17. September 2019

News

Nachruf Robert Frank

(1924–2019) 

Text: Jörg Stürzebecher

Er gab der Fotografie im Buch eine solche Bedeutung, dass die Geschichte des Fotobuches in eine Geschichte vor und nach seinem ersten Buch unterteilt werden kann: Der Fotograf Robert Frank verstarb am 9. September 2019.





 

Er machte Fotos und Filme, und er half seinerzeit jungen Kollegen wie der in der DDR lebenden Gundula Schulze Eldowy, worauf der FAZ-Autor Freddy Langer 2018 hingewiesen hat. Außerdem gab er der Fotografie im Buch eine solche Bedeutung, dass die Geschichte des Fotobuches in eine Geschichte vor und nach seinem ersten Buch unterteilt werden kann – dem 1958 zuerst in Frankreich erschienenen „Les Américains“, das 1959 mit einem Vorwort des Beat-Generation-Schriftstellers Jack Kerouac in New York erschien und bis 1993 auf eine deutschsprachige Ausgabe warten musste. Nun ist Robert Frank am 9. September gestorben.

Schweizer von Geburt, ausgebildet bei Hans Finsler an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich, hatte Frank als Stipendiat 48, also damals fast alle Bundesstaaten der USA besucht und dann 175 Fotos zu einem Querschnitt zusammengestellt, auf dem nicht nur Menschen, zumindest aber menschliche Einwirkung gezeigt wurde. Doch nicht die Versammlung von reich und arm, jung und alt, schwarz und weiß, fröhlich und traurig, Alltag und Feiertag war das Besondere, sondern der Umgang mit Mittelgründen und Fluchtlinien, Nähe und Weite, Isolation und Panorama. Frank fotografierte schwarz-weiß im Technicolor-Zeitalter und sorgte mit vielen Querformaten für das Cinemascope-Zitat in der Fotografie. Die Horizontalität der amerikanischen Landschaften wurde so aufgenommen, auch als Gegenbild zur schweizerischen Enge. Doch Schrägen und verrutschte Perspektiven ließen – wie auch das Nebeneinander dessen, was in den großen Fotoillustrierten wie der Life separiert oder ausgeblendet wurde – ahnen, dass die USA zwar ein Land, aber nicht monolithisch sind, dass zum Luxus das Pissoir und zu den Stars and Stripes die Rostlauben gehören. Neben Menschen und Autos samt dazugehörender Infrastruktur zeigt Frank als drittes wiederkehrendes Motiv die Jukebox als Banalisierung des Verfassungsversprechens auf Glück. Das hat auch Jack Kerouac gesehen, als er in seinem Text bemerkt: „Wenn man diese Bilder gesehen hat, weiß man am Schluss nicht mehr, ob eine Jukebox trauriger ist als ein Sarg.“

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