18. Dezember 2014

Dossiers
Drei Fragen an:
Lutz Harrer, Lichtgestaltung an der
TU München

Text: Franziska Porsch

Licht ist essentiell für unsere visuelle Wahrnehmung und hat sowohl Einfluss auf unser Wohlbefinden als auch auf unseren Biorhythmus. Der vermehrte Einsatz von künstlichem Licht wirft deswegen die Frage nach der Gestaltung von und mit Licht auf. Dafür bedarf es Experten, die um die Wirkung von Licht wissen und diese gleichzeitig in die Planung von Räumen miteinbeziehen können. Es gibt einige wenige Ausbildungseinrichtungen in Deutschland, die diesem Bedarf nachgehen. Dazu zählt der Masterstudiengang M.Sc. Lichtplanung und Lichtgestaltung an der TU München. Wir haben mit Lutz Harrer, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter am Lehrstuhl für Raumkunst und Lichtgestaltung, über die Ausrichtung und Ziele des Studiengangs gesprochen.



 

1. Welche Rolle spielt Licht in der Gestaltung, der Architektur?

 

Lichtplanung ist ein integraler Bestandteil der Architektur. Wand und Licht, die wesentlichen Elemente der Architektur, ihre ursprünglichen und konstitutiven Elemente, treten dabei in Interaktion. Die Wand – hier stellvertretend für alle baulichen Mittel zu verstehen – reflektiert das Licht und verändert es zugleich. Dieses Zusammenspiel erzeugt unterschiedliche Helligkeit und Schattierungen, die den Raum modellieren und somit seine Charakteristik bestimmen. Im Spannungsfeld des technisch Machbaren und des architektonisch Sinnvollen ist es Aufgabe und Verantwortung des Architekten, die Vorstellungen und Interessen aller Beteiligten zu koordinieren, Planungsklarheit und -sicherheit zu schaffen, Missverständnisse zu vermeiden und damit letztlich auch Kosten zu sparen.



 

2. In welchem Verhältnis stehen wissenschaftliche Erkenntnisse und gestalterische Fähigkeiten bei der Gestaltung von und mit Licht?

 

Die Besonderheit sowie das Potential des Studiengangs liegen in seiner Interdisziplinarität. Daher wurde vermieden, eine der angesprochenen Disziplinen zu stark hervor zu heben. Die Absolventen des Studiengangs lernen, Projektverantwortung mit interdisziplinärer Zusammenarbeit zu verbinden. Sie lernen Fragen zur Entwicklung und Durchführung von Gestaltungsabsichten vor dem Hintergrund wachsender planerischer Erwartungen gekoppelt an hochtechnisierte Angebote aus der Leuchtmittelindustrie zu beantworten.



 

3. Wann, mit welcher Absicht und mit welcher Zielsetzung wurde der Studiengang gegründet?

 

Der Studiengang verbindet Lichttechnik, Lichtplanung, Lichtgestaltung und Architektur auf einem integrierten, hohen wissenschaftlichen Niveau. Im Mittelpunkt des MLL steht die Frage, wie Raum und Licht – zentrale Themen der Architektur – miteinander korrespondieren, wie sie aufeinander abgestimmt und in eine sinnvolle Beziehung gebracht werden können.

Der Studiengang wurde im Jahr 2012 eingeführt und hatte eine Vorbereitungszeit von mehreren Jahren. Der Bedarf für das Studienangebot leitet sich zum einen direkt aus der beruflichen Praxis bei der Realisierung von baulichen Projekten ab. Im Moment gibt es lediglich wenige Spezialisten, welche in der Lage sind, die komplexen Zusammenhänge zwischen Lichttechnik und Architektur zu verstehen und die hohen lichttechnischen und lichtplanerischen Anforderungen an zeitgemäße Gebäude zu erfüllen. Hier besteht dringender Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften mit einem breiten Basiswissen in verschiedensten Disziplinen.

Zum anderen ist die immer weiter zunehmende Verwendung von künstlichem Licht in den verschiedensten Bereichen unseres Lebens festzustellen. Zum Beispiel wird im Bereich der Medizintechnik zur Hervorrufung von gewünschten physiologischen Effekten oder zur Förderung von Heilungsprozessen zunehmend die Verwendung von Licht eingesetzt. Schließlich wird sich mit den Möglichkeiten der neuesten Lichtquellen LED und OLED auch die Qualität und Quantität des künstlichen Lichts im alltäglichen Leben drastisch verändern. Diese Veränderungen werden uns nicht nur bei technischen Geräten oder Leuchten sondern auch im städtischen Maßstab bevorstehen. Diese neuen Technologien müssen in eine sinnvolle Abstimmung mit unserer gebauten Umgebung gebracht und kultiviert werden.

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