Nº 277
Editorial:

Mexiko

Text: Stephan Ott

Design

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Da schwebt seit Februar Elon Musks roter Tesla Roadster zu Klängen von David Bowies „Space Oddity“ mit einem Astronautendummy am Steuer durchs Weltall und gleichzeitig werden auf der Erde 123.000 Teslas vom Typ Model S wegen eventuell rostender Schrauben an der Servolenkung in die Werkstätten zurückgerufen. Beide Ereignisse eint ein (in diesem Fall auf Fahrzeuge bezogener) Bewandtniszusammenhang, dessen wir uns, so der Philosoph Martin Heidegger, erst durch eine Störung gewahr werden. Rostende Schrauben leuchten als Beeinträchtigung sofort ein, und bei genauerer Betrachtung stellt auch ein zu PR-Zwecken in den Orbit geschossener Roadster für ein Fahrzeug eine profunde Störung dar.

Nun geht es im Design vor allem darum, Dinge zu entwerfen und herzustellen, die möglichst nicht störanfällig, sondern anwenderorientiert, smart, selbsterklärend und funktional sind. Da sich aber Bewandtniszusammenhänge permanent ändern können – selbst Musks Roadster wird von der NASA mittlerweile unter „Target Body 143205“ offiziell als Himmelskörper geführt – ist das oftmals einfacher gesagt als getan.

 

Kontext

Welche Bewandtnis es mit Mexiko als Designland hat, dieser Frage gehen wir in unserem Schwerpunkt nach. Dabei stellt sich schnell heraus, dass Design sowohl historisch als auch in der aktuellen alltäglichen Praxis mitunter über mehr Integrationsvermögen verfügt, als etwa die derzeitige Politik, deren dringliche Aufgabe dies wäre. Nicht nur, dass die Trump-Administration offenbar kein akuteres Problem kennt, als eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten; auch designintern schaffen es die offiziellen Verbände immer noch zu selten, Chancen zu nutzen, wie sie sich etwa mit Events wie der World Design Capital, zu der Mexiko-Stadt in diesem Jahr ernannt wurde, ergeben.

 

 

Situation

Ein grundlegendes Nachdenken über die diversen Miseren und deren jeweilige Lösungsmöglichkeiten tut also Not. Dabei ist es zunächst von sekundärem Belang, ob dies aus philosophischer Perspektive, in Form von Manifesten oder mithilfe von Design Thinking vonstatten geht, denn idealerweise ergänzen sich diese Methoden. Entscheidend wäre, dass das Design als eigenständige Gestaltungsdisziplin Anerkennung findet, wozu übrigens nicht nur der Designer, sondern immer auch der Gebraucher einen entscheidenden Beitrag leistet. Letzterer ist es nämlich, darauf hat bereits Platon in seiner „Politeia“ hingewiesen, der als Erfahrenster dem Hersteller wertvolle Hinweise geben kann.

In diesem Sinne sollten wir es auf jeden Fall besser machen als Elon Musk, denn trotz allem bleibt doch die Frage, was am Ende anderes von der Weltraum-Odyssee eines roten Tesla Roadsters übrigbleibt, als das private Popevent eines zur Hybris neigenden Milliardärs.

 

Stephan Ott, Chefredakteur

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