Vera Aldejohann: Take & Give

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FH Düsseldorf, 2014

open-output.org/veraaldejohann/project


Ausgangspunkt für die Arbeit „Take & Give“ sind auf unterschiedliche Art und Weise angeeignete Graffiti im st.dtischen Raum. Zum einen wurden identische Metallplatten und Schmuckteile an W.nden angebracht und anschlie.end im besprühten Zustand wieder eingesammelt. Ein dazugeh.riges Buch dient als Referenz und Archiv. Zum anderen ist Schmuck aus Bruchstücken vielschichtiger Graffitiw.nde entstanden. Durch die Bearbeitung der Stücke sind untere Schichten wieder sichtbar geworden und es sind auf diese Weise neue Bilder entstanden.




Bei Vera Aldejohanns Projekt haben uns die Formen und Farben der außergewöhnlichen Schmuckstücke beeindruckt. Hat man dann realisiert, dass die übernatürlichen, fraktalen Anhänger nicht von der Designerin bemalt wurden, sondern aus mehreren, direkt von der Straße stammenden Graffitischichten bestehen, wird der Schmuck zum zeitgenössischen Fossil. Ein kraftvolles Plädoyer für die Wiederverwendung und die Transformation einer oftmals als Vandalismus geschmähten Kunstform zu schönem Schmuck.“ Hansje van Halem

 

1. Hast du einen besonderen Bezug zur Graffiti-Szene oder hat dich rein die Ästhetik angesprochen?

 

Ursprünglich hatte ich keinen Bezug zur Graffiti-Szene. Ich kannte keinen Sprayer und fand auch die meisten Graffiti nicht besonders gut. Durch meine große Leidenschaft für Farben habe ich auf meinen täglichen Zugfahrten von Stadt zu Stadt Graffiti als Farbexplosionen wahrgenommen und zu schätzen gelernt. Graue Beton- und Ziegelschneisen werden durch die bunten Graffiti zu spannenden Orten. Es gibt die tollsten Farben als Spraydose – deswegen fing ich an, meinen Schmuck mit Graffiti-Farben zu besprühen. Zeitgleich bin ich aufmerksam geworden auf die Bildbotschaften und die Techniken der Graffiti und habe angefangen, Graffiti nicht nur als Farbspender, sondern als Ganzes zu sehen und zu mögen.

 

2. Der Titel „Take & Give“ lässt darauf schließen, dass zwischen dir und den Graffiti-Künstlern ein abgesprochener Austausch stattfand. Wie sah dieses Geben und Nehmen aus?

 

Als Designer sehe ich mich als aktives Mitglied der Gesellschaft. Ich möchte meine Fähigkeiten mit denen anderer verbinden und durch diese Kopplung etwas schaffen, das mein Fachgebiet überschreitet und das ich allein so nicht hätte erdenken können. Mich reizt es, ein Konzept zu entwickeln, bei dem ich den Entwurf an einer Stelle aus meiner Hand gebe und später annehme, was andere damit gemacht haben. Natürlich kann ich meinen Schmuck selbst mit Graffiti-Farben besprühen, wenn ich will, dass er bunt wird. Ich kann mir aber auch eine Stelle suchen, an der voraussichtlich ein Graffiti entstehen wird und ihn dort aufhängen und abwarten, was passiert. Der ursprüngliche Gedanke bei diesem Konzept war es, die Sprayer parasitär zu nutzen, also ungefragt. Statt Schmuck habe ich Metallplatten an Wände gehängt, weil sie mehr von den Bildern aufnehmen können. Zufällig habe ich auf meinen Streifzügen Sprayer getroffen und näher kennen gelernt. Die Szene hat mich hingegen aller Gerüchte über ihre Unnahbarkeit und Radikalität, aufgenommen und mit Bildern versorgt. Ich habe im Gegenzug Fotos von ihren Graffiti gemacht und zusammen mit den Platten in einem Buch archiviert. Der Austausch mit den Sprayern ist mir wichtiger geworden als ein parasitäres Konzept. Durch diese Entwicklung wurde das Thema zu Nehmen und Geben.

 

3. Was kann man Deiner Meinung nach als Designer von der Graffiti-Kultur lernen?

 

Der Zusammenhalt innerhalb einer Crew ist unheimlich stark. Es wird zusammen an einem Bild gearbeitet und jeder macht, was er am besten kann. Am Ende geht es darum, wie gut das Bild im Gesamten geworden ist und nicht um das Ego des Einzelnen. Dieses Teilen von Ideen, Fähigkeiten und Ergebnissen ist meiner Meinung nach vorbildlich. Ich denke, dass diese Arbeitsweise auch für Designer sinnvoll ist.



















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