Gris von Alberto Vasquez.
Sustainability Award, Students

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Sein Bachelor- und Masterstudium absolvierte Alberto Vasquez an der Moholy-Nagy University of Art and Design in Budapest im Bereich Industrie- und Produktdesign und schloss es 2014 ab. Währenddessen sammelte er in verschiedenen Praktika bei Co&Co Designcommunication, Innomed Medical und beim Central Hungarian Innovation Centre Budaörs Erfahrungen und gründete 2013 sein eigenes Designstudio Igendesign.

 

Wir haben ihm drei Fragen zu seinem Wasserrecyclingsystem Gris gestellt, das mit dem Sustainability Award in der Kategorie Students ausgezeichnet wurde.




1. Für welches Problem bietet Dein Projekt eine Lösung und wie funktioniert sie?

 

2015 stand Südamerika der größten Wasserkrise seiner Geschichte gegenüber. Die Hauptgründe dafür sind der Klimawandel, Abholzung und explosives Städtewachstum. In São Paulo gibt es Häuser, die zwölf Stunden am Tag kein Wasser haben. Wenn die Dürreperiode im April beginnt, müssen die Einwohner teilweise an vier bis fünf Tagen pro Woche ohne Wasser leben. Wasserverbrauch ist also keine Frage des Umweltbewusstseins mehr, sondern potentieller Auslöser von ernsthaften sozialen Konflikten.

Heutige Wasserrecycling-Systeme für Haushalte sind teuer und kompliziert – und damit definitiv nicht für Menschen in Entwicklungsländern gemacht. Gris kann den häuslichen Wasserverbrauch stark reduzieren und außerdem in die Häuser von Millionen von Menschen integriert werden: eine realistische und durchführbare Lösung, die so bezahlbar und einfach ist, wie ein Eimer.

Es besteht aus einem Raster von Auffangbehältern, die unter die Dusche auf den Boden des Badezimmers gelegt werden, während jemand duscht. Das gesammelte Wasser kann danach für weitere Zwecke im Bad oder an anderen Stellen verwendet werden, wie beim Spülen der Toilette, zum Bewässern von Pflanzen, zum Autowaschen, Bodenputzen und so weiter.

 

 

2. Wie ging der Designprozess vonstatten, welche Schritte mussten gegangen werden, was waren die Herausforderungen?

 

Vor zwei Jahren bin ich mit meiner Frau nach Kolumbien gezogen um bei meinen Eltern zu sein und habe ein Jahr in einem kleinen Dorf in den Anden verbracht, wo sie leben.

In dieser Zeit konnte ich aus erster Hand erfahren, wie in Südamerika die Dürreperiode im Verlauf des letzten Jahrzehnts immer länger und trockener geworden ist und wie das zu ernsthaften sozialen Konflikten geführt hat. In vielen kleineren Städten oder Dörfern, ähnlich dem, in dem wir gewohnt haben, wird das Wassersystem aus lokalen Reservoirs gespeist. Wenn es nur wenig regnet, sind die Wasserressourcen stark verringert.

In unserem Dorf ist es mehrmals vorgekommen, dass Bauern, die näher am Reservoir gelebt haben, den Wasserzufluss umgeleitet haben, um ihre Tiere zu tränken – was unfair der Gemeinde gegenüber ist; jedoch würde auch der Bauer verhungern, wenn seine Tiere sterben. Ich habe gesehen, wie solche Situationen Konflikte hervorgerufen haben, die ganze Gemeinden gefährden; wie Wasserknappheit Familien und Nachbarschaften ruinieren hat.

 

 

meet GRIS: a water saving system for the real world from IgenDesign on Vimeo.

 

 

3. Was sind Deine Kriterien für „gutes“ Design und welche Rolle wird Design in Deinen Augen in Zukunft spielen?

 

Ich denke, dass das Problem vieler Produkte unserer Zeit ist (besonders, wenn sie dem Nutzer eine neue Verhaltensweise abverlangen), dass die meisten von ihnen optimal gestaltet sind und nicht entlang realer Bedürfnisse. Am Beispiel von Gris: Man kann nicht Millionen Menschen davon überzeugen, eine teure und schwierig zu installierende Lösung zu übernehmen. Sie werden nur etwas anwenden, wenn es ihre alltägliche Routine nicht verändert und so einfach einzubauen ist, wie etwas, das sie bereits kennen – egal wie „High End“ die Lösung ist. Deshalb denke ich, dass sich Design in Zukunft mehr Zeit nehmen wird und Objekte hervorbringt, die intuitiver sind und eine tiefere Verbindung zu unseren Gewohnheiten aufweisen, selbst in der Technologiebranche.



















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