Drei Fragen an:
Misha Simakov

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Seit Beginn des digitalen Zeitalters und mit Hilfe modernster Softwaretechnik ist es mittlerweile möglich, unüberlickbare Mengen an Daten zu archivieren. Gesammelt werden die Daten durch Messungen, Barcodes oder durch Informationen, die wir tagtäglich im Netz von uns preisgeben. Diese gespeicherten Datenmengen strukturiert aufzubereiten und visuell darzustellen ist die Aufgabe von Infografikern wie Misha Simakov, der unter anderem für die infografischen Arbeiten bei The Moscow News verantwortlich war. Einen Einblick in die Arbeit des russischen Infografikers geben wir in dem Artikel „Erst Info…Graphics Second“ in form 255. 
Zu seinem Berufsfeld haben wir ihm drei Fragen gestellt: 




1. Wo hast Du Deine Fähigkeiten im Umgang mit Infografiken erworben, in Russland gibt es derzeit ja keine spezialisierte Institution zu dieser Thematik?

 

Meine Ausbildung setzte sich aus zwei unterschiedlichen Spezialisierungen zusammen. Zum einen aus dem Bereich Mathematik und Ingenieurswissenschaften und zum anderen aus Grafikdesign. Die Mathematik gab mir die Fähigkeit logisch zu denken, Design hingegen hat zu meinen künstlerischen Fähigkeiten beigetragen.

Ich war Grafikdesigner bei einem bekannten russischen Fernsehsender. Meine Frau ist damals zufällig auf eine Stellenanzeige für einen Infografiker gestoßen. Damals wusste ich allerdings noch nicht wirklich was Infografiken eigentlich sind. Ich mochte die Anleitungen von Ikea immer sehr und für mich waren das Infografiken. Mein zukünftiger Arbeitgeber schickte mir dann einige Beispiele wie Arbeiten von Francesco Franchi. Es war eine faszinierende Sammlung grafischer Arbeiten für das IL – Intelligence in Lifestyle Magazin. Ich reichte also einige meiner Arbeitsproben ein und erhielt dann auch die Stelle. Danach sog ich alles auf, was ich zum Thema Infografiken finden konnte. Während eines regulären Arbeitstages habe ich regelmäßig drei bis fünf Diagramme und Grafiken erstellt – es war mir wichtig schnell zu sein, aber auch schöne und verständliche Resultate entstehen zu lassen.

Meine Inspirationsquelle, um meine Fähigkeiten weiter zu entwickeln, waren Bücher, Flickr, Konferenzen und meine Kollegen. In Russland haben wir jedes Jahr zwei wichtige Konferenzen zum Thema Infografiken. Ich habe unsere Arbeiten eingereicht und hierzu auch eine Präsentation erstellt. Der Artdirector hat mich im Jahr 2012 und 2013 nach Pamplona zur Malofeij Infographic Konferenz geschickt. Dort hatte ich die Gelegenheit mehrere Grafikdesigner und visuelle Journalisten und ihre Arbeiten kennenzulernen. Ich bin immer noch beeindruckt von den Arbeiten und Projekten von Kollegen wie Francesco Franchi und Nicolas Felton. Sie wurden mit der Zeit zu meinen „Offline-Lehrern“. 




2. Wie lange hast Du für die Moscow News gearbeitet? Wie hast Du es geschafft dort die Infografikabteilung aufzubauen?

 

Zwei Jahre. Wir haben ein hochwertiges Resultat angestrebt. Meine Vorgesetzten hatten mir in der Vorbereitung Projekte und Beispiele aus der New York Times gezeigt – und wir wollten etwas Vergleichbares. Ich teilte meinem Artdirector mit, welche Leute ich hierfür benötigen würde und dann machten wir uns auf die Suche nach diesen Spezialisten. Als wir fertig waren bestand das Team aus fünf Leuten: mir selbst (in der Rolle des Chefdesigners), einem Researcher, zwei Designern und einem Illustrator. 




3. An was arbeitest Du momentan?

 

Mein neuer Job ist derzeit der Aufbau einer neuen Infografikabteilung bei Ria Novosti (das seit 2013 Teil des Medienunternehmens Rossio Segodnya ist). Zuvor war ich Infografikdesigner und nun bin ich eher ein Systemdesigner und verantwortlich für das Koordinieren meines Teams. Wir haben hier fünf verschiedene Teams in unserer Abteilung. Eines der Teams ist zuständig für die operativen Aufgaben und deckt die täglichen Nachrichten ab, jedoch ohne den Bereich der aktuellen Schlagzeilen. Die vier anderen Teams basieren auf den verschiedenen Projekten wie zum Beispiel der Recherche von interaktiven Geschichten. Zusätzlich haben wir unser Team um einen Experten für Karten, einen 3D-Designer, Animationsspezialisten und Front-End-Programmierer erweitert.

Im März 2014 bestand das Team noch aus nur fünf Mitarbeitern und nun haben wir bereits mehr als 30 Mitarbeiter. Das wichtigster ist deshalb eine Struktur und ein System zu schaffen, das aller Arbeit und den Projekten zugrunde liegt. Mein persönliches Ziel ist es, ein Team auf die Beine zu stellen, das Menschen mit gleichen Vorstellungen und Ideen vereint – Infografiken müssen Infografiken bleiben und keine pittoresken Illustration mit Zahlen oder ohne ein ansprechendes Design. Infografiken haben die Aufgabe Daten, Logik und Design miteinander zu vereinen. Das muss ich meinem Team, aber auch meinen Kunden immer wieder erklären. Infografiken sind zur Zeit überall sehr präsent und beliebt, aber nur wenige begreifen tatsächlich wie sie funktionieren.

 













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Dossier
Informationsdesign
Jahr
2014
Disziplin
Grafikdesign, Kommunikationsdesign
Ausgabe
form 255
Links
themoscownews.com
francescofranchi.com
ilmagazine.ilsole24ore.com
malofiejgraphics.com
feltron.com
nytimes.com
ria.ru

Text: Marie-Kathrin Zettl