Interview mit Kevin Hughes:
Die Schönheit im Gewöhnlichen

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Die Brosche diente anfänglich dem Schließen von Gewändern und Kleidern. Nach der Erfindung des Knopfes verlor sie diese Funktion und wurde reine Zierde, ohne jedoch die zentrale Eigenschaft von Schmuck als Bedeutungsträger und Distinktionsmittel einzubüßen. Frei von der Einschränkung, um den Hals, am Finger oder am Handgelenk getragen werden zu müssen, bietet die Brosche zeitgenössischen Schmuckkünstlern und -designern die Möglichkeit, auf kleinstem Raum grundlegende Gestaltungsdimensionen wie Form, Farbe, Material und Komposition zu verhandeln. Fernab vom Massenmarkt entstehen dabei Objekte an der Schnittstelle von Kunst, Design und Handwerk, die auch ohne klassische Edelmetalle auskommen.

 

Der US-amerikanische Schmuckkünstler Kevin Hughes bedient sich in seiner Arbeit sowohl Naturmaterialien als auch Fundstücken aus Kunststoff, die er zu kontrastreichen Ensembles verarbeitet. Wir haben mit ihm über seine Arbeitsweise und Ansichten zu Schmuck gesprochen.




Die formale Gestaltung Deiner Stücke ist weitestgehend abstrakt, jedoch nicht ohne Referenzen zur konkreten Lebenswelt. Wie wählst du die Materialien für deine Arbeiten aus, wo findest du die Fundstücke?

 

In der Schmuckwelt gibt es den Trend, mit verschiedenen Materialien und damit auch den Erwartungen an Schmuck zu spielen. Mich ziehen allerdings immer einfache, solide Materialien an, wie Messing und Holz. Tatsächlich beruhte meine letzte Einzelausstellung nur auf diesen elementaren Materialien. Was die Fundstücke betrifft, verbringe ich viel Zeit damit, Flohmärkte und Antiquitätenläden nach altem Spielzeug oder Plastikteilen zu durchforsten. Manchmal finde ich auch etwas am Straßenrand. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Künstler –oder sogar die meisten Menschen – Sammler sind. Ich bin ein exzessiver Sammler und habe Kisten voll mit diesen Plastikteilen. Oft erinnern sie mich an Spielzeug aus meiner Kindheit, wie altes Plastikwerkzeug oder billige Objekte, die ich in einer Spielhalle gewonnen habe. Mir gefällt die Idee dieser künstlichen, menschengemachten Materialien mit ihren kräftigen, hellen Farben im Kontrast zu Materialien wie Holz und Metall.




Was möchtest Du mit Deiner Arbeit ausdrücken, besonders im Bezug auf die Funktion, die Schmuck in Deinen Augen hat?

 

Viele meiner Arbeiten beruhen auf einer Ästhetik oder einem Konzept, die mich interessieren. Deswegen ändert sich das, was ich versuche auszudrücken, von Serie zu Serie. Oft versuche ich dem Betrachter zu helfen, meine Ideen durch den Schmuck zu verstehen und zu würdigen. Mit den Broschen „Inlay“ und „Cross Half-Lap“, zum Beispiel, wollte ich alte, traditionelle Holzverarbeitungs- und Handwerkstechniken ergründen. Diese Techniken und Fähigkeiten werden meiner Meinung nach oft übersehen und zu wenig geschätzt. Fundstücke verwende ich, weil sie mich faszinieren. Indem ich sie in ein Stück einarbeite, hoffe ich, die Schönheit von Kunststoff hervorzuheben, genauso wie die von Metall und Holz. Schmuck kann, so wie die Bildhauerei, geschätzt werden, aber Teil der Funktionalität von Schmuck ist immer ein gewisser Grad an Intimität. Der Träger kann mit dem Stück umgehen, seine Details, seine Textur und sein Gewicht wahrnehmen. Durch das Tragen des Schmucks ändert sich sein Kontext, je nach dem, wer ihn trägt, wie derjenige gekleidet ist und wo er sich befindet. Welche Bedeutung hat es, ob ein achtzigjähriger Mann oder eine zwanzigjährige Frau den Schmuck trägt? Was heißt es, wenn das Stück in der Kirche oder aber in einer Galerie getragen wird?

 

 

Falls das für Dich überhaupt von Bedeutung ist: Wer soll Deinen Schmuck tragen?

 

Jeder! Ich mache Schmuck nicht mit einem bestimmten Träger vor Augen. Es ist interessant zu sehen, wie sich das Stück durch den Träger verändert.




Was macht die Form der Brosche besonders attraktiv, im Vergleich zur Kette beispielsweise?

 

Die Brosche ist eine großartige Form, weil sie viel Raum für Experimente bietet. Außerdem kann der Träger mit ihrer Position spielen. Bei einer Kette muss man den Hals bedenken und wo am Träger sie liegen soll. Auch gibt es bei der Brosche keine Einschränkungen hinsichtlich der Größe, wie bei Ringen und Armreifen. Sie steht mehr Trägern offen, unabhängig von Geschlecht und Alter.

 

 

Wo positionierst Du Dich zwischen Handwerk, Design und Kunst?

 

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Wenn Du mich das vor zehn Jahren gefragt hättest, hätte ich sofort Kunst gesagt! Aber die Tradition und das Erbe des Schmuckhandwerks und der Schmiedekunst sind ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Also würde ich mich am ehesten zwischen Handwerk und Kunst positionieren, weniger im Design.

 

 

↗ Patrícia Correia Domingues, ↗ Felix Lindner













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Dossier
Schmuck
Jahr
2016
Disziplin
Schmuckdesign
Ausgabe
form 266
Links
kevinhughesdesigns.com

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Text: Franziska Porsch