Paolo Michele Salvetti:
Lab:senses in Space

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Escola da Cidade, 2013

open-output.org/paolosalvetti


Der hauptsächlich aus Bambus bestehende, 150 Quadratmeter große und am Rand von São Paulo gelegene Pavillon ist eine empirische Untersuchung der Wahrnehmung von Raum. Über die unterschiedliche Anordnung des Bambus und dessen Interaktion mit Wind und Licht sollen unterschiedliche Sinne angesprochen und Atmosphären erzeugt werden, die wiederum bei jedem Einzelnen unterschiedliche Emotionen hervorrufen.




„Eine reizvolle Erkundung des Raums, elegante und klare Zeichnungen werden in eine simple, bewohnbare Struktur übersetzt. Unter der Berücksichtigung topografischer Gegebenheiten, des Wetters sowie der Materialien hat Paolo Michele Salvetti eine unter menschlichen Aspekten wunderbare und feinsinnige Erfahrung generiert.“ Karen Martin und Anand Sagoo

 

Wir haben Paolo Michele Salvetti drei Fragen gestellt:

 

1. Welches Raumgefühl möchtest du beim Besucher des Pavillons auslösen?

 

Der Pavillon löst ein zeitlich gestaffeltes Raumerlebnis aus. Der massive Eindruck des Pavillons, wenn in seiner Gesamtheit betrachtet, wird in Frage gestellt, sobald die Person in sein Inneres tritt. Sobald der Besucher den Teil erreicht, in dem Bambus von oben herabhängt und im Wind schwingt, wandelt sich die Wahrnehmung von rhythmischen, vertikalen Elementen hin zu einem sich bewegenden Wald. In diesem Moment verbindet sich die Gegenwart des Raumes mit einem Gefühl der Verlorenheit, das sich plötzlich auflöst, sobald der innere „Dom“ betreten wird. Dies ist der große Überraschungsmoment, wenn sich der Person, die sich immer noch inmitten der Struktur befindet, der Blick nach außen öffnet und sie sich und ihrer Umgebung bewusst wird. Auch wenn es Augenblicke gibt, die mit einem Gefühl von Haptik, Gleichgewicht oder Thermik verknüpft sind, weil sich auf einigen Bambusrohren Eis befindet, spricht der Pavillon keinen bestimmten Sinn an. Da es quasi unmöglich ist, einen Sinn herauszufiltern, ist er als ein Gesamtelement angelegt, dessen Erfahrung von der Umgebung und dem Wetter beeinflusst wird. Zudem kann jeder Besucher sich seinen eigenen Weg suchen. Ich habe mir keinen bestimmten Weg überlegt, den Besucher nehmen müssen. Jeder kann sich von seinen Füßen leiten lassen und den Raum so ganz individuell erleben.

 

2. Wieso hast du dich für Bambus als Baumaterial entschieden?

 

In Sao Paulo ist Bambus ein lokales und recht günstiges Arbeitsmaterial. Noch wichtiger ist allerdings seine Stabilität, Vertikalität und das geringe Gewicht, wodurch er die ideale Komponente für das Projekt ist. So konnte ich die gesamte Struktur aus Bambus bauen, die rhythmischen Elemente proportionieren und interessante Muster durch herabhängende Teile kreieren. Das Material ist vor allem auch wegen seiner unerwarteten akustischen und physischen Eigenschaften reizvoll, ebenso wie durch das sensorische Zusammenspiel mit dem Wind.

 

3. Welche Erkenntnisse hast du gewonnen und wie lassen sie sich auf andere architektonische Projekte übertragen?

 

Ich habe durch das Projekt sehr viel gelernt – durch die Konzeption, die Konstruktion und alle damit verbundenen Erfahrungen. Auch die Nachforschungen zu Atmosphäre und zur menschlichen Wahrnehmung und wie sie beeinflussen, was wir fühlen. Dann habe ich natürlich während der Umsetzung noch mehr gelernt. Ich habe die Möglichkeiten entdeckt, die einem das Material und die vorhandenen Mittel eröffnen und wie man mit Bambus arbeiten und bauen kann – auch wenn nur in kleinen Dimensionen. Schlussendlich durch die Beobachtung und den Austausch mit den Menschen, die meine Konstruktion erlebt haben. Wie der Titel schon sagt, handelt es sich um ein Labor und eine fortlaufende Erfahrung, die weitere Pavillons und Fragen zu Atmosphäre und Raum hervorbringen soll. Ich möchte daraus einen Nutzen für weitere Projekte ziehen, nicht nur für Pavillons, sondern auch für Architektur im Zusammenhang mit Personen und Raum. Aber das ist noch ein laufendes Projekt und auch die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch einiges, was ich dazu lernen kann.



















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