Nachbericht: Mapping Graphic Design History in Switzerland

Am 27. Februar fand an der Hochschule der Künste Bern ein Symposium statt, das zum Ziel hatte, Diskussionen über theoretische und methodische Annährungen für historische Recherche im Schweizer Grafikdesign zu fördern. Wir haben die Veranstaltung besucht und berichten nun, wie der Stand der Schweizer Designforschung in ihrem Rahmen erkundet wurde.






Alle Vorträge drehten sich stark um dieses Thema, hatten jedoch ganz unterschiedliche Inhalte und Standpunkte. Die Referenten, größtenteils Lehrende an Schweizer Gestaltungshochschulen, hatten sich bereits in zahlreichen Projekten mit der nationalen Designforschung auseinandergesetzt.

 

(Re)Mapping Futures: Graphic Design History, Research and Education

Teal Triggs (Professor of Graphic Design and Associate Dean, School of Communication, Royal College of Art, London)

Hier ging es vor allem um die Arbeit mit Archiven an den Beispielen des Royal College of Art und der Oslo National Academy of the Arts. Triggs sieht Designgeschichte noch als wenig etabliertes Feld an (vor allem im Vergleich zur Kunstgeschichte), in dem Theorie und Praxis sehr nah beieinander liegen und bisher kaum gesondert vorangetrieben werden. Sie betonte die Wichtigkeit grafischer Sammlungen und Archive für Schweizer Hochschulen, um sich bei aktuellen Arbeiten den historischen Einflüssen bewusst zu werden und daraus Inspiration schöpfen zu können.

rca.ac.uk

khio.no

 

Symposium MGDHS: Teal Triggs from Robert Lzicar on Vimeo.

 

Wolfgang Weingart – Typography in Context: Tradition, Media Revolutions and Innovation in the Work of Wolfgang Weingart 1961–2004

Barbara Junod (Curator Graphics Collection, Museum für Gestaltung Zürich, ZHdK/ICS)

Vorstellung eines Forschungsprojektes zu Wolfgang Weingart, dem „enfant terrible“ der Designszene, an der ZHdK Zürich. Obwohl der Gestalter und Typograf das Schweizer Grafikdesign stark geprägt hat, war seine Arbeit vorher noch nie Gegenstand konkreter Forschung. Das Projekt setzt sich mit seiner rebellischen, künstlerischen Attitüde und seiner Designpraxis (auch im Bezug auf die Medienrevolution) auseinander. Neben einer Datenbank wird auch eine von Weingart mit-kuratierte Ausstellung entstehen, die vom 7. Mai bis zum 28. September 2014 im Museum für Gestaltung Zürich zu sehen sein wird.

museum-gestaltung.ch

weingartarchive.com

 

„Typografie kann unter Umständen Kunst sein“: Grafikdesign im Kontext des Schweizerischen Werkbunds

Thomas Gnägi (Researcher, Abteilung Architekturgeschichte und Denkmalpflege, Institut für Kunstgeschichte, Universität Bern)

In diesem Vortrag wurde die Relevanz des Schweizerischen Werkbundes für die Entwicklung des Grafikdesign in der Schweiz in vielen Aspekten beschrieben: der Konflikt zwischen Auftragsarbeit und künstlerischem Anspruch, die Einbeziehung gesellschaftlicher Ansprüche, Design als Schnittstelle zwischen Produkt und Verkauf, der „propagandistische“ Kampf für gute Gestaltung und die verschiedenen Ausstellungen und Publikationen, mit denen der Bund das Design prägte. Da niemand die Geschichte des Schweizerischen Werkbundes völlig überblicken könne, sei ein Netzwerk, durch das ein Austausch von Ideen und Informationen erfolgt, unerlässlich.

werkbund.ch

 

Symposium MGDHS: Thomas Gnägi from Robert Lzicar on Vimeo.

 

Type Design Education in Switzerland 1920–2010: Landmark Programs and Projects

François Rappo (Lecturer and Researcher, École cantonale d’art de Lausanne)

Rappo stellte in seinem Vortrag sowohl die Designausbildung an der ECAL vor, als auch ein Projekt, in dem die Geschichte der typografischen Lehre an Schweizer Hochschulen allgemein historisch erforscht wird. Dieses Projekt hat zum Ziel, die Ursprünge und Einflüsse der Designlehre, sowie wichtige Gestalter und Lehrende festzustellen. Daraus sollen allgemein zugängliche Archive entstehen, die als Unterstützung für die aktuelle Arbeit dienen können.

ecal.ch

 

Symposium MGDHS: François Rappo from Robert Lzicar on Vimeo.

 

Looking back to the Future: Why Graphic Designers should know “their” History

Agnès Laube (Head of MA Communication Design, HKB Bern), Franka Grosse (Lecturer, MA Communication Design, HKB Bern)

Hier ging es um die zentrale Frage, wie man Designstudenten am besten auf die Zukunft vorbereitet. Designgeschichte gibt laut der Referentinnen Sicherheit während des Gestaltungsprozesses, bildet den Link zwischen Theorie und Praxis und hilft aktuelle Trends im historischen Kontext zu verorten. Ein fundiertes Wissen als klares Qualitätsmerkmal sei heute vor allem wichtig, da die digitale Revolution die Autorenschaft im Design stark verändert hat und nun auch Laien die Möglichkeit haben gestalterisch tätig zu werden.

hkb.bfh.ch

 

Designing the Past: Visual Canonization in Swiss Graphic Design History

Amanda Unger (Researcher, Forschungsschwerpunkt Kommunikationsdesign, HKB Bern), Robert Lzicar (Lecturer and Researcher, HKB Bern; Doctoral Student, Graduate School of the Arts, Bern)

Amanda Unger und Robert Lzicar gehen in ihrem Projekt der Frage nach, inwieweit die Sekundär-Präsentation einer gestalterischen Arbeit deren heutige Wahrnehmung und Einordnung beeinflusst. Hierzu haben sie Publikationen und Ausstellungen an dem Beispiel von Josef Müller-Brockmanns Plakat „schützt das Kind“ (1953) analysiert. Die Darstellung (Position und Größe im Layout, Standort im Ausstellungsraum) lässt Rückschlüsse auf die Bedeutung dieser Arbeit gegenüber anderen zu, die nicht unbedingt der historischen Wahrheit entsprechen.

emuseum.ch

 

Symposium MGDHS: Robert Lzicar, Amanda Unger from Robert Lzicar on Vimeo.

 

Swiss Style, Made in Italy: Graphic Design on the Border

Davide Fornari (Lecturer and Researcher, Laboratory of visual culture, SUPSI University of applied sciences and arts of Southern Switzerland, Lugano)

Dieser Vortrag beschäftigte sich mit dem (häufig unterschätzen) Einfluss schweizerischer Gestalter auf das italienische Grafikdesign. Zwei vergangene Ausstellungen zu Grafikdesign aus der Schweiz (Museum für Gestaltung Zürich) bzw. aus Italien (Triennale di Milano) zeigten viele Parallelen und Querverbindungen auf. Vor allem wurde hier die Rolle einzelner Schweizer Gestalter und deren Arbeit für italienische Agenturen und Marken hervorgehoben.

museum-gestaltung.ch

triennale.it

 

Symposium MGDHS: Davide Fornari from Robert Lzicar on Vimeo.

 

Les 50 Dernières Années du Graphisme suisse romand

Constance Delamadeleine (Researcher, HEAD Haute école d’art et de design, Genève

Jérôme Baratelli: Professeur, HEAD Haute école d’art et de design, Genève

Niels Wehrspann: Graphic Designer, Lausanne)

Laut Baratelli hat Design aus der französischen Schweiz bislang viel weniger Aufmerksamkeit erhalten, als das aus dem deutschsprachigen Teil des Landes. An der HÉAD in Genf läuft darum derzeit ein Projekt, das sich speziell mit Grafik- und vor allem mit Plakatdesign aus der französischen Schweiz beschäftigt. Arbeiten unterschiedlichen Alters und aus allen Teilen der Romandie werden nun ausgewertet, eingeordnet und in einer Sammlung zusammengetragen.

head.hesge.ch

 

Suisse Miniature: The Design of Swissness in Travel Souvenirs

Franziska Nyffenegger (Cultural Anthropologist, Project Manager and Researcher, Hochschule Luzern Design & Kunst)

Vortrag über die Geschichte Schweizer Souvenirs. Diese lassen Rückschlüsse auf die Symbolik und visuelle Identität des Landes, sowie auf die Entstehung der heute sogenannten „Swissness“ zu. Vor allem konzentrierte sich Nyffenegger auf die Veduta Abbildungen, die klischeehafte Darstellung der „typischen Schweizer Landschaft“ mit Bergpanorama, idyllischem Dorf und Gebirgssee. Die Geschichte dieser Motive reicht bis ins 18. Jhd. zurück und hat sich bis heute gehalten.

 

Symposium MGDHS: Franziska Nyffenegger from Robert Lzicar on Vimeo.

 

Analyzing the Historical Context: The Basel School of Design as a Case Study

Invar Hollaus (Lecturer, HGK FHNW Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel)

Dieses Projekt umfasst die Aufarbeitung und Erforschung der Geschichte der HGK Basel. Dazu werden wichtige Protagonisten interviewt und die Lehre und Praxis über die Jahre analysiert. Entstehen sollen ein Austausch mit anderen Designhochschulen und neue Erkenntnisse zum Schweizer Grafikdesign allgemein.

fhnw.ch

 

Symposium MGDHS: Invar Hollaus from Robert Lzicar on Vimeo.



















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