Drei Fragen an:
Uta Brandes, international Gender Design Network

genderdesign.org


Wer kennt sie nicht: Produkte, die mit geschlechtsspezifischen Vorstellungen verbunden sind wie beispielsweise der Schlagbohrer, die Kettensäge, die Handtasche oder der Kinderwagen. Diese Klischees sind nicht nur in den Köpfen der Nutzer verankert, sondern eben auch in denen der Gestalter, was sich wiederum an bestimmten Farbstereotypen oder dem Einsatz von spezifischen Materialien zeigt.

Das international Gender Design Network (iGDN) organisiert zum Thema Gender und Design am 21. November an der International School of Design in Köln seine erste deutschsprachige Tagung und präsentiert zudem bis zum 7. Dezember in der Ausstellung „The Great small“ geschlechtersensible und -unsensible Produkte an der Polytechnischen Universität in Hong Kong. Wir haben der Gründerin des iGDN, Uta Brandes, drei Fragen gestellt:





1. Was verstehen Sie unter dem Begriff Gender? 

 

In der deutschen Sprache existiert nur ein Begriff: das Geschlecht. Die englische Sprache ist da viel präziser. Sie unterscheidet in ein biologisches Geschlecht „sex“ und ein anderes „gender“, das soziale und kulturelle Zuschreibungen vornimmt in Bezug darauf, was in einer Gesellschaft beziehungsweise einer Kultur unter Weiblichkeit oder Männlichkeit festgeschrieben wird. Gender weist Menschen Positionen im sozialen Raum zu und übernimmt die Rolle eines „Wächters“. Dabei ist in den modernen Gesellschaften das binäre Prinzip vorherrschend: entweder (männlich) oder (weiblich). Alle Schattierungen eines Dazwischen (trans-, bi-, inter- etc.) verunsichern und desorientieren – Eindeutigkeit ist erwünscht.

 

2. Wie stehen Gender und Design in Zusammenhang? 

 

Alle Menschen sind immer und überall auf der Welt „vergeschlechtlicht“, denken und handeln – häufig unbewusst – „vergeschlechtlicht“. Kulturelle Erfahrungen und gesellschaftliche Prozesse sind unausweichlich von Gender geprägt. Und deshalb bleiben auch Produkte, Kommunikationen, Zeichen, Services davon nicht unbeeindruckt. Ob uns das gefällt oder nicht, ob es uns auffällt oder nicht. Die Gestaltung von Produkten, Kommunikationen und Dienstleistungen folgt gesellschaftlich konstruierten Vorstellungen von Männlichkeit oder Weiblichkeit. Andererseits finden sich diese „Angebote“ als Projektionen im realen Verhalten der Menschen durchaus wieder und werden damit – auf den ersten Blick – bestätigt.

 

3. Was zeichnen gendersensible und -unsensible Produkte aus? 

 

„Neutrale“ Produkte existieren nicht. Gendersensibilität ist der viel bessere und realistischere Begriff dafür: Gestaltung mit dem Bewusstsein und der Empathie für die Vielfältigkeit der Individuen (die eben weit über die Einteilung in zwei biologische Geschlechter hinausweist); im Versuch Stereotypen und Klischees – bei Designexperten ebenso wie bei denen, die die gestalteten Dinge anwenden und gebrauchen – aufzulösen und ein, wie ich es nenne, fluides, ein elastisches Design zu kreieren. Ein Design, im Idealfall so offen konzipiert, das es die Nutzer an ihre jeweiligen Bedürfnisse und Lebensverhältnisse anpassen können. 



















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