Israelisches Design.
Minimaliti

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In form 259 beschäftigen wir uns mit dem Design in einem Land, das in den Medien hauptsächlich wegen seiner politischen Konflikte präsent ist: Israel. Gleichwohl hat es eine lebendige und vielfältige Designszene zu bieten, deren Akteure wir uns genauer angeschaut haben. Mehr Portraits israelischer Designer und Studios zeigen wir sowohl in form 259 als auch in form Dossiers.


 

Die Entwürfe von Lena Tirosh zeichnen sich durch Einfachheit und eine Wechselbeziehung der verschiedenen Formen aus, die sie in ihrem Schmuck verwendet. Der Einsatz von Gummi ermöglicht zudem einen besonders einzigartigen Stil. Ihr Schmuckdesign- und Kunstgeschichtestudium in Tel Aviv und London haben es ihr zudem ermöglicht, interessante Beobachtungen aus dem privaten und geschäftlichen und kulturellen Kontext zu integrieren.




Studio: Minimaliti

Webseite: minimaliti.com

Gründungsjahr: 2010

Mitarbeiter: 1

Arbeitsbereich: Schmuckdesign

Clients: Private Kunden und führende Designshops wie Rina Zin, Tema, Myki, Gusta, Kav etc.

 

 

Was ist Deiner Meinung nach besonders an Design in Israel?

 

Wir haben eine sehr lebhafte Designszene hier in Israel. Viele talentierte Leute machen jedes Jahr ihren Abschluss an unseren lokalen Designschulen. Israel ist ein kleines Land, in dem man sich als Designer schnell kennt und sich der kreativen Arbeit, die hier stattfindet, sehr bewusst ist. Deshalb arbeiten viele der Designer zusammen, intensivieren ihre professionellen Erfahrungen und tragen zu einem regen Ideenaustausch bei. Da Israel ein kultureller Schmelztiegel ist, entstehen interessante Resultate, wann immer Designer ihren einzigartigen Hintergrund und ihre Tradition in ihre Arbeit einfließen lassen.

 

 

Wie würdest Du Deine Arbeiten beziehungsweise Deinen Stil beschreiben?

 

Ich glaube „weicher Minimalismus“ beschreibt meinen Ansatz sehr gut. Auf der einen Seite sind meine Arbeiten geometrisch, strukturiert und monochrom, auf der anderen Seite vermitteln sie aber kein raues oder steriles Gefühl. In meinem Designprozess bin ich ständig auf der Suche nach der richtigen Form und verwende einen Umriss mehrere Male in einem einzigen Schmuckstück. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Verwendung von einfarbigem Material eine spezielle Aufmerksamkeit bei der Wahl von Form und Proportion eines Schmuckstücks erfordert. Manchmal kombiniere ich Metall mit Gummi, um den Kontrast in meinen Entwürfen zu erhöhen. Auf eine gewisse Art und Weise bringt das Farbe ins Spiel.

 

Welche Rolle spielen Deiner Meinung nach kulturelle Einflüsse im Bereich des Schmuckdesigns?

 

Es ist weit bekannt, dass der kulturelle Kontext eine große Rolle in der Arbeit von Designern und Künstlern spielt. Im Zeitalter von Information und Technologie ist es interessant herauszufinden, wie wir mit Wissen und Bildern umgehen, die nicht Teil unserer eigenen Kultur sind. Lokal wird mit global vermischt und Designmethoden können in den unterschiedlichsten Teilen der Welt gefunden werden, unabhängig vom kulturellen Kontext eines Designers. Der kulturelle Hintergrund und die Reaktion eines Künstlers darauf spielen aber weiterhin eine wichtige Rolle im Designprozess.

 

 

Auf welche Traditionen beziehst Du Dich bei Deinen Entwürfen?

 

Ich bin besonders an abstrakten Formen interessiert und es gibt viele großartige Künstler, bei denen die Entstehung von Formen einen Schwerpunkt ihrer Arbeit ausmacht. Ein Beispiel, das mich besonders interessiert, ist die Idee zur Entwicklung von Formen von Richard Serra, der einen besonderen Ansatz bezüglich rauer Materialien und Formen verfolgt. Kürzlich war ich sehr beeindruckt von den Installation der finnischen Bildhauerin Kaarina Kaikkonen, die Kleidung verwendet, um große emotionale Skulpturen und Installationen zu bauen. Wenn es um Schmuckdesigner geht, mag ich besonders die wundervollen Arbeiten von Marina Stanimirovic, Hermann Jünger oder Myung Urso, um nur einige wenige zu nennen. Ich interessiere mich außerdem besonders für die japanische Kunst und Ästhetik und versuche diese immer wieder in meine eigene Arbeit einfließen zu lassen.




Wo findest Du die Inspiration für Deine Arbeit?

 

Ich denke, dass Mode eine der wichtigsten Quellen für das Entwickeln neuer Ideen ist. Yohji YamamotoComme des GarçonsAnn DemeulemeesterRick OwensDries van NotenBoris Bidjan Saberi und viele weitere Modedesigner wecken mein Interesse immer wieder. Die moderne Architektur ist ebenfalls eine inspirierende Quelle für meine Arbeit. Manchmal werde ich auch vom Aufbau meines Arbeitstischs, von den Materialien die gestern unberührt geblieben sind, inspiriert und in eine neue Denkrichtung gesteuert.

 

 

Bei Deinem Schmuck verwendest Du viel Gummi. Woher kommt Deine Faszination für dieses Material?

 

Ich mag Gummi. Es ist ein flexibles Material, das leicht zu handhaben ist. Es ist einfarbig und hat eine tolle Anmutung. Gummi ist außerdem ein überraschendes und relativ ungewöhnliches Material in der Welt des Schmuckdesigns. Ich mag außerdem Papierkunst, manchmal erinnert mich die Arbeit mit Gummi an die Arbeit mit Papier: Ich schneide Stücke aus dem Gummi, die wie ein Stück Papier aussehen oder wie ein Fleck Tinte, der sich auf Papier ausbreitet. Ich arbeite mit diversen industriellen Gummisorten. Für manche Entwürfe brauche ich dickeres Gummi, für manches dünneres, das hängt ganz von den Anforderungen des speziellen Schmuckstücks ab. Alle Materialien, mit denen ich arbeite, sind gewöhnliche Werkstoffe aus der lokalen Baubranche oder der Landwirtschaft. Manchmal passiert es, dass Leute das Gummi mit Leder verwechseln. Die Wahl des Materials – Gummi – ermöglicht es mir meinen Beitrag zu leisten, das Leben der Tiere zu schützen.

 

 

Wie verkaufst Du Deinen Schmuck?

 

Ich biete meinen Schmuck in einigen wenigen hochwertigen Modeboutiquen an. Ich befinde mich gerade mitten im Prozess, einen Online-Shop aufzubauen. In der Zwischenzeit ist es aber möglich, meinen Schmuck per Post oder über meine Webseite zu bestellen.


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Nº 273
Designing Protest

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Dossier
Israel
Jahr
2015
Disziplin
Schmuckdesign
Ausgabe
form Nº 259 (hidden)
Links
minimaliti.com

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Text: Jessica Sicking, Susanne Heinlein