Drei Fragen an:
Michael Maharam

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Adam Stêch, Mitbegründer des tschechischen Designkollektivs Okolo, hat das Büro des Stoffherstellers Maharam in New York besucht. Mit seinem Sitz im 14. bis 16. Stock eines typischen New Yorker Hochhauses in Manhattan, ist das Büro ein wunderbares Beispiel für Kompetenz im Textildesign und gestalterisches Erbe im Allgemeinen. Das puristische und minimalistische Büro wurde von den New Yorker Architekten Fernlund and Logan entworfen. Die Inneneinrichtung zeichnet sich durch effizientes und praktisches Design aus und rückt gleichzeitig den offenen Raum und die klaren Oberflächen ins Zentrum. Während des Besuchs konnte Adam mit CEO Michael Maharam sprechen, der das Unternehmen vor zwei Jahren an Herman Miller verkaufte. Als Nachfahre der Gründerfamilie sprach er mit uns über Maharams Erbe und seine Leidenschaft für das Sammeln von historischen Designobjekten und Kunst sowie das Publizieren von Büchern.




1. Was können Sie uns über die Geschichte Ihrer Firma und ihre Philosophie heute erzählen?

 

Maharam wurde 1902 von meinem Urgroßvater Louis Maharam, einem russischen Einwanderer, gegründet. Es war ein bescheidenes Geschäft auf der Lower East Side in Manhattan, das textile Restposten anbot. Zu Beginn der „Sprechfilme“ verkauften seine vier Söhne dann akustisches Dämmmaterial und Theatervorhänge an Kinos und wandten sich in den 1930er-Jahren Textilien für Kostüme und Bühnenbild zu. Mein Vater Donald ließ sich in den 1950er-Jahren als Textilingenieur ausbilden, um dieses technische Wissen dann als Pionier für professionelle Textilien in der kommerziellen Innenausstattung anzuwenden. Nachdem mein Bruder Stephen den Betrieb in den späten 1990er-Jahren übernommen hatte, verfolgte ich unser persönliches Interesse daran, den Objektwert von Textilien zu erhöhen. Mithilfe von Neuausgaben ikonischer Designs aus der Vergangenheit und der Kollaboration mit Designern der Gegenwart wollte ich die Faszination für Design zum Ausdruck bringen.

 

 

2. Wie wichtig ist das Sammeln für Dich und die Firma? Was sammelst Du?

 

Sammeln ist ein Rahmen für ein wohldurchdachtes Geschäft. Es ist sowohl ein Anker der visuellen Tendenz und Referenz, als auch ein Prozess des Sortierens. Ein Unternehmen ist eine Sammlung... in erster Linie von Menschen (hoffentlich talentierter Menschen), von Grundsätzen, von Richtlinien und Gewohnheiten, von Räumen, Grafikdesign und natürlich Produkten. Wobei Letztere durch Erstere geformt werden. Unsere visuellen Tendenzen und Referenzen zählen zu den tastbaren Aspekten unserer Kreativität – Grafik, Räume und Produkte – während der Prozess des Sortierens den Charakter unserer Kollektion, die organisatorischen Aspekte – also die Art und Weise wie wir Maharam unserem Publikum präsentieren – und die dahinterliegende Infrastruktur formt. Diese ermöglicht letztendlich den exzellenten Service.

 

Ich sammle sowohl das Ikonische als auch das Alltägliche. Ich bin ein besonderer Fan von Rietveld und Judd... für mich sind sie philosophische Marker. Ich verbringe außerdem viel zu viel Zeit auf Ebay auf der Suche nach günstigen und schönen Dingen. Das ist wahrscheinlich die beste Übung fürs Auge – es ist nicht besonders schwierig teure und schöne Dinge auf Aktionen zu kaufen. Ich bin immer amüsiert, wenn mir ein Auktionshaus zu meinen vielen „Gewinnen“ gratuliert. 




3. Warum hast Du Stories zu einem Bereich Deiner Webseite gemacht und warum publizierst Du Bücher?

 

Eine Webseite braucht eine Startseite und die meisten sind schrecklich... entweder eine Mischung aus visuellem Durcheinander oder eine Form von langweiliger, selbstdarstellender Produktwerbung. Wir dachten, dass dieser unvermeidbare Moment die Möglichkeit birgt für eine tiefgründigere Aussage und die Chance, mit einer Bandbreite von Freunden und Mitwirkenden zusammenzuarbeiten. Für die Kreation einer neuen Art Kollektion. Man könnte natürlich sagen, dass es lediglich ein Blog ist, aber wir streben danach, Stories durch die Wahl der Beteiligten hervorzuheben. Wir ermutigen diejenigen, die Freiheit des Ausdrucks und die Qualität und Aussagekraft von Bildern und Fertigung auszuschöpfen.

 

Ironischerweise scheinen in diesem Zusammenhang Druckerzeugnisse in der digitalen Welt zu einem Statussymbol geworden zu sein. Gedruckt zu erscheinen, bedeutet Bestätigung und einprägsamere Präsenz im Netz. Wir haben uns dafür entschieden, eine Publikation mit ausgewählten Geschichten zu machen, sodass wir mit Irma Boom, einer guten Freundin, mit der wir das Projekt schon länger besprochen hatten, zusammenarbeiten konnten. Außerdem hatten wir das Gefühl, dass die starken Bilder und das Fünfhundert-Wort-Format eine schöne Leseerfahrung ergeben.

 

Bücher im Allgemeinen und das Publizieren in einer digitaldominierten Ära sortieren sich von selbst aus. Der beste Inhalt rechtfertigt die Investition in Papier und der Rest verflüchtigt sich ganz von selbst im Netz. Das Buch ist eines der nobelsten und originärsten Objekte und es ist eine Freude sie zu erschaffen, zu sammeln und zu besitzen. In der Vergangenheit gab es jährlich ein Geschenk als Geste für unsere Kunden, typischerweise war es funktional. Vor einigen Jahren wurden wir uns bewusst, dass wir lieber Bücher machen würden und dass diese im Laufe der Zeit auch eine Kollektion ergeben würden. 
















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Dossier
Material
Jahr
2015
Disziplin
Textildesign
Ausgabe

Links
okoloweb.cz
maharam.com
fernlundlogan.com
irmaboom.nl

Text: Adam Stêch