GLOTZEN.
Produktgestaltung Fernseher

Institut für Neue Technische Form, Darmstadt

27. September – 18. Dezember 2016

institut-fuer-neue-technische-form.de


Eine Ausstellung im Darmstädter Institut für Neue Technische Form illuminiert den Designprozess am Beispiel des Fernseher-Designs.




„Glotzt nicht so romantisch!“, forderte Bertolt Brecht in den 1920er-Jahren in Hinblick auf die Verzauberung des Theaterpublikums. „Glotzt nicht so romantisch!“, so kann man auch gegenwärtig in Darmstadt sagen, wenn sehnsüchtige Sammleraugen ihre Blicke über die Fernseher-Exponate zwischen 1955 (Braun-Modulfernseher) und 2016 (Bang und Olufsen-Flachbildschirmgerät) schweifen lassen. Jüngstes Exponat ist die im September erschienene Briefmarke zum 50-jährigen Jubiläum der Erstausstrahlung der Fernsehserie Raumschiff Orion. Denn was in Darmstadt gezeigt wird, sind all die Fernseher, die zumindest die über Vierzigjährigen, die sich für Design interessierten, haben wollten, Geräte von der HfG Ulm bis zum Ende der Röhre und deren Ersatz durch den Flachbildbildschirm. Hans Gugelot, Herbert Hirche, Dieter Rams und Hartmut Esslinger, Marco Zanuso, Richard Sapper und Philippe Starck, sie und viele andere sind mit Geräten vertreten, zu denen so gar nicht der Begriff vom Pantoffelkino passen mag: kühle Kunststofffronten, mobile Kleingeräte, erratische schwarze Blöcke, schließlich auch Elektronik in Kork- und Recyclingverpackung, das zeigt diese Ausstellung inmitten von Modisch-Extravagantem und unspektakulär Nützlichem.




Die Schau ist das letzte Projekt, das der langjährige Geschäftsführer des INTEF, Michael Schneider, noch bis zu seinem Tod maßgeblich konzipiert hat. Und dieses Vermächtnis zeigt noch einmal, wie Schneider dachte: Denn auch wenn es um Fernseher geht, ist doch viel mehr zu sehen, nicht zuletzt die Designgeschichte bis zum immer häufigeren Verschwinden der Dinge durch die Mikroprozessualisierung, die Designgeschichte, am Fernseher als Pars pro Toto erläutert. Freunde von Schneider, die ihm seit Jahrzehnten verbunden sind, haben nun diese Schau in seinem Sinn realisiert: Schneiders Lebensgefährtin Sibylle Maxheimer, die Architektin Ute Schauer, der Grafiker Christof Gassner, der für den doppeldeutigen, zwischen Verb und Substantiv changierenden Titel einprägsame Bilder gefunden hat, schließlich der Aufbauer, Rechercheur und Organisator Klaus Crößmann, ohne den das INTEF schon lange nicht mehr funktionsfähig wäre. Ach ja, und einen dichten kompakten Katalog gibt es auch noch.

 

 

Jörg Stürzebecher

 

 

 

GLOTZEN

Produktgestaltung Fernseher

Vom Verschwinden der dritten Dimension

 

Institut für Neue Technische Form – INTEF

Friedensplatz 4

Darmstadt

Eröffnung am 25. September, 12 Uhr

27. September – 18. Dezember 2016, Di – Fr: 10.30 – 18 Uhr

Zur Ausstellung erscheint ein von Christof Gassner gestalteter Katalog.


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