Land of Design
Israel

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Israel – ein Land, dessen Fläche der des Bundeslandes Hessen entspricht – und seine Designszene bestimmen das Schwerpunktthema des kommenden Heftes. Neben einer Auswahl an Designinstitutionen und -studios und der landesspezifischen Herangehensweise an Design spielen sowohl die drei parallel existierenden Schriftsysteme Hebräisch, Arabisch und Latein als auch das Bauhaus Center Tel Aviv eine Rolle. Zudem befasst sich die Journalistin Mirna Funk, die selbst seit 2014 in Tel Aviv lebt, in ihrem Artikel „Das Zomet Institut – Sabbath-proof Design“ mit den speziell für den Sabbat entwickelten Produkten des Zomet Instituts. Der Autorin haben wir vorab einige Fragen zum israelischen Design gestellt. form 259 erscheint am 14. April 2015.




Gibt es Deiner Meinung nach ein spezifisch israelisches Design? Und wenn ja, wie definierst Du es?

 

Ja, es gibt ein spezifisches Design. Trotzdem ist es mit dem israelischen Design genauso wie mit spezifischem Design in anderen Ländern, die Globalisierung löst es auf. Es vermischt sich mit internationalen Standards. Bei der Definition von israelischem Design wird es etwas kompliziert. Die israelische Kultur ist eine junge Kultur. Und diese Kultur selbst setzt sich ununterbrochen damit auseinander, wie sie sich definiert und was sie ausmacht. Israelisches Design wird also nicht nur durch bestimmte Charakteristika definiert, sondern auch durch die ständige Auseinandersetzung mit sich selbst. Trotzdem bestimmen selbstverständlich der Ort, die Menschen und die Geschichte das israelische Design. Erstens liegt Israel im Nahen Osten, deshalb finden sich viele orientalische Elemente. Zweitens stammen die heutigen Einwohner zu einem großen Teil aus Europa, das heißt sie haben die europäische Designsprache importiert. Und drittens war Israel zur Gründung ein sozialistischer Staat. Das vergessen viele, weil Israel heutzutage sofort mit den USA assoziiert wird. Man kann also in der Architektur, aber auch im Industriedesign sozialistisches Design entdecken, manchmal sogar russische Propaganda.




Wie würdest Du die aktuelle Situation in der Designszene Israels im internationalen Kontext beschreiben?

 

Israel zählt zu den Industriestaaten. Es gehört technisch, ökonomisch und kulturell zum Westen, obwohl es im Nahen Osten liegt. Die Globalisierung löst damit nationale Identitäten auf. Wer international funktioniert, funktioniert international deshalb, weil er eine internationale Sprache entwickelt hat. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Bereich diese Sprache kommt. Das trifft auch auf Israel zu.

Wie in vielen anderen europäischen Städten ist der Trend auch hier Minimalismus mit Traditionellem zu brechen. Hier stehen Eames-Stühle in Wohnungen und man hängt sich sechziger Jahre Lampen auf. Man mischt Ikea mit Vintage. Israel unterscheidet sich dabei von keinem anderen Land. An diese internationale Sprache passt sich natürlich neues Design an.

 

 

Kannst Du drei Beispiele nennen, die Deiner Meinung nach für typisch für israelisches Design sind?

 

Architektonisch haben Bauhaus, Brutalismus und Le Corbusier den größten Einfluss auf Israel gehabt. Aber es ist vor allem die Mischung, das Mosaik aus den drei Bewegungen, das Israel ausmacht.

 

 

Inwieweit beeinfluss(t)en historische, politische und religiöse Geschehnisse das Design?

 

Insoweit, dass Sprache im Allgemeinen von historischen, politischen oder religiösen Geschehnissen beeinflusst wird. Damit meine ich die Sprache unterschiedlicher Bereiche. Musik, Architektur, bildende Kunst oder Mode, um nur einige zu nennen. Dazu gehört natürlich auch Design und dabei unterscheidet sich Israel von keinem anderen Land. Im Nachkriegs-Berlin beispielsweise entsorgte man die Reste eines Schlosses, an dessen Stelle in der DDR der Palast der Republik stand. Nach der Wende wurde er abgerissen, weil er für eine verfeindete Ideologie stand und man baut das Schloss jetzt wieder auf. In 100 Jahren steht da vielleicht wieder der Palast. Man weiß es nicht.
















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Dossier
Israel
Jahr
2015
Disziplin
Grafikdesign, Produktdesign, Industriedesign, Lichtdesign, Modedesign, Schmuckdesign, Architektur
Ausgabe
form 259
Links
bauhaus-center.com
zomet.org.il
mirnafunk.com

form 259 erscheint am 14. April 2015. Die Ausgabe können Sie online über unseren Shop bestellen.

Text: Marie-Kathrin Zettl