Drei Fragen an:
Stefan Weninger, IMCO

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Feuer spendet Wärme und Licht. Damit diente es bereits den Frühmenschen zum Erhitzen von Speisen und zum sicheren Verweilen an einer Lagerstätte. Die Fähigkeit, Feuer zu machen, ist zwar in einigen Teilen der Welt durch effizientere Wärme- und Lichtquellen überflüssig geworden, doch übt Feuer immer noch eine große Faszination aus – und wird beim Kampieren in der Natur, an Sommerabenden im Garten oder beim Kaminfeuer entfacht. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte sind verschiedene Techniken und Produkte entstanden, die ein kontrolliertes Entzünden von Feuer ermöglichen. 

Das österreichische Unternehmen IMCO war bis 2012 neben Ronson aus den USA einer der ältesten Feuerzeughersteller der Welt. 2013 hat der japanische Hersteller Windmill die Markenrechte inklusive technischer Zeichnungen aufgekauft und die Produktion des IMCO Triplex Super 6700, dem wohl bekanntesten Feuerzeug aus dem Hause IMCO, fortgesetzt. Wir sprachen mit dem ehemaligen kaufmännischen Leiter von IMCO, Stefan Weninger, über die Entwicklungs- und Markengeschichte des Feuerzeugs.

 

 




1. Herr Weninger, was war entscheidend für die Formgebung des IMCO Triplex Feuerzeuges und warum hat sich seine Form über Jahrzehnte nicht geändert?

 

Das Triplex Feuerzeug IMCO 4700 wurde bereits 1937 entwickelt. In den 1960er-Jahren wurde nur das Innenleben verändert – dann 6700 Triplex Super genannt–, um die Automatisierung der Produktion zu verbessern. Seitdem wurde es unverändert gebaut. Das Feuerzeug war schon während des Krieges und auch zu Nachkriegszeiten sehr beliebt und wurde von Soldaten in alle Teile der Welt während und nach dem Einsatz mitgenommen. Dadurch gab es weltweites Interesse und Handelsbeziehungen wurden geknüpft. Bereits in den 1950er-Jahren wurden 90 Prozent der Produktion weltweit exportiert. Wie Sie sich sicher vorstellen können, gab es in den 1930er-Jahren noch keine Designabteilungen – das Design kommt von den technischen Entwicklern und Werkzeugbauern. Die zylindrische Form hat damit zu tun, dass nach dem ersten Weltkrieg wegen der Materialknappheit ausgeschossene Patronenhülsen als Benzintanks verwendet wurden. Diese Form ist später, wie auch in diesem Fall, noch oft verwendet worden. Das Design konnte letztlich nicht verändert werden, weil die Feuerzeuge wesentlich bekannter waren als die Marke und die Kunden bei einer Änderung Angst hatten, Fälschungen zu erwerben. Die Feuerzeuge sind im Lauf der Zeit von mindestens 20 Firmen gefälscht worden. In den 20 Jahren, die ich für IMCO gearbeitet habe, haben wir zweimal die Verpackung leicht modernisiert und das war schon ein riesiges Problem.

 

 

2. Was waren die Gründe für die Einstellung der Produktion und Schließung des Unternehmens?

 

IMCO hat von Anfang an sehr haltbare und – für damalige Verhältnisse – sehr günstige Feuerzeuge produziert. Das war wegen des hauseigenen Maschinenbaus und hohen Automatisationsgrades möglich. Bis Ende der 60er-Jahre waren wir durch die hohe Qualität ganz weit vorne, sodass wir noch Jahrzehnte von unserem guten Ruf leben konnten. Allerdings konnte man aus städtebaulichen Gründen – die Fabrik lag mitten im Wohngebiet von Wien – nicht rechtzeitig auf Gasfeuerzeugproduktion umsteigen und hat dadurch eigentlich bereits Mitte der 1960er-Jahre den Anschluss verloren. Ab den 80er-Jahren hat sich dann im Feuerzeugbereich durch die chinesische Billigproduktion keine Investition mehr gelohnt. Heute bauen chinesische Firmen Feuerzeuge mit Piezozündung zu einem Großhandelspreis, zu dem man in Europa kaum ein Reibrad herstellen kann. So konnte nur noch mit den vorhandenen Produkten Geld verdient werden, solange es die Stückzahlen zuließen. Aber irgendwann sind diese dann soweit gesunken, dass für die Zukunft nur mehr Verluste zu erwarten waren.

Das hängt damit zusammen, dass 95 Prozent des Marktes von Einwegfeuerzeugen aus Fernost abgedeckt werden. Um die restlichen 5 Prozent kämpfen sich alle bekannten Markenhersteller. Bereits Ende der 90er-Jahre ist es für Produzenten interessant geworden, alte Marken zu kaufen oder zu mieten und bessere Fernost-Feuerzeuge unter diesen zu verkaufen, um sich mit der Marke von der Masse abzuheben. Ich nehme an, dass das auch das Motiv von Windmill gewesen ist. Sie haben nicht nur eine Handelsmarke sondern auch eine Geschichte gekauft.

 

 

3. Welche Zukunft steht Feuerzeugen Ihrer Meinung nach bevor?

 

Feuerzeuge wird es immer geben, solange es Zigaretten, Camping und Kerzen gibt. Die Konsumenten erwarten von Feuerzeugen in erster Linie, dass es im Bedarfsfall gut funktioniert und günstig ist. Die chinesischen Einwegfeuerzeuge sind viel besser als in den Anfangszeiten und erfüllen diesen Zweck völlig. Warum sollte jemand mehr als ein paar Cent dafür ausgeben? Auch ein kleiner Bereich von besseren Feuerzeugen als Geschenk wird bleiben. Aber die Zeiten, in denen ein Feuerzeug als Statussymbol taugte und man für eine Sonderedition oder ein besonderes Design irrwitzige Summen gezahlt hat, sind vorbei. Dafür ist das Rauchen in der öffentlichen Meinung zu verpönt. Die Produktion von solchen Feuerzeugen findet nur mehr in Stückzahlen statt, von denen keiner leben kann. Deshalb wird in Zukunft eine Produktion in Europa – wenn es sie überhaupt noch gibt – nicht mehr möglich sein. Wie in vielen anderen Industrien, beispielsweise der Textilindustrie, ist es inzwischen normal, dass alles importiert wird.

 



















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Dossier
Feuer
Jahr
2015
Disziplin
Produktdesign, Industriedesign
Ausgabe
form 262
Links
imco.at

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Text: Franziska Porsch