Post Seoul

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Wie Designer, Architekten, Künstler, Redakteure und Kuratoren in Koreas Hauptstadt Seoul arbeiten, welche Cafés, Lokale und Shops die Einheimischen besuchen, aber vor allem, wie sich ihr Lebensstil auf ihre Wohnungen und Studios auswirkt, lässt die Webseite von Post Seoul durch Fotoessays in Kombination mit Interviews erahnen. Das Projekt wurde von der Kommunikationsagentur Newpress initiiert, die von Na-Ri Lim und Hae-Mi Woo ins Leben gerufen wurde. Wie es zur Entwicklung der Seite kam, welche Lebensräume es dort zu entdecken gibt und welche Gestalter an dem Projekt beteiligt sind, haben uns die beiden in einem kurzen Interview verraten.




Welche Arbeitsbereiche deckt Newpress ab?

 

Na-Ri Lim hat Raumgestaltung studiert, während Hae-Mi Woo Kunstgeschichte und Kuration studierte. Wir blicken beide auf sieben Jahre Arbeitserfahrung im Printbereich bei Magazinen zurück. Newpress ist eine Kommunikationsagentur, die sich mit dem Gesamtprozess – von der Planung über die Produktion und Veröffentlichung – von Broschüren, Katalogen und Markenpublikationen befasst, die von Firmen und Brands beauftragt werden, neben denen sich jedoch auch selbstinitiierte Projekte einreihen. Post Seoul ist ein solches Projekt.




Wie entstand die Idee zu Post Seoul?

 

Wenn wir die Menschen aus anderen Städten auf der Welt, wie beispielsweise New York, London, Tokio oder Berlin medial betrachten, können sich die meisten von uns ein grobes Bild von deren Lebensstil machen, während es vielen bei Seoul, einer Stadt, die Korea sehr gut repräsentiert, viel schwerer fällt. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, das Projekt Post Seoul aufzubauen, um der Welt die zahlreichen Lebensarten der in Seoul Ansässigen aufzuzeigen – beginnend mit „Räumen”, die die verschiedenen Lebensstile am besten abbilden. Anfangs hatten wir auch über eine Printpublikation nachgedacht, doch um unseren Lebensstil möglichst schnell und effektiv im Ausland zu vermitteln, der Problematik des koreanischen Magazinmarktes aus dem Weg zu gehen und der einfacheren Möglichkeit wegen, das Projekt kontinuierlich fortzuführen, haben wir uns schließlich entschieden, online zu gehen. In der zweijährigen Vorbereitungsphase haben wir vielerlei Webseiten recherchiert und studiert, die uns immense Inspiration für die Handhabung und das Erscheinungsbild von Post Seoul geliefert haben.




Welche Personen sind an dem Projekt beteiligt?

 

Zum einen gibt es das Designstudio Practice, das für die Artdirektion verantwortlich ist, während Deerstep die Programmierung der Website übernimmt. Außerdem arbeiten wir mit den Fotografen Hye-Min Kwon, Yoon-Hee Kim, Jin und Seung Na sowie Char-Yeoung Lee und Yoo-Jin Jung zusammen. Zudem hilft uns Übersetzerin Min-Young Lee. All das sind enge Partner für Post Seoul, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten und die dem Projekt seine ganz eigene Farbe geben.




Wie wählt Ihr die auf der Webseite porträtierten Personen (Kategorie People) aus?

 

Unser generelles Ziel war es, von den konventionellen, standardisierten Bildern, Stilen und Formaten der hier ansässigen Zeitschriften wegzukommen, um unseren Lebensstil zu kommunizieren. Wir hatten Fragen im Kopf wie: Gibt es nicht einen Weg, den Lebensstil in Seoul in einer natürlicheren Form und in einem etwas jüngeren Licht darzustellen? Gibt es hier keine normalen Menschen, fern von den ständig in den Magazinen abgelichteten, scheinbar so Repräsentationswürdigen? Ausgehend von diesen Gedanken beschlossen wir, uns mit den Menschen zu befassen, die wenig oder fast nie hier in den Medien aufgegriffen werden, die sich allerdings durch ihren ganz persönlichen Lebensstil auszeichnen. Inzwischen finden sich auch Personen auf unserer Webseite, die etwas bekannter sind, denen wir jedoch die Fragen so stellen, dass die Besonderheit unserer Perspektive klar wird. Unsere Absicht ist fern davon, uns damit zu befassen, was aktuell angesagt oder Trend ist. Wir versuchen immer wieder zu vermitteln, wie sich der Lebensstil von Menschen auf ihren Lebensraum überträgt.




Wie kommt es zur Auswahl der gezeigten Orte (Kategorie Places)?

 

In der Kategorie Places beabsichtigen wir, heimische Locations oder eher versteckte Plätze aufzuzeigen, die in keinem Reiseführer zu finden sind, für uns jedoch den Anschein haben, dass sie für Außenstehende interessant sein könnten.

 

 

Plant ihr den Umfang von Post Seoul zu erweitern?

 

Momentan liegt unser Focus verstärkt auf Interviews mit Einzelpersonen in ihrem individuellen Umfeld. Doch seit Anfang diesen Jahres wollen wir uns stärker auf die Maker von Seoul konzentrieren. Beispielsweise auf Personen, die ihr eigenes Fashionlabel oder ihre eigene Lifestylemarke ins Leben gerufen haben, die ein Café, einen Buchladen oder einen spannenden Ausstellungsraum führen. Begleitend dazu planen wir eine Reihe an Offline-Events. Im letzten Jahr hatten wir auch eine kleine Ausstellung unserer fünf Fotografen namens „Young Seoul by Post Seoul“ organisiert, in der sie ihre eigene Perspektive auf Seoul präsentierten. Gerne würden wir mehr solcher Events veranstalten, die es den Leuten ermöglichen, sich mit dem Seoul von heute auseinanderzusetzen. Außerdem gibt es die Idee, die Interviews des vergangenen Jahres bald in einem Buch zu veröffentlichen.







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Dossier
Südkorea, Media
Jahr
2017
Disziplin
Kommunikationsdesign, Fotografie
Ausgabe
form 270
Links
postseoul.com
newpress.kr
we-practice.com
www.deerstep.com

Text: Carolin Blöink