Interview mit Stefan Guzy

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Stefan Guzy und Björn Wiede entwerfen Plakate und beschäftigen sich mit analogen Druckprozessen. In ihrer Handsiebdruckerei Kreuzberg, in deren Hof schon vor 100 Jahren gedruckt wurde, bemühen sie sich die Kreuzberger Drucktradition fortzuführen und bedrucken „alles was flach ist außer T-Shirts“. In ihrem Labor experimentieren sie mit ungewöhnlichen Materialien wie Blut, Knochen, Tabak und Wodka und stellen auf deren Basis spezielle Farben her. Dabei geht es ihnen „nicht ums Abarbeiten, es geht ums Entwickeln toller Produkte und Projekte und nicht darum, wie ich möglichst schnell möglichst viel über den Tisch laufen lassen kann“. Wir haben mit Stefan über ihre Arbeit in der Handsiebdruckerei gesprochen. Mehr zum Thema analoge Arbeitsweisen im Grafikdesign finden Sie im Artikel „Des Digitalen müde“ in form 260.




Woher kennt Ihr Euch?

 

Björn und ich haben beide an der Universität der Künste Berlin visuelle Kommunikation studiert und sind uns dort hier und da (und auch in der spärlich besuchten Siebdruckwerkstatt) über den Weg gelaufen. 2005 ist er dann bei Zwölf als Mitarbeiter eingestiegen. Das Studio, das ich Ende 2000 mit ein paar Freunden gegründet hatte, war seinerzeit noch sehr interdisziplinär ausgelegt (Print, Video, Raum und Web). Erst mit Björn, der 2010 Studiopartner wurde, haben wir uns vorrangig auf Buch, Schrift und Plakat konzentriert und machen jetzt eigentlich nur noch Plakate.

 

 

Wie kam es zur Gründung Eurer Handsiebdruckerei?

 

2010 lief der Mietvertrag für unsere Fabriketage in Berlin-Mitte – ja, das gab es wirklich – aus und die Einheit wurde (auch das nicht überraschend) in Wohnraum umgewandelt. Da fast gleichzeitig noch ein großer Atelierraum am Stadtrand, wo wir freiere Sachen machten, einem Parkplatz weichen musste, haben wir uns nach Räumen umgeschaut, in denen sich beides verbinden ließ. Unsere Plakate konnten wir auch nicht mehr „ausnahmsweise“ in der Uni drucken, schließlich lag unser Diplom schon etwas zurück, also haben wir kurzerhand selbst eine kleine Werkstatt eingerichtet. In recht kurzer Zeit haben wir dann aus der ganzen Republik gebrauchte Sachen zusammengekratzt, ein paar Dinge neu gekauft und unsere neue Fabriketage dementsprechend eingerichtet. 2014 haben wir den Druckbereich dann noch einmal stärker in der Fläche vergrößert.

Über die letzten Jahre haben wir festgestellt, dass Grafikdesign trotz vielen goldenen Blumentöpfen einfach keine gute Branche ist – zu viel Wettbewerb, zu geringe Honorare, zu viel Frust. Jetzt holt das Drucken die Miete rein. Das Gestalten von Plakaten stand aber nie zur Disposition, so dass wir jetzt zweigleisig fahren: Plakate gestalten (und drucken) und für andere Gestalter drucken.

 

 

Was macht für Euch den Reiz des Siebdrucks aus?

 

Für Björn und mich war es gleichermaßen wichtig, Plakatentwürfe, die anfangs fast ausschließlich für Bands und Ausstellungen entstanden, selbst zu drucken. Zum einen konnten wir dann endlich in entsprechender Größe arbeiten und zum anderen fühlte sich dann der Gestaltungsprozess geschlossen an. Dazu kam unser beiderseits vorhandenes Interesse, nicht nur den ganzen Tag am Rechner zu sitzen.

Grundsätzlich kommen wir aber beide vom Plakat. Jeder ernsthafte Plakatgestalter muss einfach Siebdruck als Drucktechnik lieben: die Farben leuchten deckend oder könnten lasierend spannende Überdruckungseffekte liefern. Dazu kommt die hohe Lichtechtheit.

 

 

 

Everything but T-Shirts from Kings&Kongs on Vimeo.

 

 

Welche Maschinen kommen bei Euch zum Einsatz?

 

Wir haben einen Vakuumdrucktisch mit Handlage, mit dem wir etwas größer als A0 drucken können. Dazu eine Reihe von Sieben, einen Kopierrahmen für die Schablonenerstellung, eine Auswaschkabine, einige Trockengestelle und eine Palette an Rakeln und Beschichtungsrinnen. Außerdem führen wir ein kleines Lager an Pigmenten und Papieren.

 

 

Ihr experimentiert mit verschiedenen Materialien und stellt selbst Spezialfarben her. Was für Farben entwickelt Ihr?

 

Wir sind immer am konstanten Experimentieren. Einige Eigenentwicklungen haben wir noch unter Verschluss und warten auf geeignete Projekte. In letzter Zeit rühren wir viele Farben mit modernen und historischen Pigmenten selbst an. Einige Farben findet man auf unserer Webseite.

 

 

Woran arbeitet Ihr gerade?

 

Wir haben gerade eine 30-farbige Edition unseres diesjährigen Kieler-Woche-Plakatmotives abgeschlossen – alles in allem fast sechs Wochen Druckzeit. Das machen wir erst einmal nicht so schnell wieder.

 

 

Was ist Eurer Meinung nach ein „gutes“ Druckprodukt?

 

Wir haben das Glück, fast ausschließlich schön gestaltete oder in sonst einer Weise spannende Produkte zu drucken. Und da wir meist auch gutes Material verwenden, ist das Optimum gar nicht so selten: schöner Entwurf, schöne Farben und schönes Papier.

 

 

Welches Projekt hat Euch bisher am meisten gefordert?

 

Die CD-Verpackung „Half Skill“ für Ruin.



















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Dossier
Druckprozesse
Jahr
2015
Disziplin
Grafikdesign
Ausgabe
form 260
Links
handsiebdruckerei.de
zwoelf.net

Text: Marie-Kathrin Zettl