The Weather Diaries.
3rd Nordic Fashion Biennale

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt
– 21. September 2014

museumangewandtekunst.de


Obwohl der Mensch seit Jahrtausenden versucht sich von der Natur zu emanzipieren, bleibt er doch ihren Einflüssen ausgesetzt. Wer sich für Modedesign interessiert – im Besonderen für weitgehend Unbekanntes aus Island, Grönland und den Faröer-Inseln – und der Frage nach dem Einfluss der Natur auf menschliches Schaffen nachgehen möchte, kann noch bis 21. September 2014 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt die Ausstellung „The Weather Diaries“ im Rahmen der dritten Nordic Fashion Biennale besuchen.





Passiert man den Vorhang am Eingang der Ausstellung, taucht man in gedämpftes Zwielicht. In den Räumen der Ausstellung präsentiert sich eine atmosphärische Collage aus physischen Exponaten, Fotografien, Zitaten und Videoinstallationen. Durch welche Medien Modedesign in einem Museum kommuniziert werden kann, wird hier erfahrbar. Dabei geht es nicht nur um die Präsentation der Entwürfe selbst, sondern um die Kommunikation des Kontexts, in dem sie entstanden sind: die Nordischen Inseln.

Ein zwanzigminütiger Film lässt die Designer und Künstler, allesamt aus Island, Grönland oder den Faröer-Inseln stammend, selbst zu Wort kommen. Dabei geht es um die Frage, was es bedeutet, in diesem Teil der Erde Mode zu machen. Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Befragten selbst: Es bedeutet in Isolation zu leben, den extremen Wetterschwankungen ausgesetzt zu sein, Inspiration aus der einzigartigen Natur und ihrer Formsprache zu ziehen, die eigene Kultur und Tradition zu bewahren und auszudrücken, von westlichen Trends unabhängig zu sein und auch Langeweile als Anlass für Kreativität zu nehmen. All diese Aspekte flossen in die zumeist eigens für die Frankfurter Ausstellung angefertigten Arbeiten ein, ob die Modeschöpfer noch immer auf den Inseln leben oder nicht.

Nikolaj Kristensen lebt im weit abgeschlagenen Nuussuaq, Grönland, und pflegt eine Leidenschaft für traditionelle, grönländische Glasperlenstickerei. Statt Trachten fertigt er ungewöhnliche Kleider aus Perlen für seine Tochter. Johanna Methusalemsdottir, aka Kria, lebt und arbeitet in New York, wo sie Schmuck gestaltet, der in Form von tierischen Zähnen, Knochen oder Skeletten visuell an Schamanentum erinnert. Diesen Einschlag in ihren Entwürfen schreibt sie ihrer Kindheit auf Island zu, wo sie die Faszination für tierische Überreste in der Natur entdeckt hat. Die individuelle Prägung durch die Herkunft ist in jedem der Entwürfe erkennbar. Weitere an der Ausstellung beteiligte Designer und Künstler sind: Najannguaq Lennert, Jessie Kleemann, Barbara i Gongini, Bibi Chemnitz, Gudrun & Gudrun, Gudmundur Hallgrimsson aka Mundi, Rannva Karadottir und Marianna Morkore aka Rammatik, Hrafnhildur Arnardottir aka Shoplifter und Steinunn Sigurdardottir.

Neben den elf Exponate hängen die fotografischen Arbeiten von Sarah Cooper und Nina Gorfer, die ebenfalls die Ausstellung kuratiert haben. Die Fotografien sind im Laufe der letzten zwei Jahre vor Ort und in Zusammenarbeit mit den Protagonisten der Modeszene der Nordischen Inseln entstanden. Sie platzierten die Entwürfe in dramatischer Naturkulisse und belegten sie mit der Anmutung von Malerei aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Durch die Kombination von Mode, Fotografie und Malerei entstanden ungewöhnlich narrative Interpretationen der Entwürfe. Dieser Ansatz findet sich auch in dem zur Ausstellung erschienen, gleichnamigen Buch wieder.

Der letzte Raum der Ausstellung überrascht mit der lauten Inszenierung der Kollektion von Gudmundur Jörundsson aus Island – klassische Schnitte, Streifenmuster, Stroboskoplicht und Metal Musik: „The Weather Diaries“ ist frischer Wind aus dem Norden, in vielerlei Hinsicht.



















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