Inspirationsmythen

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Melanie Kurz

Inspirationsmythen

Zur Ideengeschichte des menschlichen Schöpfungsvermögens

Deutsch

Wilhelm Fink Verlag, Paderborn

257 Seiten, € 29,90

ISBN 978-3-7705-5760-8




Ein Trend geht um: Designer verstehen und inszenieren sich selbst als Stars,

der Künstlertypus wird zum neuen Leitbild. Luigi Colani, Philippe Starck, Karim Rashid oder selbst Jungdesigner wie Sebastian Herkner huldigen diesem Kult, was wohl gut fürs Geschäft zu sein scheint.

Aber was steckt dahinter? Melanie Kurz untersucht Schöpfungsakte, die seit der Antike beschrieben werden. Ihre akribische Ideengeschichte reicht von Platon über Alberti, Vasari (disegno interno, disegno externo), Albrecht Dürer bis hin zu Immanuel Kants Kritik am Geniewahn, der selbst für den rationalen Wissenschaftler plädiert. Warum die Autorin in ihrer Entwicklungsgeschichte von Kant zum Dritten Reich springt, erschließt sich leider nicht. Gab es in den 150 Jahren dazwischen nichts Relevantes mehr? Erst nach dem Zweiten Weltkrieg rücken die Inspirationsvorstellungen wieder in den Vordergrund: Jan Mukařovský, Roland Barthes, Michel Foucault und andere mehr sind bedeutsame Repräsentanten dieser Thematik.

Im Design beförderte die Postmoderne das Autorendesign, wobei sich die Entwerfer als „Künstler nach romantischem Vorbild“ verstehen, die Selbstbeauftragung rangiert vor gesellschaftlicher Notwendigkeit. Dieser paradigmatische Wandel prägt das gegenwärtige Design in nicht unerheblichem Maße. Entwurfsprozesse werden mystifiziert, die Generation der „Maker“ stilisiert sich selbst, medial erfolgreich, ökonomisch wohl kaum. Dies alles untersucht Melanie Kurz profund, das Buch ist so gesehen ein veritabler Beitrag zur Designtheorie.


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Nº 273
Designing Protest

form Design Magazine


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Dossier
Media
Jahr
2015
Disziplin
Produktdesign
Ausgabe
form Nº 259 (hidden)
Links
colani.de
starck.com
karimrashid.com
kurz.design.fh-aachen.de
sebastianherkner.com

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Text: Bernhard E. Bürdek