Nº 273
Editorial:

Designing Protest

Text: Stephan Ott

Design

Für den Fall, dass wir uns angesichts der wachsenden Probleme in der Welt fragen sollten, warum die Schere zwischen Erkenntnis und Bewältigung größer statt kleiner wird, könnte es daran liegen, dass wir immer noch zu sehr auf Systeme vertrauen. Politische, wirtschaftliche oder soziale Systeme dienen in erster Linie ihrem Selbsterhalt und dem Interesse Einzelner, insgesamt gesehen, gereichen sie uns Menschen jedoch zum Nachteil. Deshalb obliegt es auch uns Menschen insgesamt, auf Fehler oder Versagen von Systemen hinzuweisen. Beispielsweise dann, wenn, wie beim jüngsten G20-Gipfel geschehen, die Tochter des US-Präsidenten – immerhin ein Mensch mit explizit unternehmerischem Eigeninteresse – am Verhandlungstisch Platz nimmt; oder dann, wenn trotz „wahrscheinlicher Krebsgefahr“ und Artensterben das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nach wie vor angewendet werden darf. Ein Einmischen, auch von Designern, ist also dringend geboten, ob in der Politik, bei der Erprobung neuer Lernmethoden oder der kritischen Betrachtung neuer technologischer Entwicklungen.

 

Kontext

Ohne ein Einmischen von Menschen lassen sich ungerechte Verhältnisse nicht ändern; und die Geschichte zeigt, dass ohne Proteste die meisten zivilen Errungenschaften nie oder erst sehr viel später erreicht worden wären. Errungenschaften sind aber auch nur vorübergehende Entwicklungsstufen, die nicht als ewig währende Pfründe für Einzelne, denen sie einen Vorteil verschaffen, missverstanden werden dürfen. In unserem Schwerpunkt gehen wir den unterschiedlichen Motivationen und Formen von Protest nach. Protest kann subversiv sein oder sehr persönlich, er kann sich aber auch in praktischen Ratschlägen äußern. Und schließlich lassen sich mithilfe von Ausstellungen oder der Archivierung unterschiedlicher Arten von Protest, dessen Notwendigkeit und Wichtigkeit einer breiteren Öffentlichkeit näherbringen; nicht zuletzt, um denen entgegenzutreten, denen jeglicher Protest automatisch als Vorsatz für Freiheitsbeschränkungen dient.

 

Situation

Nach aktuellen Mustern dieser Art autoritärer Einflussnahme müssen wir nicht lange suchen: Polen, Russland, die Türkei, Ungarn, die USA und viele andere. Alle nehmen dabei für sich in Anspruch, demokratisch legitimiert zu handeln. Das funktioniert aber nur so lange, wie die Demokratie als System zu fixieren versucht wird. Diejenigen jedoch, denen sich Demokratie als struktureller, lebendiger Prozess offenbart, lassen sich davon weder täuschen noch einschüchtern, denn es gab und gibt keine demokratische Legitimation für Autokraten und Oligarchen. Erfreulicherweise gab und gibt es trotz allem Beispiele lebendiger Prozesse, etwa aus Kanada, das historisch in vielerlei Hinsicht ein rühmliches Gegenmodell zu seinem Nachbarn, den USA, darstellt, oder auch Projekte, die im Rahmen der diesjährigen Jerusalem Design Week vorgestellt worden sind. 

Am 13. Oktober 2017 feiern wir im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main das 60-jährige Jubiläum der form. Dazu laden wir Sie sehr herzlich ein und würden uns sehr freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen.

 

Stephan Ott, Chefredakteur

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