Drei Fragen an:
Robert Hofmann, ZurQuelle

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Hochschulmagazine gibt es mindestens so viele wie Universitäten und Hochschulen. In den meisten Fällen fungieren diese allerdings nur als Newsverteiler für interne Nachrichten und beschäftigen sich mit der Suche nach einem Praktikumsplatz oder dem Speiseplan der Mensa. Allerdings muss man nicht notwendigerweise an einer Gestaltungshochschule studiert haben, um ein inhaltlich breit aufgestelltes und gestalterisch überzeugendes – und vielleicht am wichtigsten, ein relevantes – (Studierenden-)Magazin zu publizieren. Die monothematischen Schwerpunkte beschäftigen sich mit Themenfeldern aus Gesellschaft, Politik und Kultur und rücken die Perspektive der Studierenden ins Zentrum.




„Bunt, blöd, kritisch und anspruchsvoll“ – das Studierendenmagazin Zur Quelle von und für Zaubernde schafft es, die laut eigener Aussage widersprüchlichen Eigenschaften zu vereinen und gleichzeitig noch eine wichtige Botschaft zu vermitteln. Die Berichterstattung basiert vor allem auf dem, was das Studierendenleben auszeichnet: Offenheit, Toleranz, Lust an Bildung, Hedonismus und gelegentlich auch Suff und Dummheit. Dabei agiert die Redaktion unabhängig und richtet sich übergreifend an alle Universitäten und Hochschulen im Raum Berlin und Potsdam. Der trashige Look des Magazins überrascht im ersten Moment, wirkt vielleicht sogar etwas abschreckend, schafft aber einen direkten, authentischen und einfachen Zugang zu den Inhalten. Wir haben mit dem Chefredakteur des Magazins Robert Hofmann über seine Arbeit und die Botschaft und Zukunft des Magazins gesprochen.    

 

1. Wie ist das Studierendenmagazin Zur Quelle entstanden? Und wie hat es seinen Namen bekommen?

 

Zur Quelle ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass andere Studierendenmagazine langweilig sind. Da gibt es zwar die wilden Neons, Zeit Campus, Unicum und die vielen tausend regionalen beziehungsweise unizentrierten Magazine, aber unterhaltsam sind diese alle nicht. Deswegen haben wir den Plan gefasst, das selbst in die Hand zu nehmen. Aus einer Handvoll Freunde und Bekannter vornehmlich der Uni Potsdam wurden es über die Jahre immer mehr Menschen, die den Ansatz überfällig fanden. Das erste Redaktionstreffen fand damals in meiner Stammkneipe statt, ohne dass wir gewusst hätten, was eine Redaktion ist. Oder ein Magazin. Als nerdiger Geschichtsstudent wusste ich aber, wie der Name der Publikation heißen müsste – und alle, die die Kneipe „Zur Quelle“ kannten, auch. Also wurden wir „ZurQuelle“ – der Nerdfaktor kommt daher, dass die ersten Demokraten im deutschen Raum sich im Zuge der Revolution 1848, dem ersten demokratischen, gesamtdeutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche, nicht nach ihrer Parteizugehörigkeit zusammensetzten. Parteien waren verboten, deswegen musste man die Fraktionen nach gemeinsamer politischer Überzeugung formen. Ihre Namen wählten die einzelnen Fraktionen dann nach den Kneipen, in denen sie abends berieten; wir haben den gleichen Weg gewählt und sehen uns damit in einer direkten Kontinuitätslinie mit den ersten deutschen Demokraten des Parlaments der Paulskirche. 




2. Welches Ziel verfolgt die Redaktion mit der Publikation und wie unterscheidet Ihr Euch von anderen Magazinen?

 

In erster Linie wollen wir unterhalten. Unterhaltung ist aber neben dem Selbstzweck (wir sind schon zu einem großen Teil sehr dumm und albern) auch Mittel zum Zweck. Wir haben eine politische Botschaft. Nicht klar ausformuliert oder definiert, aber doch omnipräsent. „Links“ zu sagen, klänge zeckig. Wir nennen es lieber „humanistisch“. Allein das ist heutzutage ja schon wieder links. Durch unseren unterhaltsamen Charakter wollen wir auch für Menschen anschlussfähig sein, die unsere Überzeugungen nicht unbedingt teilen. Und dadurch womöglich hin und wieder einen kleinen Gedankenspross in ihren Kopf pflanzen. Inception. Der Unterschied besteht dann zuerst darin, dass wir mit Studierenden eine klar definierte Zielgruppe haben. Innerhalb der Masse an Studierendenmagazinen unterscheiden wir uns eben durch diese politische Überzeugung – bei gleichzeitig augenscheinlich ausschließlich bullshittigem Charakter. Außerdem stellen wir nicht die Uni in den Mittelpunkt, sondern die Studierenden. Die wollen wir nicht in der Uni abholen, sondern überall sonst. Schließlich ist die Uni nur ein Teil des Studierens. Dazu gehören ebenso ein zügelloser Hedonismus, eine kritische Grundhaltung, Bereitschaft zu Reflexion und einfach eine lockere Lebenseinstellung. Die Zeit des Studiums ist die beste des Lebens, das hat nichts mit der Uni zu tun und da wollen wir ansetzen.

 

 

3. Welche Rolle spielt Design in Euren Abläufen? Was plant Ihr für die Zukunft?

 

Redaktions- und Gestaltungsteam arbeiten eng verzahnt. Die Schnittstelle funktioniert in beide Richtungen. Unser Design ist unser ganzer Stolz und die Designer sind genial. Damit das so bleibt, versuchen wir, einander entgegenzukommen, Rücksicht zu nehmen – und vor allem, keine Fragen nach einer Gewichtung aufkommen zu lassen. Wenn es für das Schriftbild besser ist, kürzt die Redaktion, wenn die Redaktion eine grandiose gestalterische Vision hat, hören sich die Gestalter diese zumindest an.

Wir haben 2015 den Preis als bestes deutschsprachiges Studierendenmagazin gewonnen. Diese Qualität wollen wir beibehalten. Natürlich hegen wir auch Expansionspläne. Auf kurz oder lang wird das schon deswegen unumgänglich sein, weil wir uns weiter selbst finanzieren wollen. Ein sinnvoller Vertriebsweg, eine konstante (über-?)regionale Präsenz und eine solide Finanzierung über Anzeigen, Partys und andere Dinge sind in Arbeit. Vor allem aber, nennt es trashig oder klischeehaft: Wir wollen weiter Spaß an der Arbeit haben, niemanden überlasten oder abhängen und einfach das geilste Magazin machen.


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Nº 273
Designing Protest

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Dossier
Media, Ausbildung
Jahr
2015
Disziplin
Editorial Design, Grafikdesign
Ausgabe
form Nº 263 (hidden)
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Text: Jessica Sicking