19 December 2013

News
Design versus Marketing.
Ein Einzelfall?

Gestern erreichte uns der neue Newsletter von Frédérik Dedelley. Darin berichtet der Zürcher Designer über seine enttäuschende Erfahrung mit dem Schweizer Polstermöbelhersteller de Sede.



 

Wir zitieren:

„Von der Marketingleitung der Firma DE SEDE erhielten wir kurz vor der Sommerpause das gut vorbereitete und inspirierende Briefing, eine Polstermöbelfamilie ‚mit ungewöhnlicher Optik‘ für drei kultivierte und anspruchsvolle Zielgruppen zu entwerfen. Um den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten, kürzten wir zugunsten des Projektes unsere Sommerpause und stiegen voller Elan in die Arbeit ein. Mit Begeisterung von der Marketing- und Produktmanagementleiterinnen abgesegnet, wurde Mitte September unser Entwurf der Verkaufs- und der Geschäftsleitung präsentiert. Ohne die Kriterien des Briefings zu beachten, zeriss die Herrenrunde unser Projekt in ein Paar Sätzen: zu elitär, ohne kommerzielles Potential sei der Vorschlag, die Firma DE SEDE bräuchte keine ‚élégance radicale‘ sondern endlich wieder eine ‚Verkaufsgurke‘. Demnach empfehlen wir DE SEDE folgenden Statement aus der Firmenphilosophie dringend auf die neue Zielsetzung der Marke anzupassen: ‚Als Unternehmen streben wir danach, handwerkliche Meisterstücke für höchste individuelle Ansprüche und für die Welt von heute zu schaffen‘. Seit dieser Präsentation hat sich niemand mehr bei uns gemeldet, das vereinbarte Honorar wurde nicht bezahlt. Auf die ‚Verkaufsgurke‘, die an der IMM Cologne im Januar 2014 präsentiert werden, warten wir gespannt. In der Zwischenzeit haben wir gegen DE SEDE ein Betreibungsverfahren eingeleitet. Bitteres Ende eines kurzen Flirts.“

 

Auf unsere Nachfrage antwortete die Presseabteilung von de Sede, man nehme „den Fall sehr ernst“ und sei „bemüht, die Angelegenheit zwischen Herrn Dedelley und de Sede so rasch wie möglich zu klären“. Welcher Art, fragen wir uns, ist nun die „Angelegenheit“? Die Bezahlung eines ausstehenden Honorars? Diese Angelegenheit sollte sich tatsächlich klären lassen. Wie aber lassen sich interne Differenzen zwischen Vertretern der Firmenphilosophie einerseits und der Firmenleitung (seit der Insolvenz 2012 die Aare Finanz- & Holding AG) andererseits klären? Offenbar zu Lasten eines externen Designers. Und – lässt sich der Begriff „Verkaufsgurke“ überhaupt klären? Er lässt wohl eher tief blicken.

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Nº 283
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