Nachruf Karl Oskar Blase


Er war der form von Anfang an verbunden, denn seine Grafik prägte die ersten elf Jahre zwischen 1957 und 1968 auf zahlreichen Titelblättern. Doch mit Design hatte Karl Oskar Blase, der am 24. März 1925 in Köln geboren wurde und am Dienstag, dem 27. Dezember 2016 gestorben ist, schon früher und auch danach zu tun.




Wie viele Generationsgenossen hatte er im Zweiten Weltkrieg den puren Funktionalismus des Kriegsgerätes kennengelernt, die geländegängigen Maschinen und die schablonenbeschrifteten Transportkisten. Nach Kriegsende studiert er in Wuppertal bei Jupp Ernst, einem der späteren form-Gründer, an der Wuppertaler Werkkunstschule und eröffnet 1950 zusammen mit Felix Müller, einem ehemaligen Assistenten von Ernst, das Atelier Müller-Blase. Wichtiger Auftraggeber werden ab 1952 die Amerikahäuser, für die Müller und Blase – als Leiter der Ausstellungsabteilung bis 1958 – zahlreiche Plakate und Kataloge entwerfen, darunter auch Drucksachen für die legendäre Wanderausstellung „Industrie und Handwerk schaffen neues Hausgerät in USA“. Hier können Tupperware und Eames-Mobiliar bestaunt und praktisch erprobt werden. 1954 erhält Müller einen Lehrauftrag an der heutigen Hochschule für Künste in Bremen, 1958 folgt Blase dann einer Aufforderung von Jupp Ernst und unterrichtet an der Werkkunstschule Kassel, einem der Vorläufer der heutigen Kunsthochschule. 1966 wird die Dozentur in eine Professur umgewandelt, die er bis 1992 innehat.

 




Von Anfang an sind die Jahre in Kassel von großer Produktivität und Engagement im Kulturleben der Stadt geprägt. Als eine der ersten Arbeiten an der Werkkunstschule entwirft er 1958 für das Besteck Mono des Produktdesigners Peter Raacke eine dem sachlichen Besteck adäquate Verpackung. 1964 stellt Jupp Ernst Blases Plakate in engem Zusammenhang mit der dritten Documenta aus, 1968 gestaltet Blase dann die Plakate und Informationsmittel der vierten Documenta; auch die Gestaltung für die Documenten 5,6 und 8 folgen seinen grafischen Maßgaben. Mehrfach stellt er im Kasseler Kunstverein aus, und er prägt nicht nur mit seinen vielen Briefmarkenentwürfen ab 1955 das grafische Bild der Bundesrepublik im In- und Ausland. Hier gelingt es ihm auch, 1979 bei der Marke für das Internationale Jahr des Kindes einen seiner drei Söhne prominent unterzubringen.




Blase, der seit 1952 Mitglied im Deutschen Werkbund war, erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er hat Generationen von grafischen Gestaltern geprägt, einige seiner Arbeiten sind noch bis zum 5. März 2017 in der Neuen Galerie Kassel zu sehen. Außerdem finden Sie in form 269 in der Rubrik Archiv mehr zur Geschichte grafischer Gestaltung in Kassel.

 

 

Jörg Stürzebecher













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