassen sein oder bunt und überladen. Von traditionellen Verpackungstechniken sind heutige Verpackungen in Japan weit entfernt, doch scheinen ihre kulturellen Wurzeln immer noch durch. Die Menge an anfallendem Müll aufgrund vieler Verpackungsteile gerät oft in die Kritik, doch gibt es entkräftende Gründe.




Ergänzend zu den Verpackungsbeispielen in form 258, haben wir dem Gründer des Studios Nosigner, Eisuke Tachikawa, Fragen zu seiner Auffassung von japanischem Verpackungsdesign gestellt. Das Studio arbeitet disziplinübergreifend an Projekten im Grafik-, Produkt-, und Webdesignbereich und hat den Anspruch, „für soziale Innovation zu gestalten“. Bekannt geworden durch das Projekt Olive, das 40 Stunden nach dem Tsunami 2011 auf einer Webseite Informationen zur Selbsthilfe für Betroffene zur Verfügung gestellt hat, entwerfen Nosigner unter anderem auch Verpackungen, von denen wir zwei zeigen: Warew und Asian Asi.




1. Was denkst Du ist der japanische Ansatz im Verpackungsdesign? Welchen Ansatz verfolgst Du?

 

Ich denke japanisches Verpackungsdesign ist aus technischen Lösungen für bestimmte Nutzungszusammenhänge hervorgegangen. Du wärst überrascht, wieviele Verwandlungen eine Papierschachtel, die man in jedem kleinen Supermarkt in Japan findet, beim Öffnen durchläuft. Gleichzeitig neigen japanische Verpackungen dazu, wie Allerweltsprodukte auszusehen, die aus Marken- und Storytelling-Perspektive keine Zielsetzung verfolgen.

Bevor wir eine Verpackung gestalten, designen wir immer – oder zumindest redefinieren wir – die Markenstrategie. Dann entwerfen wir die Verpackung im Prozess anhand der Markenphilosophie. Im Bezug auf die Umsetzung beabsichtigen wir ein „höheres Ziel als Verkaufszahlen am Markt“ zu erreichen und durch die Verpackung und das Branding „die Erfahrung der Nutzer zu verändern“.

 

 

2. Welche Eigenschaften weist Deiner Meinung nach eine „gute“ beziehungsweise „erfolgreiche“ Verpackung auf?

 

Ich sehe Design als Sprache. Damit der Benutzer die Formulierung instinktiv versteht, sollte Design dem Konzept „weniger ist mehr“ folgen. Ich glaube, dass „gutes“ Verpackungsdesign die essentielle Bedeutung direkt übersetzt ohne viele Anzeichen von Gestaltung aufzuweisen.

Und wenn Design eine Sprache ist, dann ist es wichtiger einen bedeutsamen Inhalt zu kommunizieren als lediglich eine schöne rhetorische Form. Gutes Design sollte der Gesellschaft nützen und nicht nur auf sich selbst bezogen sein.

Verpackungsdesign drückt als Sprache ebenfalls eine Markenphilosophie aus, die innerhalb der Gesellschaft als etwas Gutes betrachtet werden sollte, das sich mit wenigen Worten ausdrücken lässt.




3. Welche Rolle spielen die Marke und der Kunde, die Umwelt und der Endkunde in Deinem Verpackungsdesign?

 

Ich höre mir die Meinungen vieler Beteiligter an, mitinbegriffen die des Kunden und des Marktes, um eine ganzheitliche Sicht auf die Umgebung der Verpackung und der Marke zu gewinnen. Diese Art der Recherche hilft mir meine Vorstellung des Kontexts zu verbessern und oft stoße ich dabei auch auf metaphorische Hinweise für die Gestaltung. Die Qualität des Designs wird immer von seinem Kontext definiert.

 

 

Weitere Informationen rund um das Thema Verpackung in Japan finden Sie auf folgenden Webseiten:

 

Japan Package Design Association

Japan Packaging Institute

The Japan Containers And Packaging Recycling Association

Japan Pack Messe

Tokyo Pack Messe













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Dossier
Verpackung, Japan
Jahr
2015
Disziplin
Produktdesign, Verpackungsdesign
Ausgabe
form 258
Links
nosigner.com

Weitere Beispiele für japanisches Verpackungsdesign finden Sie in form 258. Die Ausgabe kann über unseren Shop online bestellt werden.

Text: Franziska Porsch