Interview mit Christopher Scott:
Ecuador Poster Bienal

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Ecuador „sollte eines der führenden Länder der Welt sein, wenn es um Design geht, [denn es] markiert die Mitte der Welt und damit das Zentrum, in dem alle Inspiration, Wissen und Kreativität zusammenkommen sollten“, heißt es auf der Webseite der Ecuador Poster Bienal. Christopher Scott, Grafikdesigner und Professor an der Universidad Tecnológica Equinoccial in Quito, hat die Plakatbiennale mit ihrem Wettbewerb (↗ form 265, S. 35) 2015 ins Leben gerufen, um die ecuadorianische Gestaltungsszene zu fördern und deren Bedeutung international zu etablieren. Die nominierten Plakate werden am 31. Juli 2016 bekannt gegeben und sind ab dem 25. September in einer Ausstellung in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, zu sehen. Wir haben Christopher Scott einige Fragen zur Idee und Entstehung der neuen und international ausgerichteten Designbiennale gestellt.




Warum hast Du die Ecuador Poster Bienal ins Leben gerufen?

 

Ich bin 2012 nach Ecuador gezogen und habe gewusst, dass es einige gute Jungdesigner gibt, wie David Jimenez, Christian Lasso, Javier Perez, Mario Fuentes und andere. Auf dieser Grundlage habe ich erkannt, dass Ecuador das Potenzial besitzt ein „Plakatland“, wie Mexiko und Polen, zu werden. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Plakaten wurde mir klar, dass ich etwas Besonderes mit der Verbindung von Plakaten und Ecuador schaffen könnte. Als ich vor zwei Jahren mit meinem guten Freund und Kollegen Santiago Gómez sprach, begannen wir über die Gründung eines großen Plakatprojektes zu diskutieren. Viele Ideen fanden dabei Erwähnung, aber es gab zwei, die uns besonders begeisterten. Die erste Idee war die Ecuador Poster Bienal; die zweite bleibt ein Geheimnis, das erst in der Zukunft gelüftet wird. Seit Anfang letzten Jahres planen wir nun die Realisierung der Ecuador Poster Bienal.

In Ecuador ist das Design nicht so wichtig, wie es sein sollte, und immer, wenn man eine Veranstaltung wie diese macht, schärft es das Bewusstsein der Menschen für die Bedeutung von Design und visueller Kommunikation. Auch ermöglicht sie ecuadorianischen Designern mit den besten visuellen Gestaltern aus der ganzen Welt zusammenzukommen.

 

 

Welches Ziel verfolgst Du?

 

Das Ziel ist es, dass die Ecuador Poster Bienal eine lange Geschichte haben und als eine der größten und wichtigsten Designveranstaltungen der Welt angesehen wird. Bisher haben wir viele Dinge erreicht, aber um ehrlich zu sein, war es nicht einfach, zum ersten Mal ein solches Projekt auf die Beine zu stellen. Allerdings habe ich das Glück, einige der besten Designer der Welt zu kennen, die gute Freunde sind und deren Ratschläge und Unterstützung sehr wichtig für das Projekt gewesen sind, das nun Realität wird. Aktuell haben wir eine internationale Jury, die aus renommierten Designern, wie Jessica Walsh, Andrew Lewis, Luba Lukova, Lex Drewinski und anderen, besteht. Im Moment ist eine Galerie und ein Auditorium bestätigt ebenso wie einige Konferenzen und Workshops zugesichert sind. Dennoch halten wir alles bisher geheim. In den kommenden Monaten wird es noch einige Überraschungen geben, und wir können es kaum erwarten, die großartigen Nachrichten mit den Leuten zu teilen.

 

 

Welche Wettbewerbseinreichungen haben Dich am meisten beeindruckt?

 

Es hat zwei wunderbare Einreichungen gegeben, sodass ich mich nicht schäme zuzugeben, dass sie mich zu Tränen gerührt haben. Vor kurzem erreichte uns per Post ein original signiertes Bob Dylan-Plakat von Milton Glaser, ebenso wie ein original signierter Druck des ikonischen Plakats „Viva Che“ von Jim FitzPatrick. Mir persönlich fehlen die Worte um auszudrücken, wie es sich anfühlt, dass diese beiden ikonischen Designer an die Ecuador Poster Bienal glauben. Alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass ich wirklich voller Demut und Dankbarkeit für Milton, Jim, die Jury, unser Team und alle Einreichungen bin, die uns erreicht haben. Die Unterstützung der Designcommunity für dieses Projekt war einfach überwältigend. 




Gibt es einen Unterschied zwischen der Plakatgestaltung in Ecuador und anderen Ländern? Woran liegt das?

 

Es gibt einen großen Unterschied, der auf viele Gründe, wie Kultur, Politik, Gesellschaft, das Lebensgefühl und viele andere, zurückzuführen ist. Europäische Plakate neigen dazu, eher einfacher und weniger ausdrucksstark zu sein. Lateinamerikaner und Ecuadorianer sind in allem, was sie tun, viel leidenschaftlicher, was sich in den Plakaten und dem Design im Allgemeinen widerspiegelt. Mir persönlich gefallen beide Stile und es ist sehr interessant, beide Seiten zu beobachten, wie sie sich entwickeln und in die Zukunft voranschreiten. Eine Sache, die mir wichtig ist, ist, dass Designer niemals versuchen sollten, etwas zu sein, was sie nicht sind. Oder wie Stefan Sagmeister sagt: „Ein Designer in Ecuador sollte versuchen, sich so ecuadorianisch wie möglich zu fühlen, weil seine Arbeit erst dann auf der Welt bedeutsam wird“.

 

 

Woran arbeitest Du gerade?

 

Derzeit bin ich Professor für Grafikdesign an der Universidad Tecnológica Equinoccial in Quito, Ecuador. Meine Zeit splittet sich gegenwärtig auf in das Unterrichten an der Universität und das Arbeiten für die Ecudaor Poster Bienal. Ich glaube, dass das Unterrichten in Quito eine wundervolle Erfahrung für mich ist, weil die jungen Designer sich bei mir weiterentwickeln, die in späteren Jahren ihr Land repräsentieren werden. 
















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Dossier
Ausstellungen, Typografie
Jahr
2016
Disziplin
Grafikdesign, Kommunikationsdesign
Ausgabe
form 265
Links
christopherscottdesigner.com
ecuadorposterbienal.com

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Text: Marie-Kathrin Zettl