Out of the Ordinary.
Gespräch mit Wieki Somers


Wieki Somers und Dylan van den Berg betreiben zusammen das Studio Wieki Somers. Das Designerduo arbeitet und lebt in Rotterdam und hat sich seit der Gründung des Studios auf einen etwas anderen Blick auf alltägliche Gegenstände spezialisiert. Sie experimentieren mit Formen und Materialien und lassen sich von der Natur und natürlichen Formen inspirieren. Das Museum Boijmans Van Beuningen widmet dem Designerduo mit „Out of the Ordinary“ eine retrospektive Ausstellung und zeigt Objekte und Installationen aus den letzten zehn Jahren ihrer Zusammenarbeit bis zum 11. Januar 2015. Wir haben mit der Designerin Wieki Somers über ihr Studio und ihren Ansatz im Design gesprochen. 




Was gab Euch den Anlass Designer zu werden?

 

Zu Beginn bot Design eine Möglichkeit die Welt etwas besser zu verstehen. Schließlich hat sich Design zu einer Sprache entwickelt, mit der ein Objekt mehr als tausend Wörter aussagt. Dies ist wohl immer noch der wichtigste Aspekt unserer Arbeit. Ein Objekt sollte immer einen Dialog mit dem Benutzer eingehen, die Funktionalität bringt es dabei dem Nutzer näher. Du sitzt darauf. Du berührst es. Das ist die erste Bedingung, auf die der emotionale Aspekt folgt. Ich habe mich schon immer gefragt, warum Gegenstände so sind wie sie sind und was sie sein könnten. Diese unerwarteten Qualitäten von Alltagsgegenständen erkunden wir immer noch.

 

 

Was ist Eure stärkste Fähigkeit? Wie habt Ihr diese im Laufe der Jahre verbessert?

 

Zunächst einmal bearbeiten wir alle Projekte gemeinsam. Dylan und ich arbeiten seit 2003 zusammen. Obwohl Dylan es vorzieht hinter den Kulissen zu agieren, ist er bei der Recherche und dem Designprozess immer präsent. Unsere Zusammenarbeit ist ein ständiger Dialog, in den jeder seine eigenen Qualitäten einbringt. Ich glaube, dass ich gut darin bin alle Puzzleteile zusammenzufügen und die nötigen Verbindungen herzustellen. Dylan lässt mit seinen technischen Fähigkeiten Träume wahr werden, indem er die passenden Materialien und Techniken ausfindig macht. Ein Auge für Details haben wir beide. 

 

 

Welche Materialien und Prozesse haben Euch am meisten fasziniert? Was würdet Ihr in Zukunft gerne weiterentwickeln?  

 

Unsere Arbeit ist ein kontinuierlicher Prozess, sozusagen eine Erkundung. Die passenden Materialien zu finden, ist bisher immer ein wesentlicher Teil unserer Forschung gewesen. Haptischen Qualitäten, Persönlichkeit und eigene Charakteristika tragen in hohem Maße zu der Botschaft bei, die wir vermitteln möchten. Beispielsweise beruht „Frozen in Time“ auf dem Glatteisphänomen, das in den späten achtziger Jahren die Niederlande lahmgelegt hat. UV-empfindliches Harz, das als Material für die Produktion verwendet wurde, kann als haltbare Form von Eis verstanden werden – wie Eis hält es die Zeit für einen Moment an. Für die Kollektion „Mitate“ verwendeten wir Materialien die das Licht beeinflussen. Für die Kollektion kamen eine Vielzahl von Materialien zum Einsatz sowie eine Kombination aus Hightech Technologien und Handwerkstechniken. Die Lampen kommunizieren und reflektieren. Die Palette unserer Produkte ist breit gefächert. Wir arbeiten immer je nach Projekt mit verschiedenen Materialien. Bei den Industrieprodukten sind die Materialien oft vorgegeben, bei Objekten für Galerien experimentieren wir eher mit verschiedenen Materialien. Das Wichtigste ist, dass die von uns verwendeten Materialien langlebig sind. 




Was fasziniert Euch an der Natur?

 

Die Natur hat keine logischen Regeln für ihre Existenz – Schönheit existiert einfach. Ich habe noch nie eine hässliche Blume oder Wolke gesehen. Dennoch sind die natürlichen Formen das logische Resultat ihrer Funktion. Heute, hundert Jahre nach dem Jugendstil sind wir immer noch von neuen Materialien und Techniken in Kombination mit Handwerk ebenso fasziniert wie von der Übertragung natürlicher Formen in zeitgemäße Formen. Dennoch glaube ich, dass unsere letzten Arbeiten durch die Einflüsse der japanischen Ästhetik abstrakter und gleichzeitig weniger figurativ sind auch wenn sie von der Natur inspiriert wurden.

 

 

Was hat Euch in letzter Zeit besonders fasziniert?

 

Wir sind oftmals von traditionellen oder alltäglichen Gewohnheiten inspiriert und versuchen etwas Fantasie in die gebräuchlichsten Objekte zu bringen wie beispielsweise der Magische Realismus in der Kunst; eine technisch makellose Verarbeitung in Kombination mit einem aufregenden Spiel von Licht und Farbe, um eine fremde und geheimnisvolle Realität zu erschaffen. Auf einer ganz anderen Ebene jedoch unter der Verwendung ähnlicher Prinzipien, heben wir die magische Seite des Lebens hervor, indem wir Träume Realität werden lassen. „Bathboat“ könnte ein Beispiel dafür sein. Gleichzeitig ist es aber auch ein Beispiel für die Neuinterpretation täglicher Rituale. Ich bin schon immer von Ritualen fasziniert gewesen. Sie haben das Potenzial wieder Fokus und Aufmerksamkeit in unser hektisches Leben zu bringen, denn sie ermöglichen eine stärkere Bindung zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zu dem jeweiligen Kontext, in dem wir leben. Die sich – ihrer Natur entsprechend – wiederholenden Rituale machen sie mit der Zeit immer stärker. Die Bedeutung von Ritualen in der Gegenwart erforschen wir, um ihnen eine neue Form und Bedeutung zu geben. 

 
















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