Nachruf. Massimo Vignelli (1931–2014)


Massimo Vignelli sagte von sich, er habe schon immer das Leben von Millionen Menschen beeinflussen wollen – durch Design. Dieses Lebensziel hat er sicherlich erreicht. Seine gestalterischen Fußspuren sind allgegenwärtig und begegnen uns, da er sich nie auf eine Disziplin festlegte, in den verschiedensten Formen. Wir blicken auf sein Schaffen zurück.




Vignelli wurde 1931 in Mailand geboren. Er entdeckte schon als Jugendlicher seine Liebe zur Architektur und studierte an der Politecnico di Milano und der Università di Architettura in Venedig. Sein Interesse beschränkte sich allerdings nicht nur auf Gebäude. Vielmehr vertrat er die Ansicht, ein Architekt solle in der Lage sein alles zu gestalten: „Vom Löffel bis zur Stadt“, wie Adolf Loos es bereits Jahre zuvor formuliert hatte. Max Huber, mit dem er zeitweise in Mailand zusammenlebte, weckte in ihm zusätzlich die Begeisterung für Grafikdesign. So erschloss Vignelli in den folgenden Jahren die unterschiedlichsten Disziplinen und gestaltete fortan Räume, Möbel, Produkte, Verpackungen, Zeitschriften, Bücher und Ausstellungen.

Stipendien führten ihn und seine Frau Lella – ebenfalls Architektin – Ende der 1950er Jahre in die USA, wo Vignelli im Anschluss an Designhochschulen unterrichtete und als Gestalter bei der Container Corporation of America tätig war. Nach seiner Rückkehr gründete das Ehepaar 1960 das Architektur- und Designbüro Vignelli Office in Mailand. Wenige Jahre später emigrierten sie endgültig in die USA.

Vignelli wird häufig nachgesagt, er habe die europäische Moderne in das amerikanische Grafikdesign integriert. Tatsächlich liegt allen seinen Arbeiten immer ein hohes Maß an Sachlichkeit und Reduktion zugrunde. Sein Anspruch war stets alles Unnötige auszusieben, bis nur noch die wirklich relevanten Gestaltungselemente verbleiben. Auch typografisch besann sich Vignelli gerne auf das für ihn Wesentliche. Er schöpfte nach eigener Aussage aus einer bewusst sehr begrenzten Auswahl von Schriftarten, anstatt jedem Projekt oder Kunden einen anderen Font zuzuweisen. Als bekennender „Fan“ der Helvetica ist er in dem gleichnamigen Dokumentarfilm von Gary Hustwit (2007) zu sehen. Dass er eine Vielzahl von Publikationen und Objekten geschaffen hat, die auch aus heutiger Sicht nichts von ihrer Zeitlosigkeit eingebüßt haben, beweist auch deren Präsenz in den Sammlungen von Museen wie dem MoMA, dem Musée des Arts Décoratifs in Montréal oder der Neuen Sammlung in München.

Zudem prägen seine Entwürfe natürlich auch das öffentliche Stadtbild. Als Mitbegründer und Designchef von Unimark International schuf er visuelle Identität für Unternehmen wie American Airlines, Ford, Gillette, Knoll oder Bloomingdale’s. In form N° 58 (1965) sprechen Massimo Vignelli und Bob Noorda über die neue Design-Gesellschaft Unimark, die eine „Mafia guter Designer“ werden sollte. 1979 löste sich das Unternehmen auf und er widmete sich ganz dem eigenen Büro Vignelli Associates, das er zusammen mit seiner Frau in New York führte.

Besondere Bekanntheit erlangte Vignelli durch seine grafische Umsetzung des U-Bahn Netzes von New York im Jahr 1972. Die Karte löste Diskussionen aus, da bewusst zugunsten von visueller Klarheit auf die naturgetreue Widergabe der Geografie verzichtet wurde. Formen wurden stark vereinfacht, Maßstäbe verändert, Stationen zu Punkten und die Winkel aller Linien auf 45 oder 90 Grad angepasst. Die Öffentlichkeit war mit dieser – für damalige Zeiten offensichtlich zu radikalen – Interpretation überfordert, woraufhin man 1979 zu einer naturgetreuen Karte zurückkehrte. Vignellis Entwurf blieb dennoch ein Designklassiker. Das Original befindet sich heute im Besitz des MoMa in New York.

Neben seiner Tätigkeit als Gestalter bei Vignelli Associates lehrte er an verschiedenen Universitäten. Im Jahr 2008 wurde am Rochester Institute of Technology das Vignelli Center for Design Studies gegründet. Die Einrichtung soll das Wissen, die Vernetzung und die Erhaltung von Design fördern. Lella und Massimo Vignelli entwarfen nicht nur das Gebäude, in dem das Institut untergebracht ist, sondern vermachten ihm auch ihr persönliches Archiv.

Bereits 2012 erschien der Film Design is One: Lella & Massimo Vignelli, der das Leben und die Arbeit der beiden Gestalter portraitiert.



















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