Israelisches Design.
Shira Keret

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In form 259 beschäftigen wir uns mit dem Design in einem Land, das in den Medien hauptsächlich wegen seiner politischen Konflikte präsent ist: Israel. Gleichwohl hat es eine lebendige und vielfältige Designszene zu bieten, deren Akteure wir uns genauer angeschaut haben. Mehr Portraits israelischer Designer und Studios zeigen wir sowohl in form 259 als auch in form Dossiers.


 

Shira Keret gründete ihr Designstudio vergangenes Jahr in Tel Aviv und widmet sich mit ihrer Arbeit sowohl der Produkt- als auch der Raumgestaltung. Dabei liegt ihr Fokus auf dem Experimentieren mit verschiedenen Materialien und Techniken. Sie ist zudem Mitglied bei Four’n’Five, einem Kollektiv bestehend aus neun jungen israelischen Designern.




 

Studio: Laniado Keret Studio

Webseite: shirakeret.com

Gründungsjahr: 2014

Mitarbeiter: 1–2

Arbeitsbereiche: Haushaltswaren, Beleuchtung, Möbel, Konzeptentwicklung

Kunden: Kleinserien und Konzeptentwicklung für Kunden wie Jaffa Port, U-Bank, Tel Aviv Museum of Art, Intel, Ran Wolf Urban Planning Company

 

 

Was ist Deiner Meinung nach besonders an Design in Israel?

 

Kurz gesagt: Schwierigkeiten bringen auch immer neue Möglichkeiten mit sich. Das Fehlen von Herstellern und einer Kleinindustrie hat in Israel viele Designer dazu ermutigt, sich der Maker-Bewegung anzuschließen. Denn wenn man selbst der Produzent ist, unterliegt die eigene Kreativität auch weniger äußeren Beschränkungen. Wenn man zum Kern des Making-Prozesses vordringen kann, ist es sogar denkbar, dass einem das Glück zu Teil wird, auf neue Innovationsmöglichkeiten zu stoßen.

 

 

Wie würdest Du Deine Arbeit beziehungsweise Deinen Stil beschreiben?

 

Ich finde es schwierig, den eigenen Stil zu beschreiben, aber man könnte sagen, dass ich besonders von Formen, Details, Farben, Materialien, Handwerksmethoden und modernen Technologien fasziniert bin. Ich glaube, dass vor allem der Versuch, Materialien und Strukturen für einen bestimmten Zweck zu manipulieren, meine Arbeit gut wiedergibt.

 

 

Du hast eine Weile in Italien gelebt. Welche neuen Erkenntnisse oder Perspektiven hat dir Dein Auslandsaufenthalt eröffnet?

 

Ich habe ein Austauschsemester am Politecnico di Milano verbracht, was mir vor allem das Kennenlernen neuer und ganz unterschiedlicher Designmethoden ermöglicht hat. Im Industrial Design Department an der Bezalel Academy of Arts and Design sind die meisten stark durch eine modernistische Perspektive beeinflusst, die sich in der ganzen israelischen Designlandschaft wiederfindet. So war es wunderbar, eine neue Kultur und andere Handwerkstechniken kennenzulernen und herauszufinden, wie beispielsweise die Slow Food-Bewegung in vielen Aspekten des Lebens auftaucht. 




Was steckt hinter der Four’n’Five Designgruppe und warum bist Du ihr beigetreten?

 

Direkt nach meinem Abschluss im Jahr 2010 habe ich zusammen mit Itay Laniado und sieben anderen aus meiner Abschlussklasse die Four’n’Five Designgruppe gegründet. Es begann als Designkollektiv. Wir haben auf gemeinsamem Raum zusammengearbeitet und Events und Ausstellungen organisiert. Vereint haben uns vor allem gemeinsame Wert im Design – die Ansätze und Methoden waren aber so vielfältig wie das Team selbst. Mittlerweile hat jeder seinen eigenen Weg eingeschlagen, obwohl wir immer noch ab und zu zusammenarbeiten.

 

 

Wo findest Du die Inspiration für Deine Arbeit?

 

Alles Mögliche kann als Inspiration dienen: ob es ein Spielzeug aus dem 1-Dollar-Laden, ein Gespräch, ein Buch, ein Film oder eine Landschaft ist. Wenn es zur richtigen Zeit und mit der richtigen Einstellung geschieht, kann es zur Inspiration werden. Jeder Designprozess ist anders, aber für mich beginnt es meistens mit einem Bild oder einer Idee, die sich in meiner Fantasie bildet, dann zeichne ich sie und bringe sie so in die reale Welt. Oftmals habe ich das Gefühl, dass der Designprozess der Versuch ist, eine Idee bei der Überführung von der Fantasie in die Wirklichkeit so wenig wie möglich zu kompromittieren. Auf der anderen Seite gibt es auch das Bedürfnis, mit einem bestimmten Material oder einer bestimmten Technologie zu arbeiten, was dann zu einer anderen Art von Prozess führt. Man könnte sagen, dass diese zwei Prozessvarianten letztendlich im finalen Objekt zusammengeführt werden.

 

 

Wie verbindest Du die gegensätzlichen Aspekte von Kunst und Design, Ästhetik und Funktionalität in Deinen Entwürfen?

 

Konzeptionell habe ich nicht das Gefühl, dass es einen großen Unterschied zwischen Kunst und Design gibt. Ich definiere mich selbst als Industriedesignerin und versuche immer alle meine Entwürfe zu behandeln, als ob sie industriell produziert würden. Auch wenn ein Produkt nur ein einziges Mal hergestellt wird, hat es trotzdem das Potential seriell produziert zu werden. Meiner Meinung gehört ein Produkt nur in den Bereich der Kunst, wenn es unmöglich ist, dieses Produkt mehr als einmal herzustellen. Allerdings ist es natürlich viel komplexer ein Objekt zu entwerfen, das für die Massenproduktion gedacht ist, denn hier müssen Aspekte wie Budget, Benutzerfreundlichkeit, Beständigkeit etc. miteinbezogen werden. Ganz allgemein ist es wichtig nicht zu vergessen, dass am Ende des Prozesses ein Kunde steht, der das entworfene Produkt mögen muss, dazu bereit sein muss dafür zu bezahlen und dann auch damit zufrieden sein soll.


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Dossier
Israel
Jahr
2015
Disziplin
Produktdesign
Ausgabe
form Nº 259 (hidden)
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shirakeret.com
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Text: Jessica Sicking, Susanne Heinlein