Schnee Management

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Schnee ist die Existenzgrundlage der Wintersportindustrie. Durch den Klimawandel sind jedoch in den meisten Skigebieten die Zeiten einer garantiert weißen Saison seit Jahren vorbei. In der Konsequenz werden immer höher liegende  Pisten erschlossen, man weicht auf Gletscher aus oder greift zur künstlichen Beschneiung, was jedoch nicht ohne weitreichende Eingriffe in das Ökosystem vonstattengeht. Ein sensibles Thema, bei dem oftmals die Interessen von Wirtschaft, Umweltschutz und Politik kollidieren. Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten derweil an Lösungen, die nachhaltig und ökologisch einen verlässlichen Skibetrieb ermöglichen sollen.




Neben den technischen Eigenschaften der Beschneiungsanlagen selbst ist auch die Planung ihres Einsatzes ein ausschlaggebender Faktor. Mit speziellen Systemen lässt sich der Energie- und Wasseraufwand – und somit auch die Belastung für die Umwelt – stark reduzieren. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die Schneetiefenmessung. Wo noch vor einigen Jahren punktuelle Stichproben mit einem Bohrer vorgenommen werden mussten, werden nun die Pistenraupen selbst zum Messgerät und stellen ständig aktuelle Daten zur Verfügung. Dazu wird ihre Position per GPS innerhalb des digital hinterlegten Geländes bestimmt, woraus sich nach Abzug der Fahrzeughöhe die Tiefe der darunterliegenden Schneeschicht errechnen lässt. So kann ein stets aktuelles Profil erstellt werden, aus dem ersichtlich wird, wo größere Schneemassen zur Umverteilung verfügbar sind, wo die Schneedecke ausdünnt und wo eine künstliche Beschneiung sinnvoll ist. Ebenfalls lässt sich mit den Systemen die Pistenfahrzeug-Flotte überwachen und koordinieren, sodass durch optimal abgestimmte Fahrwege der Treibstoffverbrauch minimiert werden kann. 




Das erste und bis heute marktführende System ist Arena Pistenmanagement des österreichischen Unternehmens Power GIS. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Produkten ist die Echtzeit-Vernetzung aller Bordcomputer und Überwachungsstationen. Ein zentraler Server versorgt über eine Cloud alle Komponenten im Betriebsablauf permanent mit den aktuellen Daten, sodass sich die Prozesse jederzeit untereinander abstimmen lassen. Dementsprechend produzieren auch die Schneeerzeuger automatisiert nur dann Schnee, wenn es laut System notwendig ist. Über die Bereitstellung von Hard- und Software hinaus liegt ein weiterer Schwerpunkt von Power GIS auf dem Dienstleistungsfaktor, der neben einer eigenen Akademie (Pisten Management) auch die Vermittlung von Anwendungskenntnissen innerhalb eines Kompetenzzentrums umfasst.




Eine Komplettlösung aus Pistenfahrzeug und –management bietet der schwäbische Hersteller Kässbohrer Geländefahrzeug AG: die Pistenbully können ab Werk mit dem System Snowsat ausgestattet werden. Hier liegt der Fokus vor allem auf der optimalen Usability für den Endnutzer, also dem Fahrer beziehungsweise den Pisten- und Beschneiungschefs. Es wurde auf eine übersichtliche und leicht zu bedienende Benutzeroberfläche in Form eines Touchscreens geachtet, die sich auch während des Fahrens nutzen lässt und alle wichtigen Informationen und die aktuelle Situation des Skigebietes auf einen Blick ersichtlich macht. Mit Technoalpin (↗ form 257, S. 18) besteht eine Kooperation, durch die Snowsat mit der Steuerung der Beschneiungsanlagen vernetzt werden kann. Zusätzlich arbeitet Kässbohrer an einer besonders zuverlässigen und flächendeckenden Schneetiefenmessung, die im gesamten Skigebiet zentimetergenau verfügbar ist. 


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Nº 273
Designing Protest

form Design Magazine


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Dossier
Schnee
Jahr
2015
Disziplin
Produktdesign, Interfacedesign, Industriedesign
Ausgabe
form Nº 257 (hidden)
Links
pistenmanagement.at
pistenbully.com

An article on artificial snow and snow alternatives can be found in form 257The magazine can be ordered online in our shop.

Text: Susanne Heinlein