Evelina Kudabaitė

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Mit dreieinhalb Millionen Einwohnern ist Litauen das bevölkerungsreichste Land der drei baltischen Staaten, die alle im Zuge von Glasnost und Perestroika 1990 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärten. Seitdem hat sich Litauen zu einem modernen, europäischen Staat entwickelt, der Anfang Oktober 2015 bekannt gegeben hat, dass Design als wichtiger Innovationstreiber in die Strategie der nationalen Kulturpolitik aufgenommen wird. Mit unserem diesjährigen Länderschwerpunkt gehen wir nicht nur der bewegten Geschichte Litauens nach, sondern werfen auch einen Blick auf die aktuelle Designszene vor Ort und ihre Gestalter. Hier stellen wir Studios verschiedener Gestaltungsdisziplinen vor; 16 weitere finden Sie in form 264.




Gründungsjahr: 2014

Arbeit: selbstständig

Alter: 25

Ausbildung: Produktdesign

Arbeitsbereiche: Produkt- und Möbeldesign

Kunden: Lebensmittelindustrie, Kunst

 

 

Was zeichnet Design Deiner Meinung nach in Litauen aus?

 

Meiner Meinung nach hat litauisches Design eine schlichte Ausdrucksform, Respekt vor Traditionen und der Natur und leider auch eine Lücke von zwei Jahrzehnten in der Designgeschichte, was für diese Branche eine Menge ist. Daher hat Litauen noch keine starke Designidentität. Dennoch wachsen wir ziemlich schnell. Unsere Gestaltungsmerkmale hervorzuheben, ist die Aufgabe einer jüngeren Generation von Designern, die entschlossene, kreative und neugierige harte Arbeiter sind. Und ich glaube, dass es bereits passiert.

 

 

Was zeichnet Deine gestalterische Arbeitsweise und Deinen Stil aus?

 

Ich nehme an, es wären unebene Formen und grobe Texturen, die Ergebnisse bestimmter Prozesse und Experimente während der Herstellung von Objekten sind.

 

 

Warum hast Du Dich entschieden im Bereich Produktdesign zu arbeiten?

 

Um ehrlich zu sein, habe ich niemals darüber nachgedacht, Designerin zu werden. Ich mochte den Bereich noch nicht einmal besonders. Es passierte, als ich an Vorbereitungskursen der bildenden Kunst in den Niederlanden teilnahm und einer meiner Lehrer mir vorschlug, von der bildenden Kunst zum Produktdesign oder zum Schmuckdesign zu wechseln. Dann realisierte ich alle während des Kurses aufgetragenen Aufgaben und betrachtete sie plötzlich lieber als Form von funktionalen Objekten oder Accessoires statt als Teil der visuellen Kunst. Ich nehme an, das hat gerade gut gepasst. Und ich bin wirklich sehr glücklich darüber, dass ich das Design der bildenden Kunst vorgezogen habe.

 

 

Mit welchen Materialien arbeitest Du am liebsten?

 

Ich bevorzuge es, natürliche Materialien mit synthetischen zu kombinieren, oder raue mit glatten etc. Ich schätze, es geht mehr darum, verschiedene Materialien miteinander zu kombinieren als um die Materialien selbst.

 

 

Welche Einflüsse haben Deinen Stil und Deine Methoden geprägt?

 

Ich würde sagen, vor allem geografische und kulturelle Einflüsse. Nicht nur auf Reisen, sondern auch das Leben in verschiedenen Ländern für einige Zeit hatte einen ziemlich großen Einfluss auf mich aus persönlicher und kreativer Sicht. Ich studierte für einige Zeit in den Niederlanden und kam dann zurück nach Litauen um zu studieren. Während meines Studiums bekam ich dann die Möglichkeit, für ein halbes Jahr nach Island zu gehen. Das ist ein Land, in das ich mich verliebt habe. Ich war fasziniert von ihrer Hingabe, die Identität ihres Landes in Design und Kunst mitzugestalten: eine Geschichte mit jedem Projekt, das sie gemacht haben, zu erzählen. Während dieser Zeit begann ich zu verstehen, was nordisches Design ist, und dass litauisches Design mehr wie dieses sein sollte und müsste.




Welches Deiner eigenen Produkte ist bisher Dein Favorit?

 

Ich würde sagen, meine neuesten zwei Projekte Giria ebenso wie Wooden Balloon. Das Balloon-Projekt war der Beginn meines Abschlussprojektes „Giria. Lithuanian Tree Dishes“. Ich denke, dass es ein Ausgangspunkt für eine neue Arbeitsweise und Methode gewesen ist, an der ich wirklich Gefallen gefunden habe.  

 

 

Woran arbeitest Du zurzeit?

 

Ich arbeite an meinem Projekt „Lithuanian Tree Dishes“ weiter, um es etwas zu erweitern. Ich kann es nicht zur Seite legen, weil mir neue Ideen während des Prozesses einfallen, wie man das Material verwendet oder verbessert. Außerdem bin ich an einem neuen interessanten Projekt mit Leder und hoffentlich interessanten Kombinationen daraus dran. Ich bin also gespannt darauf, mit diesem Material anzufangen, vielleicht probiere ich dafür einige alte Gestaltungstechniken für Leder aus. Es ist immer noch sehr abstrakt, was mir am besten gefällt. 

 

 

Welcher internationale Designer ist Dein Favorit? 

 

Ich begegne immer wieder neuen Designern oder unterschiedlichen Medienkünstlern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt meine Favoriten sind. Beispielsweise letzte Woche war mein bevorzugtes Medienkunstduo Adam Frezza und Terri Chiao, bei denen sich alles ums Spielen dreht; sie kreieren handgemachte fröhliche Skulpturen, Installationen, Collagen und Bilder. Ich liebe es, wie das Duo es sich zur Aufgabe gemacht hat, organische und verbindende Objekte zu gestalten. Es gibt einfach zu viele Designer, die ich gut finde, sodass ich nicht einen auswählen könnte. 

 

 

↗ Evelina Baniulytė, ↗ Prim Prim, ↗ Atuko, ↗ Dominyka Barkauskaitė


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Nº 273
Designing Protest

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Dossier
Litauen
Jahr
2016
Disziplin
Produktdesign, Industriedesign
Ausgabe
form Nº 264 (hidden)
Links
behance.net/eveku

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Text: Marie-Kathrin Zettl