Niki de Saint Phalle und das Theater.
At Last I Found the Treasure

Opelvillen Rüsselsheim

– 12.März 2017

opelvillen.de


Bekannte Künstler werden oft über ihre Arbeit definiert und im Zuge dessen auf einen Teil ihres Werkes reduziert. Niki de Saint Phalle wurde für ihre freundlich-farbigen Nanas berühmt, die immer zu tanzen scheinen. Sie hat jedoch auch in Theaterstücken mitgewirkt und selbst eines entwickelt. Die Opelvillen Rüsselsheim zeigen in ihren Räumlichkeiten zum ersten Mal die Entwürfe zu ihrem fantastischen, furchterregenden Stück „ICH“.




„ICH“ ist eine imaginäre Figur, getauft im Namen „des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, so erzählt es die Stimme in dem Raum, der dem Stück gewidmet ist. Im Laufe der Geschichte emanzipiert sich „ICH“ von seinen Bindungen auf dramatische Art und Weise. Das kleine Mädchen „ICH“ bringt ihre Eltern um, sowie nach einer inzestuösen Beziehung zu ihnen auch ihre Geschwister, nimmt „männliche“ Berufe an, heiratet sich selbst, regiert die Welt und wird am Ende zu etwas Göttlichem. Das radikale Stück beeindruckt umso mehr, wenn man sich den Zeitpunkt der Entstehung genauer ansieht: Niki de Saint Phalle schrieb das Stück bereits 1968, im Zuge der gleichnamigen Bewegung und mitten in der zweiten Welle der Frauenrechtsbewegung. Durch ihre rebellische Art wurde sie schnell bekannt: sie schoss auf ihre Werke oder entwarf eine riesige Nana, die man durch die Vagina „begehen“ konnte. Schon früh thematisiert Niki de Saint Phalle den Geschlechterkampf und trifft mit ihren Arbeiten auf eine Gesellschaft, die vor oder mitten in der sexuellen Revolution steckt. Für Niki de Saint Phalle war das Theater ein Ort des Experiments, der Herausforderung und der Inszenierung. Eine Überraschung bietet der zweite Teil der Ausstellung. Beeindruckt durch den radikalen Feminismus, den Saint Phalle in „ICH“ proklamiert, wecken ihre Zeichnungen Erstaunen. Sie sind eine wilde Mischung aus Poesie, Kitsch und gewisser Naivität, gemalt wie von Kinderhand, ab und an durch die Thematisierung von Sex, Tod oder Aids durchbrochen.

Auch wenn in „Niki de Saint Phalle und das Theater“ nur zwei Theaterstücke von und mit der Künstlerin gezeigt werden, gibt es doch neben farbigen Kostümen, Frauenkörpern, die das komplette Bühnenbild umfassen, und bunt bemalten Phalli aus Gips einiges zu sehen. Die Ausstellung geht mit ihren Inhalten über das bekannte Spektrum von Niki de Saint Phalle hinaus, wirft einen Blick auf die Werke, die neben den Nanas entstanden sind, und gibt dem Betrachter so die Möglichkeit, auch diese Figuren in einem anderen Licht zu sehen.

 

 


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