Matthias Christ:
Where Vision Gets Built

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Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2013

open-output.org/matthiaschrist


Durch die narrative Seitenabfolge, die Kapitelstruktur und den Index des Buches „Where Vision Gets Built“ werden 240 Fragen, Aphorismen und Ratschläge – allesamt Werbeslogans aus der Finanzwelt – anlässlich der Finanzkrise dekontextualisiert und gleichzeitig neu interpretiert. „Where Vision Gets Built“ war auf tragikomische Weise der Werbeslogan von Lehman Brothers. Das Buch ist damit zugleich ambivalente Spruchsammlung und rhetorische Bestandsaufnahme der Finanzkrise.




„Das Buch beraubt die Slogans der Finanzindustrie ihrer dazugehörigen Bilder und macht dadurch die poetische Kraft der nackten Texte erst richtig sichtbar. So entsteht ein neuer Raum, in dem der Betrachter seine eigenen Bilder hinzufügen kann. Die harte Realität der Schuldenkrise, der Jugendarbeitslosigkeit und der Austerität prallt auf die Traumwelt des Verbraucherkredits. Diese Kollision ist mehr als eine einseitige Schuldzuweisung, sondern stellt geschickt und suggestiv die eindringliche Frage nach einer neuen, tragfähigeren Vision.“ Florian Pfeffer

 

1. Deine Arbeit hat – aus heutiger Sicht – sowohl etwas Bitteres als auch etwas sehr Ironisches und sogar Lustiges. Was möchtest du beim Leser auslösen?

 

Mich hat es fasziniert, was geschieht, wenn man diese Werbeslogans der Finanzwelt aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen beginnt – gerade bei Banken, die im Zuge der Finanzkrise längst verschwunden sind, (beispielsweise bei der US-Bank Lehman Brothers, deren Slogan „Where vision gets built“ titelgebend für das Projekt ist) entstehen plötzlich neue Bedeutungsebenen. Neben der Beschäftigung mit Sprache ist auch die thematische Spannweite sehr interessant: Finanzielle Systeme scheinen während unseres gesamten Lebens so allgegenwärtig wie unverzichtbar zu sein. Die Sammlung und Gegenüberstellung dieser über 240 Ratschläge, Fragen und Aphorismen im Buch lässt die Leser vielfältige Lesarten entdecken. „Where Vision Gets Built“ ist zugleich ambivalente Spruchsammlung als auch rhetorische Bestandsaufnahme der Finanzkrise. Abgesehen davon finde ich selbst einen Spruch wie „Slow down. Take it easy“ in vielen Lebenslagen recht hilfreich.

 

2. Du löst die Herkunft der Aussagen erst zum Schluss im Index auf. Was beabsichtigst du mit diesem Aufbau?

 

Die Slogans haben erst im Angesicht der späteren Finanzkrise eine ganz neue Dimension bekommen und diesen Ablauf nimmt das Buch wieder auf. Es ging mir um die reinen Aussagen, die erst durch ihre Dekontextualisierung mit neuer Bedeutung versehen werden und untereinander in Wechselwirkungen treten können. Dadurch erzähle ich eigene, neue Geschichten. Natürlich ist es auch ein Spiel mit Überraschung und Erwartungen, wenn für die Leser erst am Ende des Buches die Urheber der Botschaften offengelegt werden.

 

3. Siehst du im aktuellen Vergleich eine Veränderung in der Außenkommunikation von Banken und Finanzinstituten?

 

Die Auswahl ist ja sehr subjektiv – mein Projekt ist keine wissenschaftliche Untersuchung. Ich habe aus über 1000 gesammelten Sprüchen diejenigen ausgewählt, die ich am spannendsten und am aussagekräftigsten fand.

Aber sicherlich war die Kommunikation der Finanzbrache die letzten Jahre eher von Themen wie „Vertrauen“ und „Sicherheit“ statt von „Risiko“ geprägt. Im Buch selbst gibt es ein Kapitel, das „Changing is easier than you think“ heißt. Dort habe ich paarweise einen Slogan von vor der Finanzkrise mit einem gegenübergestellt, der nach 2008 kommuniziert wurde. Eine Kostprobe: The future is yours – Times are tough / Forward first – Honesty first / Easy money! – Hard facts



















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