29. August 2019

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SBB CFF FFS

Text: Jörg Stürzebecher

Museum für Gestaltung Zürich

– 5. Januar 2020

museum-gestaltung.ch

 

Bahnhöfe, Züge und Plakate machen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB zu einem Paradebeispiel für Schweizer Design. Das Museum für Gestaltung Zürich widmet sich erstmalig in einer Ausstellung diesem Thema.



 

Das ist eine wichtige Ausstellung am richtigen Ort, denn der alte Standort des Züricher Museums für Gestaltung ist in wenigen Minuten vom Hauptbahnhof aus zu erreichen. Gezeigt werden bekannte Objekte aus Geschichte und Gegenwart der schweizerischen Bahnen, Hans Hilfikers Bahnhofsuhr etwa, Modelle wichtiger Brücken und Bahnhöfe, Piktogramme und Plakate. Eine Modellbahn (Spur N) gibt es auch, mit Mittelland und Alpenstrecken, und selbstverständlich vieles zum Corporate Design, das ab 1980 unter Leitung des Pioniers der Rastertypografie, Josef Müller-Brockmann entstand und dessen Bahn-Firmenlogo eindrucksvoll Schienenverkehr und Land zusammenbringt. Denn mit der SBB werden die Einwohner der Eidgenossenschaft, aber auch viele Gäste der Schweiz mit ihrem Land im Wortsinn verbunden, und die Bahn erfreut sich bei beiden Gruppen großer Beliebtheit. Dies ist nur einer der Unterschiede zur Deutschen Bahn, die die alte „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“-Zuverlässigkeit längst zuungunsten des Images eines Pannenbetriebes mit Zugausfällen, Willkürakten, Desinformationen und mangelnder Flexibilität aufgegeben hat. Anders in der Schweiz. Dort gibt es Taktpläne, die auch Rücksicht auf körperlich Beeinträchtigte nehmen, Pünktlichkeit ohne Rekordgeschwindigkeiten, funktionierende, weil regelmäßig gewartete Toiletten und eine hohe Auslastung ohne Gedrängel. Die seit langem auf allen Strecken vollelektrifizierte – die Schweiz ist schließlich ein wasserkraftreiches Land – Bahn gehört zum schweizerischen Alltag aller Einkommensstufen (wie übrigens auch der ÖPNV), was zugegebenermaßen auch an den kurzen Distanzen der bevölkerungsreichen Gebiete liegt. Dies aber ist, jenseits aller Modelle und Beispiele, die eigentliche Leistung der SBB jenseits von Triebfahrzeugen wie Krokodil und Rotem Pfeil, kein aufgesetztes Corporate Design, sondern ein Ineinandergreifen aller Schnittstellen von der Lok bis zur Information mit einem zwar nicht billigen, für Landesverhältnisse aber akzeptablem transparenten Preissystem ohne langfristig zu planender Schnäppchenjagd. Hierzu gehört auch, dass die Bedeutung der Bahnhöfe als Immobilien berücksichtigt wird, ohne dass diese zu Billig-Shopping-Malls verkommen. Der Fahrplan ist nach wie vor leicht zu finden, Wartezonen stören nicht den Geschäftsbetrieb. Genau dies unterscheidet die SBB von Behübschungen wie der Bahngesellschaft New Haven, der einst vorbildlichen, dann aber durch Privatisierung heruntergekommenen British Rail und eben der DB, die sich nach wie vor an Fluggesellschaften statt an den Bedürfnissen der Kunden orientiert und wohl nicht nur den Autor dieser Zeilen zum Verzicht auf die Bahncard bewogen hat, das leidliche Thema der Nicht-Kompatibilät von Fern- und Nahverkehr sei hier nur angesprochen.

Einen Katalog gibt es nicht, wohl aber eine öffentliche Ausgabe des Gestaltungshandbuchs für die Schweizerischen Bundesbahnen, das seinerzeit von Müller-Brockmann gestaltet wurde. Es erscheint bei Lars Müller, der nicht nur Müller-Brockmanns Biograf ist, sondern sich auch um das Werk von dessen kürzlich verstorbene Frau Shizuko Yoshikawa verdient gemacht hat. Müller selbst ist aber für die Gestaltungs-Publikationen in der Schweiz längst ebenfalls eine wesentliche Marke, und insofern ist die Schau das Ergebnis einer wunderbaren Beziehung: zwischen Thema, Ausstellungsort und Verleger. Dafür gebührt allen Beteiligten Dank; der Autor freut sich.

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